Kein Thema ist tabu: 45 Jahre Telefonseelsorge

Hagen. 3. April 1974, 8 Uhr in Hagen: „Guten Morgen, hier ist die Telefonseelsorge Hagen. Ich bin für Sie da!“ – 45 Jahre ist es her, dass Karin diesen Satz gesagt hat, und noch heute begleitet sie Menschen in Not am „Hörer“ der Hagener Telefonseelsorge.

45 Jahre Telefonseelsorge Hagen-Mark in Zahlen: 700 Ehrenamtliche wurden qualifiziert, mehr als eine halbe Million Anrufe entgegengenommen, 20.000 Mails geschrieben und 10.000 Chats angeboten.

Kein Thema ist tabu

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Telefonseelsorge unterstützen bei Beziehungsproblemen und leihen Menschen ihr Ohr. Sie helfen Mädchen und Jungen, die gemobbt werden und begleiten sogar Sterbende. „Kein Thema ist tabu, und man weiß nie, was kommt“, beschreibt Birgit Knatz die Arbeit.

Gemeinsam mit Dr. Stefan Schumacher leitet sie die Telefonseelsorge Hagen-Mark. Sexuelle und physische Gewalt sind die führenden Themen in der Chat- und Mailseelsorge, gefolgt von Einsamkeit und Krankheit. „Der Anonymität des Netzes vertrauen sich auch sehr vorsichtige Menschen an, ebenso wie Lebensmüde und Menschen, die schwer traumatisiert sind“, fasst Dr. Stefan Schumacher zusammen.

Tag und Nacht da

90 ausgebildete Ehrenamtliche sorgen zur Zeit dafür, dass die Telefonseelsorge Tag und Nacht besetzt ist und seit 24 Jahren sich auch Menschen über das Internet an die Telefonseelsorge wenden können – denn immer mehr Menschen wollen lieber schreiben als sprechen.

Spiegel der Gesellschaft

Die Telefonseelsorge hat schon immer eine Seismografen-Funktion, sie zeigt nicht nur neue Themen, sondern die gesellschaftliche Realität. So haben die Gespräche, in denen es um psychische Erkrankungen geht, deutlich zugenommen. Suizidgedanken und entsprechende Ankündigungen kommen fast in jedem dritten Chat und jeder fünften Mail vor.

Während die Suizide allgemein ganz leicht zurückgehen, steigen sie bei Kindern und Jugendlichen unter 25 Jahren an. 600 Mädchen und Jungen bringen sich jedes Jahr in Deutschland um.

Eine App für den Notfall

Um darauf zu reagieren, will die Telefonseelsorge in Hagen, gemeinsam mit den anderen Telefonseelsorgestellen in Deutschland, eine „Krisen-Kompass-App“ anbieten, sozusagen einen Erste-Hilfe-­Koffer für die Hosentasche. Der Krisen-Kompass ist als ergänzende Hilfe angelegt, wenn gerade kein Gespräch möglich ist, weil man sich nicht traut oder schämt oder die Leitung besetzt ist. Sie ist aber auch als Hilfe für Menschen gedacht, die sich Sorgen um andere Menschen machen, und sie unterstützt Hinterbliebene in ihrer Trauer.

Spenden zum Geburtstag

Bisher hat die Telefonseelsorge in Deutschland knapp 50.000 Euro über Spenden für die Entwicklung bekommen, nötig aber sind 120.000 Euro. Und so wünscht sich die Telefonseelsorge in Hagen zum Geburtstag viele Spenderinnen und Spender die sie bei der Entwicklung des „Krisen-Kompass“ unterstützen.

Weitere Informationen unter www.krisen-kompass.app.