Max-Reger-Musikschule Hagen im Jubeljahr

Hagen. (san) 50 Jahre Max-Reger-Musikschule – dieser runde Geburtstag ist vor allem auch den Menschen zu verdanken, die stets die Zeichen der Zeit erkannten und sie zu nutzen wussten. Einer von ihnen war der erste Leiter der städtischen Einrichtung, Fritz Emonts.

Martin Rösner, Fachbereichsleiter Rock/Pop/Jazz, zieht eine zufriedenstellende Bilanz der letzten Jahrzehnte an der Max-Reger-Musikschule. (Foto: Schievelbusch)

1986 war es, als er den damaligen Klavierlehrer Heinz Manuel Krause (heute ein fester Begriff für Musikgrößen in Hagen), damit beauftragte, einen eigenen Fachbereich für Rock, Pop und Jazz aufzubauen. Rechtzeitig hatte Emonts erkannt, dass das Interesse groß ist. Gleich hinter der Orchesterarbeit ist diese Abteilung, die Gitarre und Bass, Keyboard und Schlagzeug lehrt, bis heute die größte des Hauses.

Strömungen beeinflussen

Gab es zunächst, bedingt durch die in den 80ern aktuelle Musik, eine stets wachsende Nachfrage nach Keyboardunterricht, hat sich das Gewicht bis heute wieder mehr in Richtung Gitarre verlagert. Im Gegensatz zu den klassischen Sparten des Instrumentalunterrichts ist der rund zehn Dozenten starke Fachbereich Rock/Pop immer von den angesagten Musik-Strömungen beeinflusst. Zwar wollen beispielsweise manche Violin-Schüler öfter auch “Modernes“ spielen – David Garrett macht’s vor. Aber grundsätzlich lernen die Schüler dort mit einer recht konstanten Literatur.

Und in Zeiten von Youtube und Facebook heißt es, sich wieder auf neue Bedürfnisse einzustellen. „Viele jugendliche Musiker treffen sich mittlerweile schon gar nicht mehr zur Bandprobe, selbst der musikalische Austausch findet übers Internet statt“, weiß der heutige Leiter des Fachbereichs Martin Rösner. „Deshalb müssen auch wir mit der Zeit gehen und uns der modernen Medien im Unterricht bedienen,“ so der Fachmann für Klavier, E-Piano und Keyboard. Dass die heutigen Schüler allein schon durch Ganztagsunterricht und wachsende Leistungsanforderungen nicht mehr so viel Freizeit haben wie noch vor Jahren, ist für die Nachmittagsdozenten an der Max-Reger-Schule schon rein organisatorisch eine Herausforderung. Umgehen können müssen sie dann noch mit der mitunter quälenden Erkenntnis der Schüler, dass zum Erlernen eines Instrumentes immer auch Anstrengung nötig ist. Auch dann, wenn man deren Trends und Wünsche mit einbezieht. Denn Qualität soll keineswegs aufgegeben, nicht jede populäre Idee aufgegriffen werden.

Zulauf beständig

Es sind durchaus aber auch die beliebten Castingshows wie “DSDS“ oder “Dein Song“, die Musikinteressierte wieder den Weg in die Musikschule finden lassen. „Ich habe zum Beispiel eine Klavierschülerin, die schon viele Lieder selbst geschrieben und komponiert hat, zudem über eine schöne Stimme verfügt. Einige Auftritte hatte sie schon und ich versuche gern, ihre Arbeit noch zu verfeinern,“ freut sich Martin Rösner über das Engagement der 13-Jährigen. Aber nicht nur Kinder und Jugendliche lassen sich für ein Instrument ausbilden. Da gibt es auch die 60-Jährigen, die noch einmal mit dem Schlagzeug etwas ganz Neues wagen wollen, oder diejenigen, die des Berufs wegen die Gitarre in die Ecke gestellt haben und nun für die Rentnerband wieder fit werden wollen. „Die Älteren haben meist ganz klare Vorstellungen von dem, was ihnen beigebracht werden soll,“ so Rösner.

Trotz des sich stark geänderten Schülerprofils und den immer schnelllebigeren gesellschaftlichen Trends ist der einst groß ausgebaute Fachbereich Rock/Pop/Jazz der Musikschule über die Jahrzehnte bis heute gut ausgelastet. Ein großzügiges Raumangebot in der Dödterstraße, ein vielfältiges Instrumentarium (E-Pianos und E-Drums ergänzen die klassischen Instrumente) sind das eine, aber letztlich sieht Fachbereichsleiter Rösner die Beliebtheit in der Qualität der Lehre: „Musikschule ist eben auch Schule. Wir vermitteln Wissen über das Laienhafte á la Youtube-Filmchen hinaus und freuen uns, wenn die Schüler ihr Instrument tatsächlich beherrschen.“

Damokles-Schwert

Was Martin Rösner jedoch sicherlich – auch stellvertretend für Kollegen – alles andere als ein Geburtstagsgeschenk zum 50-jährigen Bestehen der Musikschule empfindet, ist das schwebende Damokles-Schwert über der Einrichtung: „Wir arbeiten gerne, wenn wir merken, dass unsere Arbeit gewollt ist. Doch wenn wir Ideen und Konzepte präsentieren, stellen die anderen erst die Frage nach den Kosten, und dann schaut man eventuell auf die Inhalte.“ Somit ist der Ausblick ins nächste Musikschul-Jahrzehnt nicht gerade von Euphorie begleitet.

Wer nähere Informationen zum Unterricht in den Fächern Gitarre, Keyboard/Piano und Schlagzeug haben oder sich gar anmelden möchte, kann das unter Telefon 02331 / 207-4928 oder per Mail: Martin.Roesner@stadt-hagen.de.