Letztes Weihnachtsfest im alten Heim

Hagen. (anna) Es wird sicherlich das letzte Weihnachtsfest sein, welches die unzähligen Vierbeiner im maroden Hagener Tierheim an der Natorpstraße erleben müssen. Denn schon im Frühjahr des nächsten Jahres sollen alle Tierheim-Bewohner ihr neues, modernes Heim an der Hasselstraße beziehen.

Veterinärin Mechtild Kiel (r.) baute jetzt in ihrer Praxis in der Walddorfstraße 49 einen Wunschbaum für Tierheimstiere auf. Die Vorsitzende des Tierschutzvereins, Birgit Ganskow (l.), und Bürgermeisterin Brigitte Kramps (2.v.l.) freuten sich über die tolle Idee und das große Engagement der Spender. (Foto: Anna Linne)

Und dass das neue Tierheim dringend benötigt wird, zeigt die stetig ansteigende Zahl der Fundtiere. Allein 80 Katzen sitzen derzeit im kleinen Katzenhaus am Kratzkopf, darunter viele alte und kranke Tiere, die kaum noch zu vermitteln sind. Viele Hunde und Katzen, deren Unterhalt vom Tierschutzverein bestritten wird, sind zudem in Pflegestellen untergebracht, weil der Platz im engen Tierheim einfach nicht ausreicht.

Um all diesen Kreaturen alles erdenklich Gute sowie die nötigen Medikamente zukommen zu lassen, hatte Tierärztin Mechtild Kiel eine wunderschöne Idee: In ihrer Praxis an der Walddorfstraße 49 stellte sie einen festlich geschmückten Wunschbaum für die armen Vierbeiner auf. Jeder, der helfen will, kann sich nun einen Zettel vom Tannenbaum „pflücken“, auf dem ein Tier aus dem Tierheim abgebildet ist und seine speziellen Bedürfnisse erläutert werden: Der alte und blinde Schäferhund Max braucht zum Beispiel Medikamente, die monatlich 30 Euro kosten. Mit dieser Spende, die auch ausschließlich für Max verwendet wird, soll dem Hund und dem Tierschutzverein geholfen werden. Der 27-jährige Wallach „Q“ braucht dringend etwas Geld für den Hufschmied, denn allein die Unterkunft des Seniors verschlingt schon 150 Euro im Monat.

Circa 60 Zettel hängen am Baum in der Tierarztpraxis und können jederzeit von spendenfreudigen Besuchern „gepflückt“ werden. „Einen Kaffee gibt es gratis dazu“, meint Tierärztin Mechtild Kiel. „Auf den Zetteln stehen natürlich nur die dringendsten Notfälle“, erläutert Tierschutzverein-Vorsitzende Birgit Ganskow. „Und jede Spende kann unser Budget enorm entlasten.“

Pflegestellen, Patenschaft & Katzenschwemme

Der Tierschutzverein sucht obendrein dringend Pflegestellen für alte, kranke, nicht mehr vermittelbare Tiere. „Die Kosten werden komplett von uns übernommen“, verspricht Birgit Ganskow, „Wer kein Tier aufnehmen kann oder will, hat die Möglichkeit, eine Patenschaft zu übernehmen. Mit dem monatlichen Patenschaftsgeld können wir dem Tier einen schönen Lebensabend bereiten.“

Ein großes Problem stellt sich den Tierschützern auch mit der wachsenden Zahl wildlebender Katzen, die sich in den letzten Jahren, trotz Kastrationen, unglaublich vermehrt haben. „Wir suchen dringend Leute, die mit uns die Tiere anfüttern und einfangen, damit wir sie kastrieren können“, beschreibt Birgit Ganskow eine andere Aufgabe des Tierschutzes. „Wir können wirklich von einer Katzenschwemme reden, die wir kaum noch in den Griff kriegen.“

Vier Hunde und vier Katzenboxen sowie ein Tierschutzzentrum sind nun an den bereits bestehenden Baukörper, der aus Mitteln des Konjunkturpakets finanziert wurde, angebaut. Damit das Tierheim im Frühjahr 2012 aber komplett umziehen kann, braucht es noch ein Kleintierhaus. (Foto: Anna Linne)

Tierheimneubau

In nur zwei Monaten wurde der Rohbau des neuen Tierheims in der Hasselstraße fertiggestellt, der auf 1100 Quadratmetern ausreichend Platz für Verwaltungsräume, Quarantänestationen, tierärztliche Praxis, Versorgungsräume, 32 große Hundeboxen und Raum für 60 Katzen bereitstellt. Trotz abgespeckter Version beeindruckt das neue Tierheim durch Modernität und Größe. Der lichtdurchflutete Neubau besticht nicht zuletzt auch durch das riesige Außengelände, das ausreichend Platz für Ausläufe, Hundeplatz & Co. bietet. Finanziert mit 1,5 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II soll nun mit Spendengeldern des Tierschutzvereins bis zum Frühjahr alles fertiggestellt werden. Der Tierschutzverein bringt die Spendengelder in vollem Umfang in das Neubauprojekt an der Hasselstraße ein. Vier Hunde und vier Katzenboxen sowie ein Tierschutzzentrum sind nun an den bereits bestehenden Baukörper angebaut worden. Damit das Tierheim im Frühjahr 2012 aber komplett umziehen kann, braucht es noch ein Kleintierhaus. „Bevor wir keine Unterkunft für die Kleintiere haben, können wir nicht umziehen“, erklärt Brigitte Kramps, „wir können nicht an zwei Standorten ein Tierheim betreiben. Für diesen Zweck braucht der Tierschutzverein noch dringend weitere Spenden. Wir sind noch längst nicht am Ziel und brauchen weiter jeden Cent“, so die engagierten Damen vom Tierschutzverein (Spendenkonto: Sparkasse Hagen, Konto-Nr. 103 103 007).

Weitere Informationen zu den notleidenden Tieren, zum Spenden und dem Neubau gibt’s es unter www.tierschutzverein-hagen.de.