Kastrations-Pflicht für Katzen abgeschmettert

An vielen Futterstellen in Hagen werden verwilderte Katzen gefüttert, eingefangen und kastriert. Den Tierschutzverein kostet das eine Menge Geld und viel ehrenamtliches Engagement. Durch die immer größer werdende Zahl verwilderter Katzen sind die Tierschützer jedoch am Ende ihrer Kraft. (Foto: wochenkurier)

Hagen. (anna) Verwilderte Katzen, die sich in rasantem Tempo vermehren, werden zum Problem für die Menschen – ebenso wie für die Tiere selbst. Nicht zuletzt sind sie auch einem großen Leid ausgesetzt, da sie bei Krankheit keinerlei Hilfe erfahren. Um diesen Missständen entgegen zu wirken, hat eine Hagenerin einen Antrag gestellt zur Aufnahme eines Katzen-Kastrationsgebotes in die Gebietsordnung. Die Verordnung enthält Verhaltensvorschriften zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Stadtgebiet.

Nach Ansicht der engagierten Bürgerin müssten Besitzer freilaufender Katzen in die Pflicht genommen werden, damit sich die Samtpfoten nicht weiterhin unkontrolliert fortpflanzen. Nur durch die Kastrationspflicht bekomme man die hohe Zahl dieser wilden Tiere in Hagen endlich in den Griff, so die Antragstellerin.

Schon seit vielen Jahren reißt sich der hiesige Tierschutzverein die Beine aus, um den frei lebenden Katzen zu helfen und die Bestände nicht ausufern zu lassen. Das kostet den Verein nicht nur eine ganze Menge Geld, sondern erfordert auch vollen Einsatz. Viele ehrenamtliche Frauen, die trotz Berufstätigkeit der Arbeit des Einfangens nachgehen, sind überfordert und können den wachsenden Druck durch immer mehr notwendige Einsätze kaum noch aushalten. Tierschützer liegen mittlerweile mit zehn Katzenfallen in ganz Hagen auf der Lauer, um wild lebende Miezen einzufangen, sie zu kastrieren und Krankheiten zu behandeln. An den 18 Futterstellen in der Stadt wurden im letzten Jahr über 8000 Dosen verfüttert. Auf stolze 21.000 Euro beliefen sich die Tierarztkosten.

Im November wurden allein 28 Katzen kastriert. „Wir sind am Limit“, beteuert Birgit Ganskow, Vorsitzende des Tierschutzvereins, „denn mit Spenden können wir diese Ausgaben kaum noch bewältigen. Fast täglich erreichen uns Anrufe, in denen neue Katzen gemeldet werden. Die meisten Tiere haben vereiterte Augen oder laufen halb verhungert mit ihren Babys durchs Gestrüpp. Natürlich sind sie unkastriert und vermehren sich in rasanter Geschwindigkeit. Ein schreckliches Elend. Dazu kommt noch, dass viele Wildtier-Bestände von schweren Krankheiten betroffen sind. Beim Deckakt stecken sie gesunde Wohnungskatzen an.“

Lage unerträglich

Der wochenkurier hat bereits mehrfach über die Situation in unserer Stadt berichtet. Doch jetzt ist alles schier unerträglich geworden. Birgit Ganskow: „Wir kämpfen gegen Windmühlen.“ Und sie bekräftigt erneut: „Wir schaffen es nicht mehr, weder finanziell noch vom Zeitaufwand her.“

Deshalb hat eine Hagenerin einen Bürgerantrag auf Kastrationspflicht gestellt, wie sie schon in vielen Städten (beispielsweise auch in Iserlohn und Lüdenscheid) praktiziert wird. Das würde den Tierschützern die Arbeit sehr erleichtern. „Unser Amtstierarzt Wolfram Bell sieht hierfür allerdings keine Notwenigkeit – dies unter anderem mit der Begründung, wir würden tolle Arbeit leisten! Ich fasse das nicht! Wir alle nicht!“, ärgert sich Birgit Ganskow über alle Maßen. Folglich musste sich der Rats-Beschwerdeausschuss erneut mit dem Thema beschäftigen.

Kommunale Regelung nicht sinnvoll

Laut Protokoll soll Tierarzt Wolfram Bell ausgeführt haben, dass der Bürgerantrag auf eine Kampagne einer Tierschutzorganisation zurückgehe. Sie habe zum Ziel, bundesweit ein Katzen-Kastrationsgebot zu etablieren. Einige Kommunen seien diesem Ansinnen nachgekommen, andere nicht. Ein Kastrationsgebot auf örtlicher Ebene stehe rechtlich auf wackeligen Füßen, dies habe das Rechtsamt der Stadt Hagen festgestellt. Derzeit sei eine Änderung des Tierschutzgesetzes in Arbeit, durch die sich eine Rechtssicherheit erst ergeben werde. Ein Hagener Vorpreschen sei vor diesem Hintergrund nicht sinnvoll. Rein praktisch werde es den wildlebenden Katzen auch nichts nützen, wenn ein Kastrationsgebot eingeführt werde, da dessen Einhaltung nicht kontrolliert werden könne.

In Hagen sei – so zitiert Birgit Ganskow den Tierarzt Bell – „die Situation nicht als problematisch anzusehen“. Die Tierschützer empfinden diese Ausführung als Schlag mitten ins Gesicht, zumal der Amtstierarzt die wahren Verhältnisse gut kenne und um die schlimmen Schwierigkeiten wisse. „Keine Ahnung, warum er behauptet, es sei alles unproblematisch“, ärgert sich Ganskow, „eigentlich müssten Tierschutz und Behörde zum Wohl der Tiere doch zusammen arbeiten. Ich finde keine Worte für Bells Verhalten.“

„Es ist ja schön, wenn unsere Arbeit gelobt wird, aber in diesem Fall fühlen wir uns alle rundherum verschaukelt“, wettert Birgit Ganskow. „Mit dem Kastrationsgebot würde uns ein wirkungsvolles Instrument an die Hand gegeben, die unkontrollierte Vermehrung der Katzen endlich zu begrenzen, auch wenn es nur hier und da kontrolliert werden kann. Jetzt ist die Chance erst einmal wieder vertan.“

Übrigens: Spenden für seine Arbeit nimmt der Tierschutzverein unter Sparkasse Hagen (BLZ 450.500.01), Konto 100.029.582, entgegen.