Lauweriks und Zwollo

Hagen. (ME) In Hagen hat man dieses Jubiläum seltsamerweise fast vergessen: Ende August wäre der bedeutende Baumeister J.L.M. Lauweriks – der Architekt der Osthaus-Ära – 150 Jahre alt geworden.

Er muss ein etwas verschrobener, wenngleich genialer Baumeister gewesen sein, der Niederländer Johannes L.M. Lauweriks. Zwar war er eigentlich gelernter Architekt, doch die Chance, ein paar Bauten zu planen, bekam er (abgesehen von einer Villa in Göttingen) nur „richtig“ in Hagen am Stirnband. Den Auftrag gab ihm – natürlich – der Hagener Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus, der zwischen 1906 und seinem Tod 1921 ein „Experimentierfeld modernen Bauens“ am Stirnband zu verwirklichen versucht hat.

Drei „Jobs“ in Hagen

Das, was Lauweriks am Stirnband plante, ist ein wahrlich „spannendes“ Bau-Ensemble. Als Johannes Lauweriks vor gut hundert Jahren von Osthaus nach Hagen berufen wurde, erhielt er nicht nur den Auftrag, die Siedlung am Stirnband zu planen, sondern er übernahm auch die Leitung der „Hagener Silberschmiede“ und des gerade gegründeten „Staatlichen Handfertigkeit-Seminars“. Das war eine Einrichtung zur Lehrer-Weiterbildung.

Zu diesem Zeitpunkt war der Architekt, Pädagoge und Designer 45 Jahre alt. Nach verschiedenen Stationen in den Niederlanden „landete“ Lauweriks als Lehrer der Abteilung Baukunst an der damals von Peter Behrens (Architekt des Delsterner Krematoriums) geleiteten Kunstgewerbeschule in Düsseldorf.

Lauweriks beschäftigte sich damals in besonderem Maße mit Entwürfen auf einer eher eigenwilligen geometrischen Grundlage. Eine große Bedeutung hatte für ihn die „Quadratur“. Hierbei handelt es sich um ein Quadrat mit einem hineingezeichneten Kreis, der wiederum ein Quadrat enthält („Kreis-Quadrat-Motiv“); gleichzeitig spielen Berechnungen auf der Grundlage von „Wurzel aus zwei“ (1,4) und „Wurzel aus drei“ (1,7) eine Hauptrolle.

Unglaublich, aber wahr: dieses wertvolle Schmuckstück - eine mehrere Meter hohe Uhr - war jahrzehntelang hinter einer Wand im Hagener Hauptbahnhof verborgen. Mittlerweile ist sie die Zierde einer neuen Café-Ecke. Gefertigt wurde sie um 1910 von dem niederländischen Goldschmied Frans Zwollo, der zum Kreis um Karl Ernst Osthaus gehörte. (Foto: Stefan Fuhrmann)
Unglaublich, aber wahr: dieses wertvolle Schmuckstück – eine mehrere Meter hohe Uhr – war jahrzehntelang hinter einer Wand im Hagener Hauptbahnhof verborgen. Mittlerweile ist sie die Zierde einer neuen Café-Ecke. Gefertigt wurde sie um 1910 von dem niederländischen Goldschmied Frans Zwollo, der zum Kreis um Karl Ernst Osthaus gehörte. (Foto: Stefan Fuhrmann)

Stirnband

Die Lauweriks-Siedlung am Stirnband beginnt an der Haßleyer Straße mit einem teilweise leicht abgeschrägten Doppelhaus, in das Lauweriks 1914 selbst einzog. Außerdem wohnten dort die Familien Schüngeler und Haarmann. Das nächste Haus in der Reihe: das im Krieg erheblich beschädigte „Haus Dahlhoff“. Es schließt sich ein Gebäude an, das besonders ins Auge fällt: das Haus „Steger“ (die Bildhauerin Milly Steger lebte und arbeitete in diesem Haus). Das vierte Haus ist wiederum eine Doppelvilla, in ihr wohnte Osthaus‘ Bauunternehmer Bockskopf.

Dann folgt das Doppelhaus Grave/Lorenzen – Agnes Grave war Assistentin an Osthaus‘ Privatmuseum „Folkwang“, Ernst Lorenzen Schriftsteller und Lehrer. Den Abschluss der Häuserzeile bildet das berühmte Thorn-Prikker-Haus mit seinem bemerkenswerten Holzgiebel, wo Lauweriks‘ Entwurfsideen besonders gut nachvollzogen werden können.

Labyrinth

Rechtwinklige Schneckenformen, die in vielfältiger Weise an den Bauten zu finden sind, sollen sicherlich das „Labyrinth des Lebens“ darstellen, ein Gedanke, der eng mit der esoterisch angehauchten Theosophie verknüpft sein dürfte, denn in dieser Lehre, deren Anhänger Lauweriks war, geht es unter anderem darum, den Sinn des Weltgeschehens zu erkennen.

Durch eine Ordnung im Äußeren wollte Lauweriks sozusagen eine Ordnung im Innern der Menschen erzielen. Seine Häuser m Stirnband versinnbildlichen dies.

Goldschmied Zwollo

Einer der wichtigsten Mitarbeiter Lauweriks’ in Hagen war Frans Zwollo. Er war ebenfalls Theosoph. Und Goldschmied. Er war ähnlich „versponnen“ wie der Architekt. Zahlreiche Silbergefäße, geschaffen für Osthaus, künden davon. Ferner hat er um 1910 für den Warteraum 1. Klasse im Hagener Hauptbahnhof eine Uhr gestaltet, die ein „echter Hingucker“ war. Und jetzt wieder ist!

Jahrzehntelang war sie hinter einer Zwischenwand verborgen. Unlängst wurde sie – dank der Initiative des Hagener Osthaus-Forschers Stefan Fuhrmann – hervorgeholt und restauriert. Als wertvolles Schmuckstück eines kürzlich eröffneten Geschäfts mit angeschlossener Café-Ecke bildet sie einen „neuen-alten“ Anziehungspunkt im Bahnhof.

Demnächst mehr über die Rettung und die Uhr …