Kein Kompromiss für das rosa Haus

Hagen. (anna) Der weitere Bau der Hagener Bahnhofshinterfahrung gerät ins Stocken. Denn die Stadt darf noch immer ein mitten auf der künftigen Fahrtrasse stehendes Wohn- und Gewerbehaus nicht abreißen. In dem rosa Mehrfamilienhaus in der Weidestraße am Ufer der Ennepe, das Platz für ein neues Brückenbauwerk machen soll, lebt seit 1994 ein türkischer Familienclan, bestehend aus fünf Erwachsenen und vier Kindern. Familienchef Akif Karacbey habe selten Miete bezahlt, heißt es. Das ärgert Karacbey, der seinem früheren Vermieter monatlich 3880 Euro überwiesen haben will. Der Betrag sei dann auf 1200 Euro reduziert worden. Bis zum 31. März dieses Jahres habe er immer die Pacht bezahlt. Als das Haus dann in den Besitz der Stadt Hagen übergegangen sei, habe ihm keiner ein Konto genannt, auf das er die Pacht hätte überweisen können.

Für die Stadt ist diese Äußerung „lächerlich“. Tatsache sei hingegen, dass der Familie Karacbey schon am 6. August 2012 vom früheren Vermieter wegen eklatanter Mietschulden gekündigt worden sei. Die Karacbeys sind aber nie ausgezogen.

Teurer Stillstand

Für die Räumung des Hauses fehlt der Kommune momentan die „juristische Handhabe“. Jeder Tag Verzögerung kann die Stadt aber eine hohe Summe kosten. Deshalb wartet die Stadt dringend auf das Urteil des Oberverwaltungsgerichtes am 16. Oktober, „das hoffentlich im Eilverfahren entschieden wird“, so die Stadt.

Eigentlich, so Akif Karacbeys, laufe sein Pachtvertrag erst im Jahre 2016 aus. Bis dahin dürfe er in der Immobilie bleiben. „Ich will der Stadt aber keine Knüppel zwischen die Beine werfen“, betont er eindringlich, „wenn ich 40.000 Euro Umzugsgeld erhalte, bin ich in fünf Wochen draußen …“

Der erste Bauabschnitt, der vor allem in Wehringhausen für Entlastung sorgt, ist weitgehend fertiggestellt. Doch die Realisierung der nächsten, deutlich umfangreicheren Etappe, deren Umsetzung bis ins Jahr 2019 reichen soll, droht wegen des rosa Hauses terminlich völlig aus dem Ruder zu laufen. Damit steht nicht nur die Förderung durch Bund und Land auf der Kippe, sondern es drohen auch erhebliche Mehrkosten durch Umorganisationen und eine deutlich kompliziertere Erschließung des nächsten Bauabschnitts.

Kompromiss unmöglich

Akif Karacbey fühlt sich durch und durch als Hagener, schließlich eröffnete seine Familie den ersten türkischen Laden in Hagen, der lange Zeit in der Minervastraße zu finden war. „Vater und Großvater sind in Hagen gestorben und liegen in deutscher Erde“, betont er. Die Stadt habe ihm unterschiedliche Angebote gemacht. Keines sei aber akzeptabel gewesen. Jetzt gehe alles den gerichtlichen Weg, obwohl das Oberlandesgericht im August entschied, ihm keine Prozesskostenhilfe angedeihen zu lassen, da seine Klage keine Aussicht auf Erfolg habe.

Das Presseamt der Stadt Hagen spricht indes von einem komplizierten Geflecht, das nur gerichtlich gelöst werden könne. Da es gleich zwei klagende Parteien aus dem rosa Haus gebe, die sich von unterschiedlichen Anwälten vertreten lassen und ganz unterschiedliche Forderungen hätten, könne man nicht einfach 40.000 Euro zahlen und einen Schlussstrich ziehen. Die Sachlage sei verworren und jeder Kompromissversuch bislang gescheitert. Außerdem sei die Stadt nicht in der Pflicht, eine Abstandssumme zahlen zu müssen. Das sei reine Kulanzsache, für die es jetzt allerdings zu spät sei. Die Rosa-Haus-Leute seien sich nicht einmal einig, in dem, was sie von der Stadt erwarten.

Die Stadt hofft nun, dass das Oberverwaltungsgericht am 16. Oktober 2014 im Eilverfahren ein Urteil im Sinne der Stadt fällt und den Fall nicht ans Landgericht zurück gibt. Unter diesen Umständen würde das Urteil noch Monate auf sich warten lassen. Dann könnte es echt teuer für Hagen werden …