EN-Kreis/Hagen. (wlv) „Bessere Preise auf der einen Seite, auf der anderen Seite Witterungsextreme und eine Flut von neuen Auflagen“, so resümiert der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ennepe-Ruhr/Hagen Dirk Kalthaus das nun endende Jahr.

Erfreulich sei, dass sich nach zwei Krisenjahren die wirtschaftliche Lage der heimischen Landwirte im Jahr 2017 in einigen Betriebszweigen etwas erholen konnte. Besonders der für diese Region wichtige Milchpreis habe sich positiv entwickelt, sodass sich die wirtschaftliche Lage für die Milchbauern entspannt habe. Das sei aufgrund der hohen Defizite der Jahre 2015 und 2016 dringend notwendig gewesen. „Da die Milchviehhalter in der Zeit der Preiskrise erhebliche Verluste hatten, hoffen wir, dass die positive Phase nicht zu schnell wieder abbricht“, erläutert Kalthaus.

Ferkel und Feldfrüchte

Die Schweinehalter seien ebenfalls mit relativ guten Preisen ins Jahr gestartet und auch im Jahresverlauf seien die Preise weiter stabil gewesen. „Seit einigen Wochen jedoch fallen sie, zwar nicht dramatisch, aber doch kontinuierlich“, sagt der Vorsitzende.

Die Ferkel seien über 2017 hinweg ebenfalls gut im Preis gewesen. „Jetzt gibt es hier aber einen absoluten Preisverfall“, so Kalthaus.

Im Bereich der Feldfrüchte habe das Jahr unterschiedliche Erlöse gebracht, die aber im Durchschnitt auf eher nie­drigerem Niveau gewesen seien. So hätten die Getreidepreise in 2017 beispielsweise leicht unter dem Niveau von 2016 gelegen.

„2017 war ein Jahr mit extremen und schwankenden Witterungsbedingungen, die den Vegetationsverlauf prägten“, blickt Kalthaus zurück. Gestartet sei das Jahr extrem trocken, dann folgte der wärmste März seit Beginn regelmäßiger Wetteraufzeichnungen.

Dirk Kalthaus
(Foto: Petra Drees-Hagen)

Wetterverlauf 2017

„Dafür kam der Kälteeinbruch im April, der zur Monatsmitte besonders die Obstbaumblüte mit Nachtfrösten traf. Der Hochsommer war schon im Juni mit Hitze und ­Trockenheit da. Er wurde abgelöst von immer wiederkehrenden Regenfällen zur Erntezeit im Juli und August, die uns Bauern zu schaffen machten. Die nasse Witterung hielt bis zum Jahres­ende an und ließ die Ernte von Mais und Kartoffeln nur schwer zu. Ebenso gestaltete sich die Gersten- und Weizenaussaat schwierig“, fasst Kalthaus den Wetterverlauf 2017 zusammen.

„Landwirtschaft ist aber nicht nur vom Wetter und den Preisen abhängig, sondern ebenso von stetig wachsenden Auflagen, Verordnungen und Gesetzen“, macht er deutlich.

Neue Regelungen

In 2017 sei die Landwirtschaft mit vielen neuen Regelungen konfrontiert worden, so zum Beispiel mit der neuen, verschärften Dünge­verordnung, die sehr komplexe Vorgaben enthalte. Das HFFA-­Research-Institut in Berlin habe in 2017 am Beispiel Deutschlands berechnet, dass allein die Kosten für die EU-Anforderungen im Bereich der hohen Umwelt- und Erzeugungsstandards die deutsche Landwirtschaft mit rund 5 Milliarden Euro oder über 300 Euro je Hektar belaste. Dazu kämen noch die Regelungen des Bundes und die des Landes, sagt Kalthaus.

Die wirtschaftliche Belastung sei aber nur eine Seite der Auflagen, sagt der Landwirt, häufig scheitere es an praktikablen Umsetzungsmöglichkeiten, denn bei der Entwicklung vieler Auflagen habe man scheinbar nicht im Blick gehabt, dass Landwirte in und mit der Natur arbeiten und daher auch vom Wetter abhängig seien.

Schweinepest rückt näher

„Beängstigende Ausmaße hat in 2017 auch das Vorrücken der Afrikanischen Schweinepest (ASP) aus Osteuropa angenommen“, sagt Kalthaus.

Die Tschechische Republik habe am 27. Juni 2017 erste Fälle von ASP bei Wildschweinen gemeldet, damit habe sich die Erkrankung rund 400 Kilometer nach Westen ausgebreitet und sei nun noch circa 300 Kilometer von Deutschland entfernt. Das ASP-Virus, das für den Menschen ungefährlich sei, habe für Wild- und Hausschweine fast immer tödliche Folgen, sagt der Landwirt.

„Für das Jahr 2018 hoffen wir Landwirte auf eine Politik und Regelungen mit praktischem Augenmaß, akzeptable Preise, zudem, dass die Afrikanische Schweinepest uns doch nicht erreicht und – ebenfalls nicht unwichtig – dass unsere landwirtschaftlichen Kulturen die Staunässe der letzten Wochen annähernd überstehen und wir im Frühjahr wieder mit gesunden Pflanzen starten können“, fasst Dirk Kalthaus die ­Wünsche der heimischen Landwirte zusammen.