Leitwolf und Ziehpapa: Kristof Schwarz hat den Aufstieg im Blick

Iserlohn. (hc) Basketball ist eine Leidenschaft, die Kristof Schwarz, Kapitän der Iserlohn Kangaroos, mit NBA-Superstar Dirk Nowitzki teilt. Doch der gebürtige Kieler hat Nowitzki gleich mehrere Sachen voraus. Zum einem hat er selbst in der 1. Basketball-Bundesliga auf dem Parkett gestanden und zum anderen war er gleich in zwei Kinofilmen zu sehen.
„Hangtime“ und „Phoenix aus der Asche“ lauteten die Filme, in denen der mittlerweile 29-Jährige Iserlohner Korbjäger mitwirkte. Doch wer ihn erlebt, lernt einen aufgeräumten und auf dem Boden gebliebenen jungen Mann kennen.

Familiensport

Basketball hat schon früh im Hause Schwarz eine große Bedeutung eingenommen. Der Vater pfiff in der 1. Bundesliga und sogar auf europäischer Ebene, und die beiden Jungs Kristof und Malte spielten von klein auf mit dem orangefarbenen Ball. Dabei ist Kristof eigentlich ein „Spätberufener“ in Sachen Basketball, erst mit 13 Jahren startete seine Vereinskarriere. Zuvor kickte er, probierte sich in Tennis und Judo aus.
„Ich begann in einer Schul-AG. Und als wir an einem Turnier in einem Nachbardorf teilnahmen, fragte mich der Trainer einer anderen Mannschaft, ob ich nicht Lust hätte zu ihm in den Verein zu kommen“, berichtet Schwarz von den Anfängen seiner Karriere.
Der sportliche Aufstieg nahm  richtig Fahrt auf. Es folgte der Schritt nach Übersee an die Highschool „The Steward School“ in Richmond, Virginia. Dort gewann er die State-Meisterschaft, ein erstes Highlight für den Basketballer Schwarz. Nach dem Jahr in den USA wechselte er zum Bramfelder SV und von dort weiter zum SC Rist Wedel. Seine Zeit dort  sollte für die weitere sportliche Zukunft entscheidend sein. Denn: bei dem Team aus dem Kreis Pinnenberg lernte er den heutigen Phoenix-Coach Ingo Freyer kennen. „Ich habe dort ein Jahr unter ihm gespielt“, sagt Schwarz.
Wechsel nach Hagen
Aus dem Norden folgte der Wechsel nach Westfalen, zu Phoenix Hagen in die damals noch 2. Bundesliga ProA. Und mit den Feuervögeln gelang ihm im ersten Jahr einer seiner größten sportlichen Erfolge: Der Aufstieg in die 1. Basketball-Bundesliga BBL. In der folgenden Saison durfte er in der Beletage ran, allerdings nicht ganz so oft, wie er sich das gewünscht hätte. „In der ProA habe ich viel gespielt, in der Bundesliga mehr gesessen“, schaut er auf diese Zeit zurück. Um sich sportlich weiterzuentwickeln nahm er den „Rückschritt“ in die ProA in Kauf und wechselte zu den Crailsheim Merlins.

Wendejahr

Ein weiteres Wendejahr stand ihm bevor, denn durch eine schwere und langwierige Schulterverletzung stand Kristof Schwarz auch in Crailsheim nicht ganz so häufig auf dem Platz. In dieser Zeit rückte die berufliche Zukunft in den Vordergrund. Parallel zu seiner Profi-Karriere trieb er sein BWL-Studium voran. Als er am Ende der Spielzeit vor der Frage stand, sich bei einem neuen Team in der ProA zu beweisen oder als etablierter Spieler in einer niedrigeren Klasse zu spielen und beruflich Fuß zu fassen, entschied er sich für Letzteres. Er griff zum Telefon und rief Matthias Grothe an. „Ich habe in Hagen mit ihm zusammen gespielt und er hat immer gesagt, auch wenn man nicht im gleichen Team spielt, bleibt er unser Kapitän. Daher habe ich mich an ihn gewandt. Ich wollte eigentlich ausloten, wo ich spielen kann. Und dann hat er mich nach Iserlohn geholt“, erzählt er von seinem Wechsel in die Waldstadt.

Neue Rolle

Hier hat er die Rolle des Leaders übernommen. Er ist Kapitän und Teamältester, und das mit nur 29 Jahren. „Es klingt so erwachsen, wenn ich sage, dass ich die jungen Spieler habe reifen sehen. Aber Joshua Dahmen war 17, als ich gekommen bin und ist jetzt zu einen richtigen ProB-Spieler gereift“, erzählt Kristof Schwarz.
Iserlohn ist für ihn etwas Besonderes: „In Profi-Mannschaften wechseln häufig die Teamkameraden, aber hier ist richtig etwas zusammen gewachsen“, sagt er.

Aufstieg ist das Ziel

Zu zehn Trainingseinheiten pro Woche bittet Cheftrainer Matthias Grothe seine Spieler, zudem stehen individuelle Einheiten im Fitnessstudio an. „Da sehen wir uns öfter, als unsere Freundinnen und Frauen“, erklärt Schwarz lachend. Den Trainingsumfang sieht er aber absolut gerechtfertigt. Schließlich haben die Kangaroos ein großes Ziel, und das heißt: Aufstieg in die ProA. Das Umfeld sieht er bereit für diesen großen Schritt. „Wir haben eine schöne Halle, und Manager Michael Dahmen ist ein seriöser Rechner, der kein finanzielles Harakiri machen wird. Sportlich wären wir bereit, und auch für die Stadt wäre es schön, wenn der Basketball einen Schritt weiter kommt.“
Schwarz selbst plant seine Zukunft noch nicht so weit. am Ende der Saison möchte er sehen, wo die Reise hingeht. Doch er fühlt sich sehr wohl in Iserlohn. Er arbeitet halbtags als Werkstudent bei einem Iserlohner Unternehmen.
Sollte den Kangaroos der Aufstieg in die zweite Basketball-Bundesliga ProA gelingen, sprechen viele Gründe dafür, dass der Kapitän an Bord bleibt.