„Man sieht nur mit dem Herzen gut“ – Pfifikuss spielt „Der kleine Prinz“

Hohenlimburg. (Red.) Auch in diesem Jahr präsentiert das
Theater Pfifikuss erneut in der Vorweihnachtszeit eine Geschichte für die
gesamte Familie. Nach dem großen Erfolg der „Olchis“ im vergangenen Jahr bringen
die Pfifikusse am Samstag, 19. November, um 16 Uhr ein Stück nach der
weltbekannten Erzählung „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupery auf die
Bühne des großen Saals im Kulturzentrum Werkhof, Herrenstraße. Gezeigt wird
dabei die Geschichte eines Piloten und eines kleinen Jungen.
In der Pfifikuss-Geschichte ist ein Pilot abgestürzt, aus dem Leben direkt
ins Krankenhaus. Der Junge, mit dem der Pilot sein Krankenzimmer teilt und der
vielleicht ein Prinz von einem winzigen Stern im Kosmos ist, scheint schwer
krank zu sein. Und doch verwickelt er den Piloten in immer neue Geschichten.

Permanent fordert er ihn auf, dabei zu sein. Wenn er von seiner
hilfsbedürftigen Rose mit dem zarten Stachel erzählt, die sich so leicht einen
Schnupfen holen kann oder von seinen Planetennachbarn. Er kennt den Anzünder der
einzigen Laterne und den eifrigen Geschäftsmann, der die Sterne sammelt. Aber er
kennt seinen neuen Bettnachbarn noch nicht. Er lässt ihm keine Ruhe.
Der Flieger kann nicht anders, als sich der Welt dieses nervenden, rührenden,
weisen Kindes zu öffnen. Manchmal geht es dem Jungen dreckig. Aber dann denkt er
an den Fuchs, der so gerne gezähmt werden würde, und an die Schlange, die einen
Elefanten verschlingen kann. Der Pilot wird wieder fliegen. Und auch der Junge
neben ihm wird sich von der Erde entfernen. Er kennt den Weg zurück zu seinem
Stern.
Zwei Familien, ein Pfifikuss
Das Theater Pfifikuss gründete sich im Jahre 2010. Die beiden befreundeten
Familien um Ralf Schlüter und Markus Beer beschlossen, die weithin bekannten
„Abenteuer von Pettersson und Findus“ von Sven Nordqvist in Eigenverantwortung
auf die Bühne zu bringen, nachdem Markus Beer die Theaterfassung gelesen und
Ralf Schlüter eröffnet hatte, während des Lesens stets Schlüter als Pettersson
und seine damals elfjährige Tochter Sophie als Kater Findus vor Augen gehabt zu
haben.
„Dann lass uns das doch machen“, entgegnete Ralf Schlüter daraufhin mutig
knapp. Und das war die Geburtsstunde der Pfifikusse. Ein Ort der zukünftigen
„Theaterschandtaten“ war schnell gefunden: die Bühne des großen Saals im
Kulturzentrum Werkhof. Denn dort steht Ralf Schlüter seit über 20 Jahren bereits
im Kreise seiner ehemaligen Schulfreunde als Theater Mummpitz auf der Bühne.
Nach wie vor bieten die Pfifikusse Theater speziell für Kinder und deren
Familien an: „Pettersson und Findus“, Janoschs „Oh wie schön ist Panama“,
Cornelia Funkes „Käpten Knitterbart“ und eben „Die Olchis“.
Nach komödiantischen Ausflügen in die Sphären des Erwachsenentheaters mit
„Gut gegen Nordwind“ und „Engelchen und Teufelchen“ des Hagener Autoren Stefan
Schroeder widmet sich das Theater Pfifikuss mit dem „kleinen Prinz“ in diesem
Herbst einer großen Vorlage der Literatur.
Hochaktuell
1943 in den USA veröffentlicht trat die Erzählung von Antoine de
Saint-Exupery ihren Siegeszug durch die ganze Welt an. Nach wie vor ist die
Geschichte mit ihren zentralen Themen Leben und Tod, Freundschaft und Liebe so
aktuell wie nie zuvor. In Zeiten politischer und gesellschaftlicher
Veränderungen mit ihren aktuellen Themen Arbeitslosigkeit, Flüchtlingspolitik
und zunehmender Fremdenfeindlichkeit hält die Figur eines kleinen Kindes den
Erwachsenen einen Spiegel vor.
In einer Welt, in der in sozialen Netzwerken wie Facebook gegen
Andersdenkende und Andersgläubige gelästert und gehetzt wird, in der das
Halbgare und Lügen der Wahrheit vorgezogen werden, in der es zunehmend darum
geht, ein Forum für eine krude und menschenverachtende Weltanschauung zu finden,
sind die Weisheiten aus dem Blickwinkel eines Kindes eine Art Überlebenselixier.
„Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast“
und „Man sieht nur mit dem Herzen gut“ sind Sätze, die uns Menschen helfen
können, uns wieder auf das zu konzentrieren, was uns ausmacht: Unsere
Mitmenschlichkeit, unsere Fähigkeit zu lieben und Mitgefühl zu empfinden.
„Nicht nur zur Weihnachtszeit sollten wir uns darauf besinnen, einander zu
akzeptieren und zu tolerieren. Der Weg in eine lebenswerte Zukunft führt nicht
über unsere Ellbogen, sondern über den Mut in unseren Herzen, füreinander auf-
und einzustehen gleich welcher Gesinnung wir sind“, sagt Markus Beer, der als
Regisseur das Stück inszenierte.
Lukas ist der kleine Prinz
In der Hauptrolle ist neben Ralf Schlüter Beers elfjähriger Sohn Lukas zu
sehen. „Mir macht es großen Spaß, den kleinen Prinzen zu spielen, weil die
Geschichte so gefühlvoll und warmherzig ist. Und es vermittelt so tolle
Weisheiten“, erklärt Lukas stolz.
In weiteren Rollen als Rose und Fuchs und als Bewohner der Planeten, die der
kleine Prinz besucht, komplettieren Sophie Schlüter und Alexandra Beer das
Ensemble. Seit September proben die fünf Freunde ein- bis zweimal wöchentlich.
Den kleinen und großen Zuschauern wird dabei eine Dramatisierung geboten, die
ohne Sentimentalität und Pathos auskommt und trotzdem große Emotionen auslöst.

Die Premiere findet am Samstag, 19. November, um 16 Uhr im Werkhof statt.

Weitere Aufführungen sind am 20. und 27. November, am 4. und 11. Dezember
jeweils um 16 Uhr. Karten zum Preis von sieben Euro (Erwachsene) und fünf Euro
(Kinder) können im Kulturzentrum Werkhof telefonisch unter
02334 / 929190 vorbestellt werden. Weitere Vorverkaufsstellen sind
unter www.werkhof-kulturzentrum.de zu
finden.