Lange Nacht bei Elbers

Hagen. (ric/red.) „ExtraSchicht- die lange Nacht der Industriekultur“ ist mittlerweile Tradition. Am Samstag, 9. Juli 2011, werden im gesamten Ruhrgebiet wieder viele Orte teilnehmen. In Hagen findet die „ExtraSchicht“ auf dem Firmengelände der ehemaligen Textilfabrik Elbers, die für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt von großer Bedeutung war, statt. Die Geschichte dieses Areals und der Familie Elbers bietet reichlich Stoff für Historiker.

Auf die Extraschicht freuen sich nicht nur (v.l.) Christiane Göttert (Hagenagentur), Birgit Schulte (Osthaus-Museum), Christian Isenbeck (Eventmanagement Elbers), Sigrun Politt (Kulturbüro Hagen), Beate Hauck (Historisches Centrum), Andrea Honickel (Kulturbüro Hagen) und Arne van den Brink (ExtraSchicht-Organisation). (Foto: ric)

Die erhaltenen Betriebsgebäude dokumentieren ein breites Spektrum von zeittypischen Architekturen und des Arbeitens aus der Zeit seit etwa 1850. Und auch über das „Wohnen von einst“ kann man sich informieren. Von der zugehörigen anfänglichen Arbeitersiedlung „Hessenland, wo Zuwanderer aus Hessen – „Arbeitsmigranten“ würde man heute sagen – wohnten, ist zwar nichts erhalten, aber die „Walddorf-Siedlung“ besteht noch.

Hier, im Wasserlosen Tal, werden die Wohnumstände der Textilarbeiter in der Zeit um 1910 deutlich: Ein eigenes kleines Haus mit Nutzgarten – das sollte für die Arbeiter kein Traum bleiben müssen. Karl Ernst Osthaus konnte dem Künstler-Architekten Richard Riemerschmid einen Bauauftrag durch Elbers in Hagen verschaffen. Ab 1907 begann er den Bau einer Anlage für Arbeiterwohnungen. Rund 90 Häuser der sogenannten „Walddorf-Siedlung“ waren geplant, doch nur elf Häuser wurden gebaut.

Im Rahmen der „ExtraSchicht“ erhält man im nahezu unverändert erhaltenen Wohnhaus Nr. 17 Einblicke in die Lebenswelt der Arbeiter dieser Zeit. Der ExtraSchicht-Shuttle ES 25 steuert das Riemerschmid-Haus an, wo eine kompetente Mitarbeiterin des Osthaus-Museums allerhand Wissenswertes über die Arbeitersiedlung zu erzählen weiß. Das Riemerschmid-Haus ist nicht barrierefrei.

Einzigartige Kulisse

Das eigentliche Elbersgelände ist heute Areal und spannende Kulisse für Gastronomie, Freizeit und Unterhaltung: Das Kunst- und Kulturprogramm ist so vielfältig wie das Gelände und zieht sich durch die ganze Nacht hindurch. Auf dem Gelände der Textilfabrik feiert das Kulturbüro an diesem Abend extra zur „ExtraSchicht“ die Eröffnungsveranstaltung ihres diesjährigen Kultursommers, die gleichzeitig eine große Geburtstagsfeier ist: 25 Jahre Muschelsalat! Das Programm wird ausschließlich durch Hagener Tänzer, Musiker, Komödianten, Jongleure und Artisten gestaltet.

Mit Einbruch der Dunkelheit erstrahlt das alte Industriegemäuer im Glanz einer Lichtinstallation. „ExtraSchichtler“ genießen in stimmungsvollem Ambiente mit anregenden Kunststücken und Ambiente-Gastronomie die Nacht und gehen in den stündlich angebotenen Führungen auf Tuchfühlung mit der besonderen Geschichte der Fabrik und ihrer Arbeiter. Das Kulturbüro Hagen lädt überdies gemeinsam mit dem „Improtheater Emscherblut“ zu Führungen ein, die durch Sprachwitz und verbale Schlagfertigkeit begeistern.

Tolles Programm

Das Programm auf dem Elbersgelände ist vielfältig: Aus musikalischem Einfallsreichtum entwickelt das Gitarrenduo mit Achim Kreuzer und Andreas Wagner frische und eingängige Kompositionen. Nach ihren tollen Tanzeinlagen bei der Hagener Local-Hero-Woche zeigen Mitglieder des Hagener Tanzcenters „Mstage“ erneut einige Kostproben ihrer Tanznummern. Und das Ensemble „Trifolie“ zeigt Ausschnitte aus seinem Programm „die Touristen“. Auf der Bühne werden sie außerdem noch Kostproben ihres artistischen Könnens präsentieren.

Gute-Laune-Musik macht die Band „Kaufen & Schenken“. Mit Gitarren, Mundharmonika, Cello, Bass und Gesang polieren sie bekannte Songs der Musikgeschichte auf und interpretieren sie neu. Das „Elke-Ortmann-Trio“ präsentiert Jazz-Standards aus dem Great American Songbook in der klassischen Besetzung Gesang, Kontrabass und Gitarre. Straßenmusik aus den verschiedensten Ecken der Welt präsentieren die vier Multitalente des „Daltons Orkestra“. Dabei geht es weniger um die Lieder als vielmehr um die Show: mit einer großen Auswahl an Requisiten und Kostümen tragen die Musiker ihre Stücke vor.

Aus ihrem inzwischen umfangreichen Repertoire zeitgenössischer Gospelmusik kann der Gospelchor „Living Voices“ schöpfen. Eindrucksvolle Kompositionen werden sie präsentieren, um die „weißen“ Seelen zu berühren. „Good Girls“: 20 muntere Sängerinnen unterhalten mit einem großen Repertoire aus Barbershop, Swing, Jazz und Musical. Ein Geburtstagsständchen für den Muschelsalat ist vielleicht auch dabei.

Die ExtraSchicht am Samstag, 9. Juli 2011, beginnt um 19 Uhr.