Kostenexplosion an der „Tanke“

Hagen/Iserlohn/Schwerte. (Red/as) Derzeit sorgen steigende Benzinpreise an den Tankstellen für kollektives Stöhnen. Die Tankfüllung kostet ein kleines Vermögen. Zynisch ist man versucht, Wetten anzunehmen: Wann kippt die Marke von 1,60 Euro pro Liter Superbenzin, wann werden die zwei Euro geknackt?

„Langfristig wird der Ölpreis weiter steigen“, sagt Dr. Peter Meintz, heimischer Sprecher des ADAC. Er erwähnt den steigenden Ölbedarf in Ländern wie China oder Indien und natürlich auch die Endlichkeit der Öl-Vorkommen. Doch: „Wie sich der Ölpreis kurzfristig entwickeln wird, wissen wir nicht“, ergänzt Peter Meintz. Denn selbst das Hochwasser in Australien hat den Ölpreis mit nach oben katapultiert: Australien gehört weltweit zu den preiswerten Kohlelieferanten. Da die Kohle wegen der Fluten nicht auf den Markt kommen konnte, zog der Ölpreis an.

ADAC-Pressesprecher Peter Meintz spart nicht mit Kritik an der Mineralölwirtschaft: „Steigerungen werden unmittelbar weitergegeben, bei Preissenkungen jedoch lässt man sich Zeit.“

Was tun?

Was können Autofahrer angesichts der steigenden Benzinpreise tun? Die Erhöhungen hinnehmen und zahlen? „Nein“ sagen die Experten vom TÜV Süd. Mit umweltschonender Fahrweise, Tanken mit Köpfchen, einer cleveren Tourenplanung oder einer Umrüstung auf Gas lassen sich die Auswirkungen der jüngsten Preiserhöhungen auf den Geldbeutel zumindest eindämmen. Peter Meintz vom ADAC ist zögerlicher: „Jeder Autofahrer hat sich mit der Wahl seines Fahrzeugs festgelegt“, sagt er. Aus einem großvolumigen Geländewagen wird nun einmal kein sparsamer Cityflitzer. Und der heiß geliebte Diesel-Wagen lässt sich nicht auf den Autogas-Betrieb umbauen.

Aber dennoch: Sparen ist möglich. Ein Stück weit unabhängig von der Preisexplosion an der Zapfsäule können sich Autofahrer machen, wenn sie die eigenen Fahrgewohnheiten einmal genau unter die Lupe nehmen und schauen, was sich daran ändern lässt. Durch das Vermeiden von Kurzstrecken und das Zusammenlegen von Touren lassen sich die jüngsten Preissteigerungen ein wenig abfedern. Viel lässt sich zudem, so Peter Meintz, „mit dem rechten Fuß“ erreichen: „In der Fahrschule haben wir alle gelernt, wie wir sparsam fahren“, sagt der ADAC-Experte. „Bis zu 20 Prozent des Verbrauchs lassen sich so einsparen.“ Wer das Fahrschulwissen noch einmal auffrischen möchte, kann ein Spritspartraining wahrnehmen. Solche Kurse werden von vielen Automobilclubs angeboten.

Gegen die Gewohnheiten

Früh hochschalten, untertourig fahren, selbst bei kurzen Stopps den Motor ausschalten, bergab runterschalten und die Motorbremse nutzen. Die Liste der Tipps zum spritsparenden und umweltschonenden Fahren ist lang. Viele Ratschläge wirken jedoch althergebrachten Gewohnheiten entgegen.

Untertouriges Fahren ist schon lange nicht mehr schlecht für den Motor. Abschalten lohnt sich bei modernen Motoren schon unter zehn Sekunden. Zusätzlicher Effekt: „Feinfühliges Fahren vermeidet Verschleiß. Reifen, Bremsen und Kupplung halten länger“, betont Philip Puls vom TÜV Süd.

Bei starken Spritpreiserhöhungen besonders beliebt: Im Internet nach der günstigsten Tankstelle im Umkreis suchen und sich dann hinten anstellen. Einen Kilometer oder fünf zurücklegen für billigeren Sprit? Wer genau kalkuliert, weiß, die Rechnung geht meist nicht auf. Beispiel: Wer bereits unterwegs ist und zwei Kilometer Umweg fährt, um an der Zapfsäule einen halben Cent pro Liter zu sparen, zahlt selbst bei einer 60-Liter-Füllung 16 Cent drauf. Deshalb gilt: „Tanken immer direkt an der Wegstrecke und möglichst mit warmem Motor“, so Puls.

Der Traum von Österreich

Verständlich findet ADAC-Sprecher Peter Meintz, dass sich viele Verkehrsteilnehmer nach dem so genannten „österreichischen Modell“ sehnen. Das heißt: Die Spritpreise dürfen an den Tankstellen nur einmal am Tag verändert werden. Planbarer wäre das Tanken, sagt Peter Meintz. Preise, die man morgens sieht, gelten abends immer noch. „Wir Verbraucher hätten größere Chancen, von kurzfristigen Preissenkungen zu profitieren“, sagt er. Allerdings gibt der ADAC-Sprecher auch zu bedenken: „Das ist ein starker Eingriff in die Preisgestaltung. Und da müssen wir uns natürlich auch fragen: Wollen wir das?“

Konstant hohe Spritpreise, CO2-Belastung und Spritsteuern machen die Umrüstung auf den Gasantrieb seit Jahren attraktiv. Immer mehr Autofahrer steigen um und sparen bis zu 50 Prozent bei den Treibstoffkosten – je nach Gasart. Vor der Entscheidung steht jedoch unbedingt eine umfassende Beratung. Denn: Selbst wenn günstige Gaspreise locken, lohnt sich der Umstieg nicht für jeden.

Alternativen?

So haben Streckenart und die Fahrweise enormen Einfluss auf den Sparerfolg. Beispielsweise lohnt sich der Gasantrieb auf Autobahnen kaum, weil der Verbrauch anders als beim Benziner bei hohen Geschwindigkeiten gewaltig ansteigt. Auch wer nur wenige tausend Kilometer im Jahr mit einem sparsamen Otto-Motor fährt, ist mit Sprit günstiger unterwegs. „Seriöse Hersteller weisen auf solche Knackpunkte hin und raten in diesen Fällen vom Wechsel ab“, so Philip Puls. Wichtig: Bei Gasantrieb sollte auf Vollgasfahrten verzichtet werden.

Der Wechsel auf Autogas kostet normalerweise zwischen 1.800 und 3.500 Euro. Von Billiganbietern rät der TÜV-Experte dringend ab. In jedem Fall sollte man sich hier an anerkannte Fachbetriebe wenden.

Wer auf Erdgas umsteigen will, kauft sich wegen der sehr hohen Umrüstkosten am besten ein entsprechendes Neufahrzeug. Zusätzlicher Bonus beim Fahren mit Gas: Bis 2018 will sich der Fiskus hier zurückhalten. Bei der Kraftfahrzeug-Steuer gelten die im Vergleich zum Diesel deutlich günstigen Sätze für Benzinmotoren.

Und wer weiß, wie die Zukunft aussieht? „Es wird immer individuelle Mobilität geben“, sagt Peter Meintz. „Aber das müssen nicht unbedingt Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren sein.“ Insofern bedeute ein hoher Ölpreis auch eine Chance: „Der Druck, preiswerte Alternativen zu entwickeln, steigt“, sagt der ADAC-Sprecher. Damit individuelle Mobilität nicht zu einem völligen Luxusgut wird…