Maximale Andeutung – SonnTalk von Claudia Eckhoff

In Weihnachtskarten spiegelt sich der Geist der Zeit. Es sieht da nicht
rosig aus fürs Christkind. Wenn sie nicht direkt aus einer christlichen
Buchhandlung oder einem Klosterladen stammen, lassen die Karten meist genau das
vermissen, worum es bei Weihnachten doch geht.

Hirten, Schafe, ein gestirnter Himmel über dem offenen Feld, Engel, der
Stall oder die Höhle, Esel, Ochse, Josef, Maria und vor allem das Kind werden
langsam Raritäten.

Wer seine Karten sammelt und als schmuckvolle Girlande aufhängt, sieht es
ganz deutlich: Weihnachtsmänner in amerikanischer Art werden gern verschickt.
Auch nostalgische Laternen im milden Lichtkranz und Dekoratives aus Blumigem
oder Apfel, Nuss, Mandelkern bringt der Postbote oft. Ver­schneites in
diversen Ausführungen – das alles schmückt die Karten reihenweise.

Engel kommen tatsächlich mal vor, aber nur, solange sie niedlich,
kindlich oder witzig erscheinen. Da ist keiner dabei, der ein ordentliches,
überzeugendes „Fürchtet Euch nicht!“ hervorbringen könnte.

Rentiere mit roter Nase, vom Schlitten purzelnde Geschenkeberge, Hunde
mit Weihnachtsmann-Mütze, romantische, winterliche Dorfszenen grüßen. Auch
Tannenbäumchen so oder so oder noch mal anders sind ein Thema.

Simple Sterne oder vielleicht sogar ein geschweifter Komet scheinen
wirklich die maximale Andeutung in Richtung Bethlehem zu sein. Da hat sich der
Absender aber schon recht weit aus dem christlichen Fenster gelehnt.

Unter den über zwanzig Karten, die daheim im vorigen Jahr ins Haus
flatterten, waren die allermeisten schmucke Grüße voll guter und auch herzlicher
Wünsche – aber ohne sonderliche Kunde der Weihnacht. Deshalb jetzt erst recht:
Allen Lesern und Leserinnen einen frohen dritten Advent.