„Mach doch mal“ ein Heft über Wehringhausen

Hagen. Als sich die Hagenerin Natalie Potulski langsam, aber sicher dem Ende ihres Kommunikationsdesign-­Studiums in Dortmund näherte, war guter Rat teuer: Sie brauchte eine zündende Idee für die Abschlussarbeit.

„Mach doch mal…“

„Mach doch ein Wehrighausen-Magazin“, hieß es im Freundeskreis. „Kein Problem“, dachte sie und machte sich bald an die ersten Schritte zur Umsetzung. Doch rasch gab es Zweifel: Macht ein solches Magazin wirklich Sinn? Ist ein Printprodukt nicht ein fossiles Relikt vergangener Tage? Und wer interessiert sich überhaupt für sowas? Welche Inhalte benötigt man? Macht man vielleicht lieber ein Bildermagazin?

Nachdem sich Natalie Potulski ein Weilchen lang mit diesen Fragen beschäftigt hatte, wurde ihr klar: „Wehringhausen ist ein Stadtteil, der viel Lebensqualität und an vielen Stellen noch eine gelebte Nachbarschaft bietet, der andererseits aber auch mit großen Schwierigkeiten und Imageproblemen zu kämpfen hat.“ Deshalb kam sie zu einem naheliegenden Schluss: „Wenn ein Stadtteilmagazin solche Dinge nicht zum Thema macht, ist das meiner Meinung nach vorbei geschossen.“

Mit diesen Gedanken im Kopf legte sie los. Unterstützt vom Wehringhauser „Alt-Aktivisten“ Michael Vollmer und einigen anderen Mitstreitern – darunter von mehreren Fotografie-Studenten – legte sie los. Zur Finanzierung der 2500er Auflage gelang es ihr, die Verantwortlichen der „Sozialen Stadt Wehringhausen“, die Stadt Hagen und einige Ministerien ins Boot zu holen.

Nicht ganz einfach

„Die Monate“, erzählt Natalie Potulski, „verflogen regelrecht.“ In dieser Zeit traf sie sich mit vielen Menschen, fragte sie nach ihren Geschichten und Erfahrungen. Unterdessen kämpfte sie sich durch Berge von Papier, negativen Zeitungsartikeln und Problemen. So hätte sie gerne auch Zuwanderer – vor allem aus Bulgarien oder Rumänien zu Wort kommen lassen –, aber in diesen Bevökerrungsgruppen ist das Misstrauen so groß, dass sie nicht einmal jemanden fand, der bereit war, seine Wehringhauser Erlebnisse anonym zu Gehör zu bringen.

Natalie Potulski ist Wehringhauserin mit Leib und Seele. Die 31-Jährige hat einen wesentlichen Teil ihrer Jugend in diesem Ortsteil verbracht, zwischenzeitlich lebte sie dann in Düsseldorf und Dortmund. „Aber ich habe meine Heimat vermisst“, gesteht sie schmunzelnd. Deshalb war ihr die Idee, ein Magazin über Wehringhausen als Bachelor-­Arbeit zu „produzieren“, natürlich höchst willkommen.

Jetzt – nach rund einjähriger Arbeit – ist das „gute Stück“ fertig und kann verteilt werden. Dargestellt oder porträtiert werden in der überaus lesenswerten 90-Seiten-DIN-A-4-Broschüre unter anderem die engagierte Nicole Schneidmüller-Gaiser („Hagen ist bunt“), der hinreißende Künstler Martin Bender, einige der schönsten Baudenkmäler Wehringhausens, ferner auch ein Filmemacher, zwei Designer und das Repair-Café an der Lange Straße 65. Hier übrigens wird das „Magazin 089 Wehringhausen“ am kommenden Samstag, 8. September, ab 16 Uhr offiziell „bei Häppchen und Getränken“ vorgstellt. Unter dem Motto „Make Wehrighausen great again“ hofft Natalie Potulski auf viele Gäste und eine rege Diskussion.
Fortsetzung?

Ihr „Unterstützer“ Michael Vollmer seinerseits wünscht sehnlichst, dass es eine Fortsetzung geben möge. Hierzu möchte er eine ehrenamtliche Wehringhauser Bürger-Redaktion ins Leben rufen, die die Produktion von „Ausgabe 2“ in Angriff nehmen soll. Im Frühjahr soll dann die neue Ausgabe erscheinen, der Druck könnte erneut durch das Projekt „soziale Stadt“ finanziert werden.