Koenigs Kleinbahn glänzt in Eslohe

Hohenlimburg. (zico) Werner Herzbruch kennt Geschichten, an die sich kaum noch ein Hohenlimburger erinnert. Kein Wunder, denn er ist mit seinen 89 Jahren zwar hoch betagt, aber geistig so fit, wie man das zum Beispiel von einem pfiffigen Kriminalisten kennt. Und als solcher war Herzbruch auch tätig – gleich nach dem Krieg, als er in der Polizeiwache an der Lenne so manchen kleinen und großen Spitzbuben zur Strecke brachte. „21 Beamte waren wir damals, 1946, doch ich bin der einzige, der noch lebt“, erinnert sich Herzbruch, der sich ab 1947 bei der Kripo bis zu seiner Pensionierung 1985 auch an die Fersen der ganz schweren Jungs heftete.

Fabrikant Koenig

Ein anderer gebürtiger Hohenlimburger, der am Fuße des Schlossbergs Geschichte schrieb, war der Fabrikant Eberhard Koenig, dessen Familie Hohenlimburg unter anderem die Kleinbahn und den mittlerweile zurückgebauten Koenigsee in der Obernahmer verdankt. Auch die Villa Koenig, die heute noch am Burgweg unweit des Elseyer Krankenhauses steht, kündet vom Erfolg der Unternehmerfamilie, die nicht nur in Hohenlimburg maßgeblich zur industriellen Blüte beitrug. In Eslohe und im Dörfchen Eslohe-Sieperting übernahm Eberhard Koenig 1931 zwei marode Hammerwerke, die er wieder aufbaute und als alleiniger Gesellschafter führte. In Eslohe wurde Koenig 1935 auch Gemeinderatsmitglied.

Werner Herzbruch und Eberhard Koenig lernten sich 1946 im Zuge einer Nachkriegsgaunerei kennen, die Herzbruch aufzuklären hatte. Im Mittelpunkt der Ermittlungen stand ein Arbeiter Koenigs. Der Chef versprach, die Sache zu regeln und aus der Welt zu schaffen, was auch geschah. „Damals ging sowas noch, es wurde manches auf menschlichem Weg statt von der Justiz geregelt“, blickt Werner Herzbruch fast 70 Jahre zurück. Eine nachhaltige Bekanntschaft zwischen dem Unternehmer und dem Kriminalbeamten entwickelte sich zwar nicht, doch als der reiselustige Hohenlimburger vor zwei Jahren ins sauerländische Eslohe kam, erinnerte er sich voller Staunen an Eberhard Koenig.

Koenig-Museum

Dort nämlich hatte Koenig über Jahrzehnte ein Museum aufgebaut, das 1981, kurz vor seinem Tod, eröffnet wurde. „Koenig sammelte insbesondere alles, was mit Industrie, mit Wasser- oder Dampfkraft zu tun hatte“, berichtet Werner Herzbruch, der vor Kurzem erneut mit seiner Frau Liane nach Eslohe fuhr, um das Museum näher unter die Lupe zu nehmen. „Eberhard Koenig hatte in der Tat ganze Arbeit geleistet“, so Herzbruch, „im Jahre 1958 wurden die Räume des Werkes Eslohe renoviert, während Koenig die Produktion ins Zweigwerk Sieperting verlagerte. Stattdessen entstand ein Museum mit den Abteilungen Volks- und Heimatkunde, Dorfhandwerk sowie einer Dampf- und Dieselmaschinensammlung, die in Europa ihres gleichen sucht. Außerdem wurde das gesamte Werksgelände samt einer großen Wiese mit Schienen ausgelegt, damit eine alte Lok nebst Personenwagen diese Strecke befahren konnte.“

Viele Jahre der Aufbauarbeit vergingen, bevor das Museum am 5. Mai 1981 eröffnet wurde. Dem feierlichen Akt konnte der Initiator schon nicht mehr beiwohnen – er hütete schwer krank das Bett in seiner Wohnung auf dem Werksgelände. Am 31. Mai 1981 starb Eberhard Koenig.

Stiftung Koenig

Sein Werk aber ist in Eslohe noch heute in aller Munde, denn Koenig mochte seinen Besitz nicht vererben und gründete stattdessen eine Stiftung. Die Stiftung Koenig ist heute Trägerin des Museums und vieler sozialer Einrichtungen in Eslohe. Sogar eine Eberhard-Koenig-Straße gibt es in der Ortschaft. Hohenlimburger Heimatkundler aber dürften beim Besuch des Museums die Augen übergehen. Sie feiern dort auch ein Wiedersehen mit zwei Loks, die bis 1960 vom Bahnhof Hohenlimburg bis zu den WURAG-Werken 1-4 im Nahmertal und von den Kalkwerken, vorbei an Strunkschlenke und Oeger Höhle, bis zum Steinbruch Mühlenberg fuhren.

„Kommt man aus Hohenlimburg, so wird man im Museum besonders herzlich empfangen“, sagt Werner Herzbruch, dem Leiterin Marie-Luise Biskoping und Führer Johannes Quinkert sogar einen Blick in die sonst nicht zugänglichen Privaträume Eberhard Koenigs ermöglichten. Ein Ausflug ins 66 Kilometer entfernte Eslohe lohnt sich also, zumal im Museum viele Exponate noch funktionstüchtig erhalten sind.