Kerstin Wendel: „Stärke finden in einem Leben mit Krankheit“

Kerstin Wendel hat ihr Schicksal zum Anlass genommen

Kerstin Wendel hat ihr Schicksal zum Anlass genommen, ein Buch zu schreiben: „Chronisch hoffnungsvoll“ heißt ihr Werk, erschienen ist es im SCM-Verlag. (Foto: Ruhrkirche)

Wetter. (AnS) „Flügellahm. Belastet. Vielleicht sogar ausgebrannt. Irgendwo zwickt und zwackt es in Ihrem Körper. Das hält Sie beschäftigt. Und zwar nicht erst seit drei Tagen, sondern schon erheblich länger. Die Diagnose lautet: chronisch krank. Oh weh! Das ist eine Aussage… Klingt irgendwie beängstigend, oder?“
Mit diesem eindringlichen Vorwort beginnt das gerade erschienene Buch von Kerstin Wendel „Chronisch – hoffnungsvoll“.
Welche Veränderungen und Herausforderungen chronische Erkrankungen für das Leben von Betroffenen ganz praktisch bedeuten – das beschreibt die ehemalige Lehrerin für Deutsch und Musik. Dabei kommt sowohl ihre eigene Geschichte zum Tragen als auch die von 13 anderen chronisch Kranken im Alter von 19 bis 80 Jahren: Ein Buch von Betroffenen für Betroffene.
„Gutes kann man doch teilen!“, erklärt die Autorin ihre Motivation. „Ich bin selber seit 30 Jahren chronisch krank. In den letzten 15 Jahren habe ich unwahrscheinlich viel gelernt, wie ich in meiner Situation mein Leben gestalten kann. Irgendwann tauchte der Gedanke auf, dass vielleicht auch andere davon profitieren können.“
Viele chronisch krank
20 Prozent aller Bundesbürger sind chronisch krank, haben also ein Leiden, das länger als sechs Monate dauert. Kerstin Wendel greift das Thema umfassend auf, stellt verschiedene Erkrankte vor, beleuchtet ihr Schicksal, ihr persönliches Betroffensein, aber auch die Hoffnung, die die Erkrankten weiter treibt und das Verständnis, das Angehörige aufbringen.
Der Wetteranerin selbst hilft immer wieder der Glaube an Gott, der Mut macht – in schweren Zeiten und darüber hinaus. Aber sie beschreibt auch die Verzweiflung, wenn man Perfektion möchte, aber diese nicht leisten kann und trifft damit nicht nur das Herz von chronisch Kranken.
Viele Lebensfragen
„Es gab ganz praktische Fragen der Lebensgestaltung, an die ich ran musste: Was kann ich mir zumuten, was nicht? Chronische Krankheit schränkt definitiv ein. Ich persönlich bin weniger leistungsfähig als früher, brauche viele Pausen, um halbwegs zu funktionieren.“
Mit Lebenstipps versucht sie zu helfen und um Verständnis zu werben. In „Zum Weiterdenken“ regt sie in jedem Kapitel zu weiterführenden Gedanken an: „Was können Sie? Stellen Sie sich eine kleine Sammlung von guten Gedanken zusammen. Wie gehen Sie mit Überforderung um?“
Wichtig ist – lautet ihr Fazit – die Krankheit zu akzeptieren. „Leben sie in der Stärke, die sie gefunden haben. Hinfallen. Krone aufrichten. Weitermachen.“
Hoffnung bleibt
Und damit erklärt sich auch der Titel des Buches: „Hoffnung entsteht durch aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Situation. Die Spielräume erkennen, sie nutzen! Hoffnung entsteht durch unendlich viele kleine Schritte, die man gehen kann. Hoffnung entsteht durch einen großen Gott, der sich innig und herzlich um chronisch kranke Menschen bemüht.“
Oder wie ein Betroffener so schön formuliert: „Vielleicht gelingt nicht alles, was du geplant hast. Aber wenn du nicht mehr planst, hast du die Chance schon vorher vertan.“
Das Buch ist erschienen im SCM-Verlag.