Kunst-Retter und Heimatforscher

Unlängst wurde Jürgen Thormählen mit der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Viele eingelagerte oder überwucherte und teils beschädigte Kunstwerke spürte er auf und erreichte, dass sie nach einer Restaurierung wieder in den öffentlichen Hagener Blick gerückt wurden, zum Beispiel im Rathaus. (Foto: Michael Eckhoff)

Hagen. (ME) In der Hagenring-Galerie an der Eilper Straße wurde vor gut einer Woche eine Foto-Ausstellung zum Thema „Der bedeutende Architekt Henry van de Velde und sein Wirken in Hagen“ eröffnet. Dazu gehört auch eine Begleit-Broschüre, an der unter anderem der jüngst mit der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnete Jürgen Thormählen mitwirkte.

Die gemeinsam von den beiden Vereinen Hagenring und Hagener Heimatbund präsentierte Foto-Dokumentation fußt insbesondere auf dem Engagement des Hagener Fotografen Stefan Fuhrmann. Doch die beiden Vereine zeigen nicht nur die Fuhrmannsche Foto-Schau. Sie haben es auch geschafft – dank entsprechender Sponsoren (K+M-Automobile, Rotary, Märkische Bank und Ingenieurbüro Bild) -, ein Büchlein zu produzieren, das über den „Hohenhof“-Baumeister Henry van de Velde informiert. Zu den wichtigsten Aufsätzen darin gehört ein Beitrag des Hagener Heimatforschers Jürgen Thormählen. Er hat sich mit der Biografie des großen Architekten befasst.

Retter von Kunstwerken

Der 1933 in Chemnitz geborene, aber bereits seit 1935 in Hagen lebende Jürgen Thormählen hat schon oft zur Feder gegriffen und sich mit kunstgeschichtlichen Aspekten auseinandergesetzt, meist Hagen betreffend. So gehörte der Vater von fünf Kindern auch zu den Autoren eines bekannten Buches über all jene Kunstwerke, die im öffentlichen Raum zu finden sind („HagenKunst“, erschienen 2006 im Ardenku-Verlag).

Der knapp 80-Jährige – bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 2001 als angestellter Architekt tätig – kümmert sich demzufolge mit großer Intensität um die Kulturgeschichte der Stadt Hagen. Viele eingelagerte oder überwucherte und teils beschädigte Kunstwerke spürte er auf und erreichte, dass sie nach einer Restaurierung wieder in den öffentlichen Blick gerückt wurden. Es ist ihm ein wichtiges Anliegen, das Interesse der Bürgerinnen und Bürger an der Kunst und Kultur ihrer Stadt zu wecken.

Berater der Stadt

Als das 1965 errichtete Hagener Rathaus, das damals mit seinen markanten Stahlträgern Hagen als „Stadt des Stahls“ symbolisierte, Anfang 2000 für den Bau der „Neuen Mitte“ abgerissen werden sollte, war Jürgen Thormählen einer von drei Sprechern der „Bürgerinitiative Rathausprojekt Hagen“. Nachdem sich der Abriss nicht verhindern ließ, übernahm er es, die zahlreichen Kunstwerke im Rathaus und in seinem Umfeld sicherzustellen. Er beriet die Stadt und half aktiv beim Ausbau, Verpacken und Einlagern.

Auch Mosaike und Reliefs aus anderen baufälligen Gebäuden – etwa aus der früheren Bau-Ingenieurschule – rettete er rechtzeitig vor dem Abriss. Das Wiederherrichten der Kunstwerke nahm viel Zeit in Anspruch, da der Kulturetat der finanzschwachen Stadt nicht belastet werden durfte. Als treibende Kraft baute Thormählen erfolgreich ein Netzwerk von Sponsoren auf und sorgte dafür, dass Großreliefs von Carl Baumann, Werke des Bildhauers Heinrich Holthaus und „Die lebendige Stadt“ des alten Günther-Grass-Freundes Horst Geldmacher im öffentlichen Raum wieder einen repräsentativen Platz gefunden haben.

Breites Engagement

Unter anderem für dieses Bemühen wurde er unlängst mit der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland geehrt. „Thormählen,“ so Oberbürgermeister Jörg Dehm in seiner Ehrungsrede anlässlich der Verleihung der Verdienstmedaille, „nimmt seit 2001 für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen als Parteiloser die Funktion des sachkundigen Bürgers im Kultur- und Weiterbildungsausschuss des Rates der Stadt Hagen wahr. Seit 2004 gehört er außerdem als 2. stellvertretender Bezirksbürgermeister der Bezirksvertretung des Stadtbezirks Mitte an. Regelmäßig bringt er hier sein Fachwissen bei Fragen zur Unterhaltung der städtischen Gebäude ein und hilft in Abstimmung mit der Fachverwaltung kostengünstige Alternativen zu erarbeiten. Als Mitglied der Kommission zur Förderung der Musikpflege der Bezirksvertretung engagierte er sich von 2004 bis 2008 für die Musikvereine.“

Seit Mitte der 2000er Jahre gehört Thormählen außerdem dem Beirat des Karl-Ernst-Osthaus-Bundes an, der sich um die Bewahrung des künstlerischen Andenkens von Karl Ernst Osthaus kümmert, und unterstützt das Karl-Ernst-Osthaus-Museum.

Fürwahr, ein engagierter Mann!