Mager wie Models

Von Birgit Malchow

Wer Fragen hat zum Thema Magersucht, kann sich natürlich auch direkt an die Berater der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) wenden - zum Beispiel an Klaus Koldin...

Hagen. Die Zeit der „Frühjahrsdiäten“ ist angebrochen. Vor allem Frauen und Mädchen achten wieder penibel auf die Zusammensetzung der Speisen. Schließlich will man bald wieder in Sommerkleidung „glänzen“. Manche von ihnen fühlen sich ständig schuldig, weil sie eventuell ein paar Kalorien zu viel gegessen haben. Und manchmal geht es sogar um Leben und Tod…

Trotz normaler Körpermaße halten sich viele für zu dick. Sie starten eine Diät nach der anderen. Dieses ungesunde Essverhalten kann in eine Magersucht münden – eine schwerwiegende Erkrankung.

Etwa jede zehnte Patientin stirbt in den ersten zehn Jahren nach Beginn der Krankheit. Mit diesem brisanten Thema konfrontierte der wochenkurier die Berater der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und bat um Antworten auf die häufigsten Fragen unserer Leser und Leserinnen:

Welche Schäden kann Magersucht im Körper anrichten?

Bei dauerhafter Unterernährung holt sich der Körper die benötigten Nährstoffe, wie Fette und Mineralien, aus den Körperorganen und den Knochen. Daraus können nicht mehr reparierbare Schäden, zum Beispiel an den Nieren und am Skelett, entstehen. Menschen mit lang anhaltender Magersucht sind außerdem selbstmordgefährdet.

Meine Tochter wird immer dünner. Wie kann ich sie überzeugen, wieder mehr zu essen?

Sprechen Sie in Ruhe mit Ihrer Tochter. Erklären Sie ihr, dass Magersucht sehr gefährlich für ihren Körper werden kann. Und vergessen Sie nicht: Sie sind die Mutter (oder der Vater). Sie können klare Grenzen aussprechen, zum Beispiel dass – wenn ein bestimmtes Gewicht unterschritten wird – eine Therapie gegen die Essstörung unerlässlich ist. Beratungsstellen für Essstörungen oder Familienberatungsstellen finden Sie im Internet unter www.bzga.de, unter dem Button Beratungsstellen, geordnet nach Postleitzahlen.

Ich mache mir Sorgen um meine erwachsene Tochter. Sie nimmt immer mehr ab, weil sie fast nichts mehr isst. Was kann ich dagegen tun?

Erzwingen können Sie eine Therapie nicht. Wenn Ihre Tochter eine erwachsene Frau ist, hat sie das Recht auf eigene Entscheidungen – und auch auf eigene Fehler. Magersucht ist eine seelische Erkrankung und muss – wie jede andere Erkrankung auch – professionell behandelt werden. Sie können Ihrer Tochter immer wieder Signale geben, dass Sie für sie da sind. Aber nur wenn sie Hilfe annehmen will, wird eine Therapie erst möglich.

...oder an Thomas Weßling. (Foto: BZgA)

Wird man bei einer Therapie gegen Magersucht zum Essen gezwungen?

Ohne Frage gehört zur Heilung auch, dass man sich mit einem dem Alter entsprechendem Körpergewicht akzeptiert und dementsprechend isst. Vorrang bei der Therapie hat jedoch, dass die Betroffenen ihr Selbstvertrauen wieder stärken. Sie sollen erkennen, warum sie diese Essstörung entwickelt haben, für welche Probleme in ihrem Leben sie Ausdruck ist. Hat man das erkannt, kann man etwas dagegen tun.

Meine Tochter ist sehr schlank und isst viel weniger als ich. Könnte eine Magersucht dahinter stecken?

Belasten Sie sich nicht mit dem Gedanken an Magersucht bei Ihrer Tochter, wenn es ansonsten keine Anzeichen gibt. Es ist dann eher unwahrscheinlich, dass sie daran leidet. Lassen Sie die Gedanken gar nicht los, können Sie selbst bei einer Familienberatung Hilfe finden. Adressen gibt es im örtlichen Telefonbuch oder im Internet unter www.dajeb.de.

Info-Material

Der Leitfaden „Essstörungen“, Info-Broschüre „Essstörungen, was ist das?“ und die Info-Hefte „Die heimliche Sucht – Essstörungen“ und „Gefährliches Ziel Traumbody – Zwischen Hungerwahn und Muskelsucht“ gibt es bei der BZgA kostenlos. Bestellwege: schriftlich an BZgA, 51101 Köln, per Fax 02 21/ 8 99 22 57, per Mail order@bzga.de oder über das Internet: www.bzga-essstoerungen.de.

Das BZgA-Infotelefon 02 21 / 89 20-31 berät Eltern und Betroffene zu den unterschiedlichen Formen von Essstörungen wie Magersucht, Ess-Brech-Sucht oder Heißhunger-Attacken von Mo. bis Do. von 10 bis 22 Uhr und Fr. bis So. von 10 bis 18 Uhr.