Liebe, Witz, Glück: König Drosselbart mit Hund und Katze in Hagen

„König Drosselbart“ und seine Philine begeistern seit dem 12. November die großen und kleinen Besucher des Theater ­Hagen. (Foto: Klaus Lefebvre)

Von Lara Zeitel

Hagen. Es ist Sonntagmittag, kurz vor elf. Im Theater Hagen herrscht reges Treiben. Helle Stimmen werden immer lauter. Mit einem Mal stürmen zehn kleine Kinderbeine an mir vorbei, jeder der jungen Zuschauer hält einen Styroporsitz in der Hand. Die Sitzerhöhung ist für die Kleinen ein echtes Muss, schließlich soll der Blick auf die Bühne durch nichts versperrt werden. Gezeigt wird das diesjährige Weihnachtsmärchen, das erst am Sonntag, 12. November, auf der Schauspielbühne hier im Theater Hagen Premiere feierte.

11 Uhr – die Geschichte des „König Drosselbart“ beginnt. Ein Mann betritt die Bühne und sagt, er sei auf der Suche nach einem großen Schloss. Ihm folgt eine Katze – Charlie. Die Katze miaut. Gekicher schwebt durch den Raum. Besonders die kleinen Gäste sind so aufgeregt, dass es sie nicht länger auf ihren Sitzplatzerhöhungen hält. Mit großen Augen schauen sie gespannt auf die Bühne.

Kurz darauf trifft der Herr mit seiner Katze auf eine junge, hübsche Frau, die, wie sich bald herausstellt, die eitle und verzogene Prinzessin des Königs Ludwig ist und die stets von ihrem Hund Karlo begleitet wird.

König Ludwig, Vater der wunderschönen Philine, betritt die Bühne und beklagt, dass sie sich nicht verheiraten lassen wolle. Als sich der Unbekannte im Folgenden als König Drosselbart und als potenzieller Brautanwärter im Schloss anmeldet, lehnt Philine ab und beleidigt ihn. Daraufhin beschließt ihr Vater, sie an den nächsten, der daherkommt, zu verheiraten. König Drosselbart verkleidet sich als Spielmann, bekommt Philine zur Frau und nimmt sie mit sich. Statt ihr sein Schloss zu zeigen und sich als König Drosselbart zu offenbaren, zeigt er ihr das einfache Leben als Magd und will auf diesem Weg eine dankbare Prinzessin aus ihr machen und schließlich ihr Herz gewinnen.

Wie Hund und Katze

Die Annäherungsversuche zwischen König Drosselbart und Philine sind gleich denen von Hund Karlo und Katze Charlie. Sie streiten und keifen, sie bellen und mauzen. Jedoch sind Karlo und Charlie ihren Besitzern immer einen Schritt voraus. Besonders das Spiel von Hund und Katze entlässt die kleinen Zuschauer nach einer Stunde Spielzeit mit strahlenden Augen in die Pause. Nach einer Stärkung mit Strohhalmgetränk und Knabbersnack, können sie es kaum erwarten, die Geschichte von Philine und König Drosselbart weiter zu verfolgen.

Interaktiv und prachtvoll

Auch die älteren Zuschauer sind amüsiert – lachen, schmunzeln. Denn im Vergleich zum Grimm’schen Märchen erzählen die Charaktere hier ihre Geschichte auf eine ganz eigene Art und Weise, bildhaft dargestellt durch Hund Karlo und Katze Charlie. Und nicht zuletzt durch die Interaktion mit dem Publikum schaffen es die Schauspieler, besonders ihre kleinen Zuschauer zu faszinieren. Von Scheu und Zurückhaltung der Gäste keine Spur.

„Habt ihr Mäuse für mich?“, fragt Katze Charlie. „Nein“, oder „zu Hause“, ruft das Publikum ihr entgegen. In einer Generation von Smartphones und virtueller Spielewelt schafft es das Stück „König Drosselbart“, auch die Jüngsten eineinhalb Stunden lang mit einer prachtvollen Hintergrundkulisse und seinen charismatischen Darstellern zu beeindrucken. Das Bühnenbild als solches ist einfach gestaltet, überzeugt aber mit seiner Vielfältigkeit. Aus Gitterkörben werden von Szene zu Szene multifunktionale Kulissen gebaut. So dienen die Körbe als Unterschlupf, Marktstand, Brücke, Spinnrad, Hundehütte oder als Thron des Königs.

Das Urteil

Wer einfach nur die reine Nacherzählung des Grimm’schen Märchen erwartet, wird möglicherweise enttäuscht werden. Mit viel Witz und Charme verspricht „König Drosselbart“ jede Menge Spaß, ist definitiv ein Weihnachtsmärchen für die ganze Familie.

Und die Moral an diesem Sonntagmittag? Die findet sich im letzten Song: „Manches Mal da sieht es aus, als gäb’s kein Happyend. Manchmal braucht man Mut dazu, Geduld und auch Talent. Und wenn alles gar nicht geht, nicht vor und nicht zurück, braucht man nur drei Dinge, nämlich Liebe, Witz und Glück.“