Kind, Beruf und Rheuma

Hagen. (anna) Familie und Beruf in Einklang zu bringen ist schon für gesunde Frauen eine Mordsanstrengung. Eine optimale Organisation aller anfallender Termine und eine gut durchdachte Strategie für Haushalt und Beruf sind nötig, damit alles rund läuft. Solch eine Herausforderung dann auch noch mit einer chronischen Krankheit zu bewältigen, scheint fast unmöglich. Ist es aber nicht. Ein Mut machendes Beispiel dafür, dass man Rheuma, Kind und Arbeit unter einen Hut bringen kann, ist Ilga Opterbeck.

Die 35-jährige Diplom-Psychologin wird am 22. September in Berlin mit dem Rheuma-Preis 2014 ausgezeichnet. Der Rheuma-Preis wird seit 2009 an Arbeitnehmer und ihre Arbeitgeber verliehen, die gemeinsam partnerschaftliche Lösungen zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit des Arbeitnehmers mit Rheuma umgesetzt haben.

Befund mit 16

Einen ersten Befund über ihre rheumatische Erkrankung erhielt Ilga Opterbeck bereits im Alter von 16 Jahren. Zunächst war von Rheumaschüben die Rede, die auch wieder weggehen könnten. Vier Jahre später, im Jahr 1999, erhielt die Hagenerin dann die endgültige Diagnose: Rheumatoide Arthritis, eine entzündliche Form der Gelenkerkrankung. Ein Schlag für die junge Frau: „Die Vorstellung, ein Leben lang auf Medikamente angewiesen zu sein, war schockierend.“ Doch Ilga Opterbeck hat sich davon nicht einschüchtern lassen und ist ihren Weg zielstrebig gegangen: Sie hat Abitur gemacht, Psychologie studiert, promoviert…

Voll berufstätig

Heute arbeitet sie in der Psychologischen Beratungsstelle des Ennepe-Ruhr-Kreises. Schon im Bewerbungsgespräch hat sie ihre Erkrankung offen angesprochen. „Rheuma ist ein Teil von mir. Ich kann die Krankheit nicht verleugnen oder wegzaubern und das möchte ich auch gar nicht. Ich erwarte von meinem Arbeitgeber Offenheit, Ehrlichkeit und Transparenz und das gebe ich auch zurück. Meine Krankheit kann als Schwäche gesehen werden, aber ich empfinde das so nicht.“

Im Gegenteil – das Rheuma hat Ilga Opterbeck stark gemacht und beeinflusst ein stückweit sogar ihre Arbeit als Psychologin: „Ich weiß, was Schmerzen sind. Da kann ich mich gut einfühlen.“ Ihre eigene Erfahrung gibt sie an ihre Klienten weiter. Was die Hagenerin kann, macht sie mit Herzblut und mit Erfolg: Ihre zunächst befristete Stelle im öffentlichen Dienst wurde kürzlich in eine unbefristete Position umgewandelt.

Beste Bedingungen

Von ihrem Arbeitgeber erhält die Mutter eines zweijährigen Sohnes bestmögliche Unterstützung. Besonders wichtig sind die flexiblen Arbeitszeiten. So kann die Rheumatikerin die notwendigen Arztbesuche in ihren Arbeitsalltag integrieren. Seit der Geburt ihres Kindes kann sie zudem auch im Homeoffice, also zu Hause arbeiten. An ihrem Arbeitsplatz kann sie sich mit einem „Bitte nicht stören“-Schild an ihrer Tür zurückziehen, wenn sie einmal fünf Minuten Ruhe benötigt. Diese Zeit nutzt Ilga Opterbeck zum Beispiel für Autogenes Training, welches ihr hilft, Schmerzschübe zu bewältigen. Auch die Büroausstattung wurde auf ihre Bedürfnisse angepasst.

Mit Rheuma zu arbeiten ist nicht immer einfach. Die Praxis zeigt jedoch, dass in gemeinsamen Gesprächen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern Lösungen gefunden werden, für die es oft nur kleine Veränderungen bedarf oder die längst Bestandteil der Unternehmenskultur sind. So flexibilisieren beispielsweise immer mehr Firmen und Institutionen ihre Arbeitszeitmodelle. Davon profitieren insbesondere auch Menschen mit chronischen Erkrankungen.

Ilga Opterbeck sieht ihre Krankheit nicht als etwas Negatives, sondern als etwas, das ihre Fähigkeiten hervorhebt. „Lebe Deinen Traum und besinne Dich auf Deine Stärken!“ Diesem Leitspruch folgt die junge Mutter und möchte damit auch anderen Menschen mit Rheuma Mut machen: „Man sollte sich auf das konzentrieren, was man kann und dies mit vollem Einsatz tun. Damit ist eine Karriere möglich, Beruf und Familie lassen sich auch mit einer chronischen Erkrankung wie meiner gut vereinbaren.“

Mit der jährlichen Verleihung des Rheuma-Preises zeichnet die Initiative Ideen für eine gelungene Einbindung von Menschen mit entzündlichem Rheuma in das Berufsleben aus.