Lkw-Oldtimer in der Sparkasse Hagen

Hagen. (as) Es waren Zeiten, in denen ganz Deutschland kräftig in die Hände gespuckt hatte. Der Zweite Weltkrieg war vorbei, die Sehnsucht nach ein wenig Normalität riesengroß. Jeder und jede fasste an, um Dörfer und Städte aufzubauen, um sich ein Heim und eine Heimat zu schaffen. Kleine Lastwagen kamen zum Einsatz, um Materialien und Güter von A nach B zu transportieren. Das waren „Lastesel der Wirtschaftswunderzeit“.

Genau so ist die neue Ausstellung überschrieben, die die Sparkasse Hagen jetzt im Sparkassen-Karree im Herzen der Hagener Innenstadt präsentiert. Gezeigt werden Schnauferl der Nachkriegszeit. Oldtimer, die in ihren jungen Jahren direkt ins Wirtschaftswunder hineingetuckert sind. Damals waren sie Lastfahrzeuge, heute sind sie schmucke Zeugen einer vergangenen Zeit.

Im zerstörten Deutschland der Nachkriegszeit war der Bedarf der Menschen an Gütern und Dienstleistungen aller Art sehr groß. Aber die Handwerker und Gewerbetreibenden, die Lebensmittel- und Viehhändler, hatten kaum Fahrzeuge, um ihre Ware zu den Kunden zu transportieren. Denn: Was die Wehrmacht einst nicht eingezogen hatte, wurde spätestens in den Wirren der letzten Kriegstage zerstört. Übrig blieben leistungsschwache Vorkriegsfahrzeuge und das, was die Alliierten aus ihren Beständen aussonderten. Lastwagen wurden dringend gebraucht.

Er trägt einen großen Namen. Goliath heißt der Lkw-Knirps aus dem Jahr 1957. Als Express 1100 von Goliath verfügt er über 1100 ccm Hubraum und hat rassige 40 Pferdchen unter der Haube. (Foto: A. Schneider)
Er trägt einen großen Namen. Goliath heißt der Lkw-Knirps aus dem Jahr 1957. Als Express 1100 von Goliath verfügt er über 1100 ccm Hubraum und hat rassige 40 Pferdchen unter der Haube. (Foto: A. Schneider)

Windschnittig geht anders

Einige Hersteller erkannten die Zeichen der Zeit. Sie produzierten die heiß ersehnten Kleinlastwagen. Viele der Hersteller von einst sind in Vergessenheit geraten. Doch hört man die Namen und – vor allem – sieht man die Vehikel, die Deutschland durch die 50er Jahre und später direkt ins Wirtschaftswunder kutschiert haben, beginnen viele Augen zu leuchten. Manche Gefährte sind rund, manche eckig, für einen Lkw winzig klein. Und sie widersprachen allesamt unseren heutigen automobil-aerodynamischen Sehgewohnheiten: Windschnittig ging wirklich anders.

Die Modelle von damals stammten beispielsweise von Vidal, waren Dreiräder und hießen Tempo Hanseat und Tempo Matador. Ford ruckelte mit dem FK 1000/1250 durch die Gegend, DKW mit dem F89-Schnelllaster. Die Borgward-Tochter Goliath stellte die Dreiräder GD 750, Goli und später den vierrädrigen Express 1100 vor. Es gab den Manderbach, den Gutbrod und – natürlich – den legendären Bulli von Volkswagen. Von diesen Fahrzeugen haben jeweils nur wenige überlebt. Nach ihrem Arbeitsleben wurden die meisten verschrottet. Sie wurden nicht mehr benötigt. Denn ihre Nachfolge-Modelle präsentierten sich immer komfortabler und leistungsstärker.

Schnauferl der 50er Jahre

Die Ausstellung im Sparkassen-Karree guckt gar nicht auf die Leistung. Sie nimmt sich der „Lastesel der Wirtschaftswunderzeit“ an und zeigt einen Querschnitt der Fahrzeuge, die in den 50er Jahren auf unseren Straßen fuhren. Zu sehen sind die Schnauferl bis zum 20. März zu den Geschäftsöffnungszeiten (montags bis freitags von 9 bis 18.30 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr).

Wer nicht nur die liebevoll restaurierten Fahrzeuge bestaunen möchte, sondern auch an detaillierten Informationen zu den Ausstellungsstücken interessiert ist, sollte sich als Termin den Mittwoch, 12. März, um 18.30 Uhr im Terminkalender vormerken. An diesem Abend wird Ingo Buschmann, Oldtimerexperte im Märkischen Automobil-Club, viel Wissenswertes rund um die ausgestellten Fahrzeuge berichten.