„Knöllchen“: Kein Erbarmen in Oberhagen

Hagen. (ME) Über vierzig Jahre lang war ein Discounter im Ladenlokal Böhmer-/Ecke Frankfurter Straße, direkt gegenüber der Johanniskirche, zuhause – und wurde regelmäßig beliefert. Mehrfach in der Woche standen „dicke Brummi“ vor dem Geschäft und brachten frische Lebensmittel. Inzwischen ist der Discounter ein paar hundert Meter die Straße hinauf in Richtung Eilpe verzogen.

Für das bisherige Ladenlokal konnte vor einigen Monaten ein neuer Mieter gefunden werden: Ein Koffer- und Schulranzen-Fachcenter nutzt jetzt die Räume. Natürlich muss auch dieses Unternehmen beliefert werden – doch plötzlich ist alles anders. Sobald ein Lieferant vorfährt, sind auch schon die Politessen nicht weit. Im Laufe der Monate haben sich deshalb reichlich Knöllchen gehäuft. Anfragen – mündlich wie schriftlich – bei der Stadt Hagen mit der Bitte um Ausnahmeregelungen haben nichts bewirkt. Die einzige Antwort: Achselzucken! Dabei sind die Koffer-Anlieferfahrzeuge stets deutlich kleiner als einst die „dicken Discounter-Brummi“.

Zweierlei Maß? Offenkundig! OB-SPD-Kandidat Horst Wisotzki und Nesrin Öcal – die örtliche Ratskandidatin der SPD – wurden im Laufe der vergangenen Wochen bei ihren Touren durchs Hagener Marktviertel mit derartigen Problemen wiederholt konfrontiert. Immer mehr Gewerbetreibende an der Frankfurter Straße sind gefrustet, weil die städtischen Knöllchen-Eintreiber kaum ein Erbarmen kennen. Manche Händler haben allein schon aus diesen Gründen das Quartier verlassen.

Runder Tisch?

„So kann es nicht weitergehen“, sagt Nesrin Öcal. „Die Politik muss sich dieser Sache schleunigst annehmen!“ Sie regt an, möglichst bald nach der Kommunalwahl alle Beteiligten – Behörde, Gewerbetreibende, Politiker – an einen „runden Tisch“ zu holen, um Veränderungschancen auszuloten. „Es muss doch möglich sein, hier eine einvernehmliche und bürgerfreundliche Lösung hinzukriegen,“ zeigt sich Nesrin Öcal überzeugt. Wisotzki, als früherer Feuerwehr-Chef mit Vorschriften bestens vertraut, ergänzt: „Das sollte mit etwas Sachverstand zu schaffen sein.“ Notfalls müssten vom Rat neue Direktiven für die Ordnungsbehörden verabschiedet werden.

Und wie hat Schulranzen-Expertin Julia Kranz das Liefer-Problem aktuell gelöst? Sie lässt notgedrungen die Lieferanten in einiger Entfernung parken – die Stadt lässt ihr keine Wahl, Motto: wer etwas liefert, muss weit schleppen! „Klar, dass das absolut unbefriedigend und dem Geschäftsbetrieb wenig zuträglich ist,“ sagt sie.

Eins steht jedenfalls fest: Eine gute Wirtschaftsförderung sieht in einer Stadt normalerweise anders aus…