Kunst und Autismus: "Ich sehe was, was du nicht siehst"

Hagen. (Red.) Die Ausstellung „Ich sehe was, was du nicht siehst“ zeigt 28 Werke von Künstlerinnen und Künstlern mit Autismus. Einige dieser Werke werden bei einer öffentlichen Führung am Donnerstag, 3. November 2011, von 18.30 bis 20 Uhr im Osthaus-Museum am Museumsplatz 1 genauer vorgestellt. Es führt Volker Elsen, Vorsitzender des Vereins „akku – Autismus, Kunst und Kultur“, welcher sich auf Bundesebene für Künstler mit Autismus engagiert.

Elisabeth May, Leiterin der Abteilung Bildung und Vermittlung im Osthaus-Museum Hagen, hat die ungewöhnliche Kunstausstellung nach Hagen geholt. Am morgigen Donnerstag wird bei einer Führung erläutert, was das Besondere an dieser Ausstellung autistischer Kunst ist. (Foto: Michael Eckhoff)

Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht notwendig, es wird der übliche Museumseintritt erhoben.

Erfolgreich

„Ich sehe was, was du nicht siehst“ wurde im vergangenen Jahr erstmalig mit großem Erfolg in der Documenta-Halle in Kassel gezeigt und begeisterte 7.000 Besucher. In Paderborn wurde kürzlich unter dem Aspekt des Geschichtenerzählens eine Auswahl gezeigt. Im Jungen Museum im Osthaus-Museum werden Werke von 27 Künstlerinnen und Künstlern mit Autismus mit Blick auf die Museumssammlungen des Kunstquartiers Hagen präsentiert.

Schirmherrin der Veranstaltung ist die Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Dr. Ursula von der Leyen, die ihren Eindruck so zusammenfasst: „Die Ausstellungsreihe ’Ich sehe was, was du nicht siehst’ gewährt spannende Einblicke in die Werke autistischer Künstlerinnen und Künstler. Ihre Kunst öffnet den Blick auf eine mal fremde, mal vertraute Welt in all ihrer Vielfalt und Schönheit. Mein herzlicher Dank geht an den Verein ’akku – Autismus, Kunst und Kultur e.V.’, der diese Ausstellung möglich gemacht hat.“

„akku e.V.“ ist ein in Paderborn ansässiger, bundesweit tätiger Verein, der sich für Künstlerinnen und Künstler mit Autismus stark macht. „akku e.V.“ organisiert Kunstausstellungen, Lesungen und Kulturveranstaltungen, um die fachliche und öffentliche Wahrnehmung der Künstlerinnen und Künstler und deren Werke voranzutreiben.

Zusammengestellt wurde die Hagener Ausstellung von Volker Elsen, dem Vorsitzenden von „akku e.V.“, in Kooperation mit Dr. Elisabeth May (Leiterin der Abteilung Bildung und Vermittlung im Osthaus-Museum Hagen).

Das Konzept des Jungen Museums im Osthaus-Museum ist nicht wie bei den meisten Kindermuseen in Deutschland auf eine eigenständige Präsentation von Ausstellungen konzentriert, sondern bezieht sich auf die Ausstellungen des Kunstquartiers Hagen – Osthaus-Museum und Emil-Schumacher-Museum – und stellt insbesondere Bezüge zur Kunst des 20. Jahrhunderts her. Ein Beispiel: Arbeiten autistischer Künstlerinnen und Künstler, die abstrakte Tendenzen enthalten (Ulrike Schönau, Diana Männchen zum Beispiel), können hier im Zusammenhang mit Werken des Hagener Künstlers Emil Schumacher betrachtet werden. Ähnlich verhält es sich mit den Arbeiten, die aus Fundstücken (Marina Sonnenberg und andere) gefertigt wurden: Schumacher hat oft in seine Gemälde Fundstücke integriert oder auf Fundstücken gearbeitet.

Altbekanntes Spiel

Die Ausstellung „Ich sehe was, was du nicht siehst“ beruft sich auf das altbekannte Spiel, indem sie die Spielaufforderung aus der Position autistischer Künstlerinnen und Künstler im Hinblick auf die bildende Kunst formuliert. Der „andere Blick“ öffnet Horizonte und ermöglicht die Hinterfragung der eigenen Kunstwahrnehmung. Die Werke autistischer Künstlerinnen und Künstler geben überdies eine Vielfalt an visueller Information, Materialität und der Nutzung des Trägermediums wieder. Die ausgewählten Exponate zeigen einen Querschnitt und die Vielfalt der künstlerischen Talente aus vollkommen unterschiedlichen Lebensbereichen.

Alle Veranstaltungstermine unter www.ichsehewas.de sowie auf www.osthausmuseum.de.

Autismus

Autismus wird – laut Wikipedia – „von der Weltgesundheitsorganisation als eine tiefgreifende Entwicklungsstörung“ bezeichnet. „Sie wird von Ärzten, Forschern, Angehörigen und Autisten selbst als eine angeborene, unheilbare Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung des Gehirns beschrieben, die sich schon im frühen Kindesalter bemerkbar macht.“