Kündigung fürs Kümmern – Rentner Stellhorn verzweifelt

Rentner Heinz Stellhorn verzweifelt – er muss hilflos zusehen

Rentner Heinz Stellhorn verzweifelt – er muss hilflos zusehen, wie alles um ihn herum immer unansehnlicher wird.
(Foto: Anna Linne)

Emst. (anna) Als der 87-jährige Rentner Heinz Stellhorn 1997 in eine Wohnung auf Emst zog, ahnte er noch nicht, welchen Ärger er auf seine alten Tage noch bekommen sollte. Denn – so sagt er – „im schlecht verwalteten Haus“ einer Erbengemeinschaft lief von Anfang an viel schief. Obwohl sich der handwerklich Begabte nach eigenen Angaben um alles gekümmert habe, flatterte ihm tatsächlich die Kündigung ins Haus. Heinz Stellhorn zog vor Gericht und gewann – er durfte bleiben.
Jetzt zerfällt im und um das Haus alles vor seinen Augen, dabei möchte der Rentner so gerne ordentlich wohnen. Doch das bleibe ihm jetzt verwehrt, sagt er.
Viele Berufe
Der 87-Jährige blickt auf ein langes Arbeitsleben zurück, das er mit den unterschiedlichsten Berufen füllte. Als junger Mann fuhr er zur See. Später dann machte er eine Kfz-Schlosser-Lehre. Er arbeitete im Rundfunkmetier, in der Schwerindustrie und als Krankenpfleger. Zwischenzeitlich fuhr er Taxi in Hagen und führte jahrelang eine Tankstelle an der Ecke Remberg-/Schabergstraße. Er baute Boote und Musikinstrumente, malt und schreibt noch heute.
Kündigung
Nach diversen Operationen an Hüfte, Knie und Fuß war auch Heinz Stellhorn altersmüde geworden. Er wollte nur noch in Frieden ordentlich wohnen. Doch seine neue Wohnung auf Emst hatte mehr Mängel, als er anfangs auf den ersten Blick erkennen konnte. Da die Erbengemeinschaft sich kaum kümmerte, reparierte er alles selbst, sagt er. Die Materialien habe er sich ersetzen lassen.
Auch rund ums Haus sorgte der Rentner für Ordnung und blühende Beete. Die Vermieterin bedankte sich sogar schriftlich für sein Engagement und Heinz Stellhorn war glücklich. Dann war das Haustürschloss defekt. Kein Mieter kam mehr problemlos ins Haus, weil der Schlüssel sich nicht mehr richtig drehen ließ. Stellhorn sagte Bescheid, doch das Problem habe keinen inter­essiert. Dann ließ der Rentner auf Eigeninitiative das Schloss auswechseln und schickte die Rechnung von 449 Euro den Eigentümern. Als er nichts hörte, stellte er für zwei Monate die Mietzahlung ein. Daraufhin erhielt er 2016 die fristlose Kündigung.
Richter greift ein
Nach mehreren Gerichtsterminen und Zeugenaussagen entschied ein Richter, dass die Kündigung unwirksam sei. Stellhorn durfte seine Wohnung zwar behalten, doch die Erbengemeinschaft verbot ihm fortan jegliche Reparatur- oder Pflegemaßnahmen.
„Zu den alten Mängeln sind inzwischen neue hinzugekommen“, berichtet Heinz Stellhorn, „und seit September 2015 verkommt das ganze Anwesen immer mehr. Ich muss zwar nicht ausziehen, aber die Klage hat mich viel Nerven gekostet. Dabei wollte ich doch auf meine alten Tage nur in ordentlichen Verhältnissen und in einem schönen Umfeld wohnen.“