La Grande Dame du Café

Sie lebt nicht nur durch ihre Kinder weiter, sondern auch durch ihre Taten: Die Grande Dame des Erzählcafés hat ihre letzte Reise angetreten. (Foto: wochenkurier)

Wehringhausen. (anna) Sie war schon Rentnerin, als sie 1995 all ihre Kraft in den Aufbau des Erzählcafés Altes Backhaus in der Lange Straße 30 steckte. Es sollte ihr Lebenstraum sein, den sie damals mit Hilfe vieler Freundinnen verwirklichte. Aus einem alten Backhaus im Hinterhof zauberte Margret Obendiek ein kleines Café, das in einem paradiesischen Garten liegt. Und tatsächlich avancierte ihr Erzählcafe in kürzester Zeit zum beliebten Treffpunkt, denn Kunst, Kultur und gutes Essen wussten zahllose Besucher zu schätzen. Am Montag, 14. Mai 2012, verstarb die Erzählcafe-Chefin Margret Obendiek nach einjähriger Leidenszeit. Sie wird unzähligen Menschen, die sie kannten und schätzten, unvergessen bleiben. Ihr Lebenstraum, ihr Café, indes lebt weiter…

1933 kam Margret Obendiek in Duisburg zur Welt. Ihr Vater, kaufmännischer Direktor bei Klöckner, verlor seine Frau im Krieg. Der Vater heiratet wieder und Margret, die ihre Kindheit immer als düster bezeichnete, solidarisiert sich mit ihrem künstlerisch veranlagten Bruder. Das Kriegsende erlebt sie in Bad Godesberg, wo ihre Liebe zur rheinischen Landschaft zu wachsen beginnt. Später studiert Margret an der Pädagogischen Hochschule und ihr Bruder kann ein Kunstgeschichtsstudium durchsetzen.

Nach Hagen

Bei der Hochzeit einer Freundin lernt sie schließlich ihren Ehemann Ezard Obendiek kennen, der an der Universität Bonn studiert. Freundschaft und Verlobung folgen. Nach dem Tod des Vaters heiraten beide. Margret Obendiek wird Lehrerin in Gummersbach. Ihr Ehemann folgt ihr als Referendar ans dortige Gymnasium. Ezard Obendiek wechselt 1957 nach Bonn und Ehefrau Margret gibt den Schuldienst auf. Es folgen 1959 die Geburt der Tochter Anne, 1961 des Sohnes Klaus und 1963 der Tochter Helena. 1965 zieht die Familie dann nach Hagen-Helfe, denn Ezard Obendiek wird Professor an der Pädagogischen Hochschule Hagen.

Während der 70er Jahren engagiert sich Margret Obendiek aktiv in der Frauenbewegung. Nach erneut kurzer Zeit im Schuldienst schult die Mittvierzigerin zur Altenpflegerin um und ist fortan in der Diakoniestation in Wehringhausen tätig. Sie bezieht eine Wohnung in der Lange Straße 30, in deren Hinterhof sie später das Café eröffnet. Während ihrer Altenarbeit erlebt sie immer wieder, welche Folgen die Vereinsamung der alten Menschen mit sich bringt und die Idee zu einem Erzählcafé nimmt Formen an.

1995 trommelt sie alle ihre Freundinnen zusammen, um mit deren Hilfe den Verein „Erzählcafé Altes Backhaus e.V.“ zu gründen. Von da an gilt ihre ganze Kraft der Entwicklung des neuen Treffpunkts im Stadtteil. Aus dem tristen Hof macht sie einen wundervollen Garten und ihre Kochkünste werden verfeinert und spezialisiert. Alt und Jung sollen hier erzählen, zuhören und gut speisen, so ihr Wunsch. Unterstützt von vielen ehrenamtlichen Helfern wird gebacken, gekocht und geschnibbelt.

Mit der VHS

Zusammen mit der VHS initiiert sie Veranstaltungen unterschiedlicher Art. Die Menschen sollen sich im persönlichen Austausch kennen lernen und ermuntert werden, sich mit kulturellen, historischen und sozialen Themen und Problemen des Alltags auseinander zu setzen. Margret Obendieks Interessen galten vor allem, neben dem beständigen Weiterlernen in Sachen Garten und Gastronomie, der Literatur und dem politischen Leben, insbesondere der Lage der Frauen in der Gesellschaft. Gleichzeitig war sie intensiv für ihre Familie da.

Im Februar 2011 erlitt sie einen Schlaganfall, der vor allem ihr Sprachzentrum lahm legte. Trotz aller Mühe und Besserung ihres Zustands erwies sich ihre Schwäche als zu groß für eine wirksame Rehabilitation. Margret Obendiek ist am 14. Mai 2012 im Gemeinschaftskrankenhaus in Herdecke im Beisein ihrer Lieben friedlich verstorben.

Sie war eine lebendige, tatkräftige, stets auf andere Menschen zugehende Person, von der immer wieder positive Impulse ausgingen. Ihre besondere Loyalität galt dem Stadtteil Wehringhausen. Hier hatte sie Wurzeln geschlagen, hier war sie zu Hause.