Kleingarten-Spieß adé

Hagen (anna) Die Kleingartenanlage Heidebach an der Berchumer Straße wirkt wie aus dem Ei gepellt. Alles ist ordentlich, alles scheint sauber zu sein. Jetzt springt dem Besucher noch unweit des Vereinsheim-Neubaus eine nagelneue Toilettenanlage für Behinderte ins Auge, denn unter den 41 Gartenbesitzern befinden sich immerhin drei Rollstuhlfahrer.

„Früher haben wir an Altwerden und Behinderung nicht gedacht“, schmunzelt der Ex-Vorsitzende Willi Hengst, „als wir damals das Vereinsheim bauten, wollten wir lieber eine Dusche als ein Behindertenklo haben. Doch die Zeiten ändern sich, die Menschen werden immer älter, auch die Kleingärtner.“

Anfang

Vor genau 25 Jahren wurde der Verein aus der Taufe gehoben. 41 Mitglieder haben damals die Wildnis entlang der Berchumer in eine kultivierte Fläche verwandelt. Mit der Unterstützung des Bezirksverbands der Kleingärtner und der Stadt Hagen (früher Grünflächenamt) rodeten sie den Wald, entsorgten Gerümpel, bauten eine Kanalisation, zimmerten ihre Lauben und bearbeiteten nach und nach ihre durch Losverfahren zugeteilten Parzellen.

Nur mit vereinten Kräften und einem großen Zusammenhalt war es überhaupt möglich, auch größere Projekte wie den Bau eines Vereinsheims anzugehen oder den großen Platz zu pflastern.

Neues Image

„Von den 41 Gründungsmitgliedern sind noch um die 20 vorhanden“, berichtet Vorsitzender Manfred Hinz. Doch mittlerweile habe sich die Mitgliederstruktur bei den „Heidebachern“ völlig verändert. Das Image der Kleingärtner hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Der „Spieß“ ist gänzlich verflogen. Viele junge Familien mit Kindern gehören heute zu den Heidebacher Gärtnern und beleben die Anlage. Auch hört man hier mehr als eine Sprache, fünf verschiedene Nationalitäten findet man unter den Mitgliedern. Außer den Rentnern sind bei den Kleingärtnern die unterschiedlichsten Berufsgruppen vertreten. Zwei Rollstuhlfahrer und eine Rollstuhlfahrerin gehören ebenfalls zu den Gartenfreunden. „Das hätte es früher nicht gegeben“, meint der 2. Vorsitzende Klaus Leuchtmann. „Wir sind ein bunter Haufen, der viel bewegt hat.“

„Dass wir alles in Eigenarbeit schaffen konnten, liegt auch an der großzügigen Unterstützung einzelner Mitglieder“, berichtet Vorsitzender Hinz. „Bauunternehmer Uwe Nicolai hat Unmengen Material, Know-How und Arbeitsstunden gespendet, unser Elektriker unter den Kleingärtnern hat ebenfalls kostenlos gearbeitet, auch der Installateur gab sein Bestes. So haben wir eine Menge gespart.“

Schlechte Anbindung

Das Einzige, was die Kleingärtner vom Heidebach etwas betrübt, ist die schlechte fußläufige Erreichbarkeit. „Gern würden uns die Bewohner des Seniorenheims Wohlbehagen besuchen und sich an unserer Anlage erfreuen, aber der fehlende Bürgersteig macht den Besuch bei uns zu einem gefährlichen Unterfangen“, weiß Hinz. „Schon vor Jahrzehnten haben wir uns an die Stadt gewandt, allerdings ohne Ergebnis.“

Trotz allem sind die Gärtner vom Heidebach stolz auf ihre Anlage und auf das, was sie im letzten Jahr mal wieder gebaut haben: ein tolles Toilettenhaus für Behinderte.