Korbjagd bald auch für „Rolli“-Fahrer

Ein Phoenix-Fan erster Stunde: Jetzt möchte Lucia Postl auch selbst im Basketballsport aktiv werden und sucht weitere Rollstuhlfahrer für eine eigene Gruppe. (Foto: ric)

Hagen. (ric) Lucia Postl ist leidenschaftlicher Basketballfan. Schon bei Brandt Hagen war sie immer dabei. Eines ihrer Lieblingsstücke von „damals“ ist ein kleiner Basketball mit original Unterschriften. Und auch bei Phoenix verpasst sie natürlich kein Heimspiel. In der aktuellen Saison ist Lucia Postl sogar offizieller Helfer: Drei Stunden vor Spielbeginn legt sie Prospekte aus und baut den Fanshop auf, kümmert sich darum, dass die Gäste der Enervie-Arena Spaß an ihrem Besuch haben. Auf ihrem Pulli steht „Home is where the fire is“. Die Feuervögel, Basketball, das ist ihre große Leidenschaft. Und sie hat einen Traum: Endlich einmal selbst auf dem Spielfeld sein und Körbe werfen.

Dies ist aber erst seit dem Umbau der alten „Ischelandhalle“ möglich. Denn erst jetzt kann Lucia Postl überhaupt selbstständig in die Hallenebene gelangen. Die Altenhagenerin sitzt im Rollstuhl. „Früher“, erzählt sie, „konnten Rollifahrer nur über einen steilen Anstieg die Halle erreichen. Das konnte ich allein gar nicht bewältigen. Seit dem Umbau kann ich aber ganz normal durch den Haupteingang kommen und dann per Aufzug zur Hallenebene fahren.“ Die Enervie-Arena ist behindertengerecht geworden. Ein schöner Anlass, um endlich wieder ein altes Projekt in Hagen neu aufzulegen: Eine Basketball-Rollstuhlgruppe soll gegründet werden.

Mit viel Engagement zur Basketballgruppe

„Vor gut 15 Jahren gab es in Hagen so eine Gruppe“, weiß Lucia Postl. Doch dann zog die Mannschaft nach Bochum ab. Seitdem fehlt das Angebot in der basketball-begeisterten Stadt. Mit viel Einsatz engagiert sich der Phoenix-Fan jetzt für die Neugründung: Den Rollstuhlsportverband hat sie bereits um Hilfe gebeten. „Und sogar Phoenix hat schon Unterstützung zugesagt“, freut sie sich. Schließlich gibt es einiges zu beachten:

„Nicht jeder Rollstuhl ist auch für den Sport geeignet“, erklärt die Hagenerin. Ihr eigener Rolli wäre zum Beispiel gar nicht wendig genug fürs Spielfeld. „Die Räder benötigen einen bestimmten Winkel, damit schnelle Richtungswechsel möglich sind. Es gibt Rollstühle, die man umbauen kann. Aber leider gehört meiner nicht dazu.“ Jetzt sucht sie nach Möglichkeiten, um sich und den anderen Teilnehmern das Training in passenden Rollis zu ermöglichen. Schließlich kann und soll sich nicht jeder einen neuen, sport-geeigneten Rollstuhl kaufen müssen. Doch wenn dieses Problem erst gelöst ist, gibt es für die neue Gruppe kaum Hindernisse mehr zu überwinden.

Wer spielt mit?

Die Körbe in der Enervie-Arena können auf eine individuelle Höhe herabgelassen werden. Und auch die sanitären Anlagen sind durch den behindertengerechten Umbau der Halle gut zu erreichen. Bislang fehlen Lucia Postl jedoch Mitspieler. „Eingeladen ist jeder, der Interesse am Sport hat“, erklärt Postl. Sie wünscht sich eine Gruppe, die ihre Begeisterung für den Basketball leben möchte. „Spaß und Freude stehen im Vordergrund. In welche Richtung sich die Mannschaft sportlich entwickelt, ist völlig offen. Hier spielen natürlich auch die einzelnen Behinderungen eine große Rolle,“ erzählt sie.

Wer Interesse an der Neugründung einer Basketball-Rollstuhlgruppe hat, kann sich per Email an rollstuhlbasketball.hagen@googlemail.com melden. Lucia Postl hofft sehr, dass es auch noch andere Menschen gibt, die „ihren“ Traum leben möchten. „Beim Basketball hat man körperliche Bewegung und Spaß dabei. Und man bekommt sicher neue Kontakte, aus denen später vielleicht Freunde werden. Ist das nicht eine schöne Motivation?“