„Kunst am Ei“ mit Fräse und Bohrer

Hagen. (NO/anna) In Helga Flungers Händen werden aus der Massenware Ei filigrane Unikate. Sie bearbeitet die fragilen Gebilde nicht einfach nur mit Stiften oder Ostereierfarben, sondern benutzt Diamantfräse und Hochleistungsbohrer. Acrylfarben und Glasperlen kommen ebenfalls zum Einsatz. Das Ergebnis: Kunst am Ei. Zum ersten Mal stellte 2008 Helga Flunger aus Hohenlimburg ihre Werke im Heimatmuseum Breckerfeld und im Ruhrtalmuseum in Schwerte aus. Zuletzt – das heißt: im März 2012 – zeigte sie ihre Produkte im Heimatmuseum Halver.

Die Hohenlimburger „Eier-Künstlerin“ Helga Flunger mit Fräse und Bohrer am Werktisch. Hier hat sie ein Gänseei „in der Mache“. (Foto: privat)

Rührei für die Nachbarschaft

Ob bemalt mit frühlingshaften Motiven oder einfarbig und mit einer Kratztechnik veredelt… – jedes Stück ist ein Unikat. Wer genau hinschaut, sieht, dass sie nicht nur filigrane Muster in die Schale graviert hat, sondern sogar Löcher hinein gefräst hat. „Ich arbeite mit einem Diamantfräser”, erklärt die Hohenlimburgerin und deutet auf ein mittelgroßes, bemaltes Ei, durch das man komplett hindurch schauen kann. „Wenn ich eine Lieferung Eier für meine Arbeit bekomme, gibt es für die ganze Nachbarschaft eine riesige Pfanne Rührei”, berichtet sie lachend.

Zwischen 8000 und 24 000 Umdrehungen pro Sekunde schafft die Maschine. Auf diese Weise hat Helga Flunger sogar einen Wald in ein Gänseei gefräst. Zwischen den Baumstämmen hindurch geht der Blick ins Innere des Eis. Auch von Innen ist das Ei bemalt. Mehrere Tage kann die Gestaltung in Anspruch nehmen. Anschließend werden die Eier mit Klarlack fixiert und auf Wunsch mit Bändchen zum Aufhängen versehen. Seit über 40 Jahren widmet die Hagenerin sich der Eiergestaltung. Eine Arbeit, die viel Konzentration und Geschick erfordert.

Als kleines Mädchen kam Helga Flunger 1958 aus Oberschlesien nach Hohenlimburg. 42 Jahre war sie als kaufmännische Angestellte in der Metallindustrie tätig – und widmete sich während ihrer langen Berufsjahre nebenbei der kreativen Gestaltung von Eiern. Ein liebenswertes Hobby, von dem Familie, Freunde und Bekannte profitieren – denn als Präsent macht sich ein Zier-Ei besonders gut.

In schlesischer Tradition

Die künstlerische Bearbeitung der ovalen Gebilde ist die Erweiterung der alten Tradition des schlesischen „Eierkratzens“, das auch Helga Flungers Mutter oft und gern praktizierte. „Dabei wurden mit Nadeln oder Rasiermessern Muster in gekochte und mit Naturfarben gefärbte Eier eingeritzt“, erklärt die 61-Jährige.

Dank moderner Technik eröffneten sich für Helga Flunger jetzt aber ganz andere Möglichkeiten. Zuerst werden die Eier ausgeblasen, innen und außen gereinigt und dann mit Natur- oder Acrylfarben behandelt. Dabei greift Helga Flunger keineswegs nur auf Hühnereier zurück. Auch Tauben-, Enten- und Gänseeier nimmt sie gern zur Hand, denn ihre Arbeiten sollen auch größenmäßig variieren. Mit dem Einsatz von Diamantfräsen und einer kleinen Bohrmaschine kann sie nicht nur Muster in die Farbschicht gravieren, sondern auch filigrane Lochmuster in die Schale ritzen.

Flächige Muster entstehen durch Schleifen, die feinen Linien werden mit der Nadel graviert. Auch Durchbruchmuster sind möglich, und für das gewisse Extra sorgen hin und wieder auch aufgeklebte Glasperlen. Abschließend werden die immer individuell gestalteten Schmuckstücke mit Klarlack fixiert und auf Wunsch mit einem Bändchen zum Aufhängen versehen.

140 Kunst-Eier hat Helga Flunger allein im letzten Jahr angefertigt. Für ganz besonders aufwändige Exemplare braucht sie zwei Tage, einfachere sind bereits in einer dreiviertel Stunde fertig. Hat die Hohenlimburgerin ihre Erzeugnisse früher eher verschenkt, ist sie jetzt vor allem auf Märkten präsent – mit wachsendem Erfolg. Und wer sich sicher sein will, ob es sich wirklich um ein Unikat aus Flungers Händen handelt, muss nur einen genauen Blick darauf werfen: alle tragen die Signatur „hf“.