Kinderstube auf dem Vordach

Rosaria Cuomo ist glücklich, dass sie alle Entenküken retten konnte. Mit viel Arbeit, viel Wasser, hohen Kosten und noch mehr Geduld ist ihr das schier Unmögliche gelungen. (Foto: Anna Linne)
Rosaria Cuomo ist glücklich, dass sie alle Entenküken retten konnte. Mit viel Arbeit, viel Wasser, hohen Kosten und noch mehr Geduld ist ihr das schier Unmögliche gelungen. (Foto: Anna Linne)

Hagen. (anna) Es ist schon ein kleines Wunder. Mitten in der Stadt, genauer gesagt in der Bahnhofstraße, hat eine Entenmutter mit Hilfe von Rosaria Cuomo elf Küken großgezogen. Allem Anschein nach werden die munteren Tierchen in zwei Wochen flügge sein und ihr Zuhause auf dem Dach eines Sonnenstudios verlassen.

Es ist neun Wochen her, dass sich ein Entenpärchen auf dem Flachdach eines Hinterhofs inmitten des innenstädtischen Häusermeers ein Nest baute und mit dem Brüten begann. Schließlich waren es elf Eier, die Rosaria Cuomo in dem Nest entdeckte. Der Entenpapa hatte sich inzwischen aus dem Staub gemacht. Nun standen die Enten- und die Menschenfrau mit dem vermeintlichen Nachwuchs alleine da.

„Ich habe dann die Feuerwehr, die Polizei, den Tierschutzverein und den Förster angerufen und um Hilfe gebeten. Doch direkt interessiert haben meine Enten eigentlich keinen“, wundert sich Rosaria Cuomo. „Der Förster wollte mir einen Jäger schicken, doch was sollte ich mit einem Jäger? Die Feuerwehr wusste immerhin, dass die Tiere unbedingt Wasser brauchen.“

Also kaufte die zukünftige Entenmutter noch vor dem Schlüpfen der Küken ein Planschbecken und Entenfutter für die Kleinen. Nach der Geburt avancierten die Küken schnell zur Attraktion im Hinterhof. Alle Nachbarn kümmerten sich jetzt um sie, sammelten Geld für Futter und Stroh. Viele standen stundenlang am Fenster oder auf den Balkonen und vertrieben die Elstern, die sich gerne ein Küken einverleibt hätten. Nachts schützte die Entenmutter ihre Kinder mit ihren Flügeln. „Sie sah dann aus wie ein dickes Wollknäuel“, erinnert sich Rosaria Cuomo, die beizeiten einen zweiten Swimmingpool kaufte, weil der erste von den Küken zerstört wurde. Alle drei Tage wechselt sie das Wasser, weil es voller Kot ist. „Ich werde wohl eine hohe Wasserrechung bekommen“, lacht die Entenmutter, deren Blumenkästen von dem Federvieh komplett geplündert wurden. Aber auch das findet sie nicht weiter schlimm.

Diese kleine Ente kam mit zwei deformierten Flügeln auf die Welt. Entenmutter Rosaria Cuomo hat Angst, dass das putzige Tierchen das Fliegen nie lernen wird. (Foto: Anna Linne)
Diese kleine Ente kam mit zwei deformierten Flügeln auf die Welt. Entenmutter Rosaria Cuomo hat Angst, dass das putzige Tierchen das Fliegen nie lernen wird. (Foto: Anna Linne)

Eins kann wohl nicht fliegen

Und tatsächlich – dank der guten Pflege – sind alle elf Küken groß geworden. Bald können sie den Hinterhof verlassen. Nur ein Tier hat offensichtlich ein Handicap: Seine Flügel hängen kraftlos zum Boden, so als wären sie gebrochen. „Der Vogel war von Anfang an behindert und wurde von den anderen Entchen gebissen und gemieden. Sie haben wohl gemerkt, dass mit ihrem Geschwisterchen irgendetwas nicht stimmt“, vermutet Rosaria Cuomo. „Wenn er das Fliegen nicht lernt, werde ich ihn eben behalten“, hat sich die menschliche Entenmutter überlegt.

Eine Sorge bleibt: wenn alle elf Enten in nächsten Jahr wiederkommen, um bei ihr zu brüten, wird sie das irgendwie verhindern müssen. „Viel Arbeit macht ihre Pflege und sie machen einfach eine Menge Dreck. Aber ich liebe sie trotzdem.“