Christoph Glatz, Christian Scherg, Prof. Dr. Martin Faulstich und Prof. Dr. André Coners (v. li.) beim ersten Hagener Hochschulgespräch des Wintersemesters 2017/18. (Foto: FH SWF)

Hagen. „Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme im Krisenmodus“, mit diesem Titel ist die 28. Auflage der Hagener Hochschulgespräche im Wintersemester 2017/18 überschrieben. Und gleich der Auftakttermin sollte es in sich haben: Es ging nicht nur um die Klimakrise, sondern darüber hinaus auch noch um die Glaubwürdigkeitskrise der Medien. Und genau an der Schnittstelle dieser beiden Krisenherde setzte das erste Hochschulgespräch des Semesters an.

„Der Klimawandel ist Tatsache, der Treibhauseffekt in diesem Ausmaß menschengemacht. Keine ernstzunehmende wissenschaftliche Studie kann das widerlegen“. Wenn Prof. Dr. Martin Faulstich, ehemals Vorsitzender des Sachverständigenrats der Bundesregierung für Umweltfragen, diese Sätze sagt, dann haftet seinen Worten eine andere Vehemenz an als vermutlich noch vor einigen Jahren.

Es klingt fast, als stünde er in einer gewissen Erklärungsnot. Als müsste er als Anwalt des Klimawandels selbigen rechtfertigen. Und genau in dieser Funktion hatte Prof. Dr. André Coners, Organisator der Hagener Hochschulgespräche, Faulstich eigentlich auch eingeladen. Er sollte ausführen, warum es den Klimawandel gibt und wie sich die Welt entwickeln muss, um ihn einzugrenzen. Anschließend gehörte das Podium dann Reputationsmanager Christian Scherg. Der erklärte, warum gerade neue Medien dem Klimawandel die Pistole auf die Brust setzen können. Ein spannendes Duell.

Faulstich, übrigens gebürtiger Hagener, überzeugte die gut 150 Gäste im Audimax mit einem wissenschaftlich gründlich untermauerten und inhaltlich klar strukturierten Vortrag.

Erstens: Der menschengemachte Klimawandel ist Tatsache. Zweitens: Die Energiewende bereitet sicher hier und da Probleme, ist aber praktisch das einzige wirksame Gegenmittel gegen den Klimawandel. Und drittens: Wir müssen den Weg zur Stromgesellschaft weitergehen. Faulstich prognostizierte beispielsweise die Renaissance der Stromheizung oder den Erfolg von Elektromobilität. Dass die Energie dazu aus Wind und Sonne und eben nicht mehr aus Kohle kommen muss, versteht sich von selbst.

„Es wird Zeit“, mahnte Faulstich, „denn wenn wir ehrlich sind, haben wir in 45 Jahren Umweltschutz noch nicht viel erreicht. Wichtige Indikatoren wie Emissionen oder Rohstoffverbrauch sind noch nicht rückläufig.“

Aber brauchen wir Umweltschutz überhaupt? Ist der Klimawandel nicht von gestern und darüber hinaus schon immer nichts als eine Erfindung gewesen? „Es ist gut, dass wir Antworten auf diese Fragen haben. Aber alleine dass wir sie beantworten müssen, zeigt, dass sich etwas geändert hat“, so Moderator André Coners. Aber was? Was hat sich geändert und warum? Für diese Fragen war Christian Scherg zuständig. „Die Deutungshoheit in den Medien hat sich verschoben“, so der Reputationsexperte, „bevor es das Internet gab, lag sie bei traditionellen Medien, die Geld gekostet haben. Heute liegt sie für viele Menschen im Internet. Bei Facebook, Twitter oder irgendwelchen kostenlosen Portalen.“

Scherg zeichnete das Bild des in der Informationsflut ertrinkenden Menschen, der auch in Ermangelung von Zeit Gerüchte kaum mehr von Wahrheiten unterscheiden kann.

Den Browser und Social-Media-Kanäle inzwischen besser kennen als seine Nachbarn. Aber wo ist hier der Ausweg? In einer gesteigerten Medienkompetenz. „Die müssen wir dringend schulen“, so Scherg, „genauso wie das Bewusstsein, dass gut recherchierte Nachrichten Geld kosten.“ Nur so könne man auch das gesellschaftliche Klima nachhaltig schützen.