Mancherorts „Dürrekatastrophe“: Ernte so früh wie selten abgeschlossen

Weizenernte Schneidwerk
Die Erntearbeiten konnten in diesem Sommer schnell und gut erledigt werden. (Fotos: wlv/Drees-Hagen)

Ennepe-Ruhr-Kreis/Hagen. (wlv) Es ist Anfang August, und alle Getreidefelder sind abgeerntet. Dieses Jahr hat Seltenheitswert. „Und dabei haben wir zu Beginn des Frühjahres geglaubt, es könnte etwas später werden mit der Ernte“, sagt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ennepe-Ruhr/Hagen Dirk Kalthaus.
Im März sei es durchgehend recht kalt gewesen, so dass die Pflanzenentwicklung im zeitigen Frühjahr ein bis zwei Wochen hinter den letzten Jahren hinterher gehinkt habe. „Aber dann ging es los – von 0 auf 100“, sagt der Landwirt.

Wärmster April seit Wetteraufzeichnung

Es folgte der wärmste April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und die Natur explodierte. In kürzester Zeit wurde die Entwicklungsverzögerung wieder aufgeholt.
Auch der Mai war sehr warm und die Pflanzen entwickelten sich rasant. „So konnten wir ungefähr zwei Wochen früher mit der Ernte beginnen als in den meisten anderen Jahren. Während der Erntearbeiten gab es keine regenbedingten Zwangspausen, so dass wir nun ungefähr vier Wochen früher mit der Getreideernte durch sind als in den letzten Jahren“, so Dirk Kalthaus.

Einbußen durch die Trockenheit

Was für den Verlauf der Erntearbeiten ideal gewesen sei, habe jedoch auf der anderen Seite trockenheitsbedingte Ertragseinbußen mit sich gebracht. Der wenige Regen in den letzten Monate und die hohen Temperaturen hätten dazu geführt, dass die Pflanzen geschädigt worden seien, sagt der Landwirtevorsitzende. Die Ertragseinbußen seien jedoch sehr unterschiedlich ausgefallen. „Die wenigen – aber wichtigen – Regenschauer gingen lokal sehr begrenzt nieder und die Bodenqualitäten spielen eine extrem große Rolle“, so Kalthaus.

Probleme für trockene Böden

Besonders problematisch sei die Situation auf Böden, die Wasser nicht lange speichern könnten. Auch die Südhänge seien deutlich stärker betroffen. „Alle Kulturen, die jetzt noch auf den Feldern stehen, brauchen unbedingt Wasser“, sagt Kalthaus. Kartoffeln, Mais, Gemüse, für alle Früchte sei Regen unbedingt notwendig.

Problem: Tierfutter

Besonders hart treffe es die Landwirtsfamilien, die Futter für ihre Tiere benötigten. Auf dem Grünland wachse nichts mehr und auch der Mais als Winterfutterpflanze vertrockne. „Das ist für unsere Region, die stark von der Rinderhaltung lebt, ein besonderes Problem“, sagt der Milchkuhhalter Kalthaus und führt weiter aus: „Und doch müssen wir hier noch annähernd zufrieden sein, denn es gibt Regionen in Deutschland, die noch viel härter betroffen sind.“

Extrem unterschiedlich sei die Betroffenheit in Deutschland, und selbst im Ennepe-Ruhr-Kreis und Hagen gebe es große Unterschiede. Zweifelsfrei würden alle Gegenden unter der Trockenheit leiden; in einigen Gebieten habe sich die Trockenheit aber schon zu einer Dürrekatastrophe entwickelt.