Leseraktion "Wohnung ohne Hindernisse"

Petra Schülken (l.) vom Verband der Privaten Bausparkassen und Martin Schulte (r.) von der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen beantworteten die zahlreichen Leserfragen. In der Bildmitte: wochenkurier-Chefredakteur Michael Eckhoff. (Foto: Anna Linne)

Hagen. (zw/ME) Alt werden und trotzdem zu Hause bleiben? Zumindest sind die Chancen größer, wenn Haus oder Wohnung so gestaltet sind, dass man auch mit gesundheitlichen Einschränkungen gut zurecht kommt. Was man an Umbauten veranlassen kann, worauf man achten sollte und wie das alles bezahlbar ist – das war letzte Woche das Thema unserer aktuellen Leseraktion.

Petra Schülken vom Verband der Privaten Bausparkassen und Martin Schulte von der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen beantworteten die zahlreichen Leserfragen. Die wichtigsten Informationen haben wir für Sie notiert:

Frage: Ich will renovieren und mein Bad gleich barrierefrei herrichten. Ich habe eine Pflegestufe und die Krankenkasse hat signalisiert, dass sie sich an den Kosten beteiligen wird. Außerdem wird mein Bausparvertrag jetzt fällig. Ich schätze die Handwerkerkosten auf 10.000 Euro. Wie teuer ist der Architekt?

Antwort: Fragen Sie zunächst Ihren Vermieter, ob er überhaupt dem Umbau zustimmt. Auch, wenn es nur ein Fünf-Quadratmeter-Bad ist, brauchen Sie seine Erlaubnis. Organisieren Sie selber den Umbau, muss mit dem Vermieter vereinbart werden, was passiert, wenn Sie aus der Wohnung ausziehen. Engagieren Sie einen Architekten, und das sollten Sie tun, wird er über geschickte Planung, Beratung und eine entsprechende Ausschreibung die Kosten zu optimieren wissen. Ein Architektenhonorar kann vom „grünen Tisch“ aus nicht beziffert werden. Den Bausparvertrag können Sie ohne Probleme dafür nutzen, denn der altersgerechte oder barrierefreie Umbau des Badezimmers ist ein wohnwirtschaftlicher Zweck. Die andere Variante: Ihr Vermieter veranlasst den Umbau und kann sich die Kosten über die Modernisierungs-Mieterhöhung anteilig zurückholen.

Frage: Wir sind Mitte 30, wollen uns im Frühjahr ein gebrauchtes Haus kaufen. Da wir es sanieren müssen, wollen wir es gleich so umbauen, dass wir auch unseren Ruhestand hier verbringen können, wenn wir möglicherweise gesundheitlich eingeschränkt sind. Worauf sollten wir achten?

Antwort: Achten Sie, allgemein gesagt, auf Barrierefreiheit. Das bedeutet unter anderem: barrierefreier Zugang von der Straße zum Haus, breite Türen mit niedrig angebrachten Klinken, barrierefreie Flure, schwellenarmer Zugang zur Terrasse, eine bodengleiche Dusche, unterfahrbarer Waschtisch, Steckdosen und Lichtschalter in 85 Zentimeter Höhe, ein entsprechend breiter Autostellplatz, großzügige Fenster, weil der Lichtbedarf mit dem Alter steigt. Wohnen ist so individuell wie die Menschen – deshalb sollten Sie sich in aller Ruhe rechtzeitig von einem Architekten beraten lassen und und dann erst entscheiden.

Frage: Ich bin Mieter, habe eine Dusche mit sehr hohem Eintritt, und es fällt mir schon schwer, den zu überwinden. Kann der Vermieter das ändern lassen? Eine bodengleiche Dusche lässt sich aufgrund der Altbausubstanz nicht einbauen, aber es wäre mir schon geholfen, wenn der Eintritt 20 Zentimeter abgesenkt werden könnte.

Antwort: Fragen Sie einfach Ihren Vermieter. Vielleicht gibt es noch mehrere Interessenten im Haus, dann könnten Sie sich zusammentun. Achtung: Der Vermieter kann 11 Prozent der Investitionskosten pro Jahr auf die Miete umlegen.

Frage: Wir wohnen mit unseren Eltern in einem Eigenheim. Mein Vater ist gehbehindert, und wir möchten gern einen Lift ins Obergeschoss einbauen lassen. Wer hilft bei der Finanzierung?

Antwort: Fragen Sie zunächst bei der Krankenkasse. Die kann, wenn eine Pflegestufe vorliegt, für altersgerechte Um- oder Einbauten 2.557 Euro dazugeben. Außerdem gibt es bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) das Kreditprogramm „Altersgerechter Umbau“ – derzeit zu einem Zinssatz ab einem Prozent. Wichtig: Das Programm soll zum Jahresende geschlossen werden. Sie können noch in diesem Jahr den Kredit beantragen, haben bis zu drei Jahre Zeit, das Geld abzurufen, ohne Bereitstellungszinsen zahlen zu müssen. Der Kredit kann nicht direkt bei der KfW, sondern nur über Ihre Bausparkasse oder Hausbank beantragt werden.

Frage: Wir wollen unser Haus sanieren und vorher einen Architekten um Rat fragen. Was kostet das?

Antwort: Für eine einstündige Gebäudeberatung kalkulieren Sie ab 150 Euro. Dafür haben Sie eine umfassende Beratung und gegebenenfalls eine grobe Kostenschätzung.

Frage: Wir wollen unser Bad barrierefrei umbauen, weil wir oft Besuch von gehbehinderten Verwandten haben und irgendwann vielleicht auch selber in die Situation kommen. Können wir den KfW-Kredit nutzen?

Antwort: Ja, das können Sie. Sie müssen für die Inanspruchnahme des Kredits nicht selber gesundheitlich beeinträchtigt sein. Allerdings hängen an der Kreditvergabe durch die KfW technische Mindestanforderungen, die Sie bitte den entsprechenden Informationsblättern entnehmen.

Frage: Wir haben 50 Stufen zu überwinden, 25 von außen ins Haus und 25 innen. Wir hatten einen Vertreter eines Liftherstellers bei uns. Er meinte, die Lifte würden ca. 30.000 Euro kosten.Stimmt das?

Antwort: Das kann hinkommen. Nach meiner Empfehlung sollten Treppenlifte allerdings nur der letzte Ausweg sein, wenn es gar keine andere Lösung gibt. Und Sie sollten sich umfassende Beratung holen. Haben Sie darüber nachgedacht, eventuell umzuziehen oder das Wohnen anders zu organisieren, indem Sie zum Beispiel auf auf eine Geschossebene ziehen, um das Treppensteigen zum umgehen?

Frage: Mein Sohn sitzt nach einem Sportunfall im Rollstuhl, kann zum Glück von zu Hause aus arbeiten. Sein Zimmer und das Bad haben wir schon so umgestaltet, dass er gut zurechtkommt. In der Küche kann er nicht allein hantieren, aber ich bin ganztags berufstätig. Kann ich den Bausparvertrag meines Vaters nutzen, um die Umbaukosten für die Küche zu bezahlen. Kann ich das Bauspardarlehen mit einem KfW-Kredit kombinieren?

Antwort: Die Übertragung eines Bausparvertrages ist unter Verwandten in der Regel problemlos möglich. KfW-Kredit und Bauspardarlehen können Sie jederzeit miteinander kombinieren.

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