Mehr als nur ein Haus

Hagen. (san) Feierlich ­weihte die Evangelische Kirche in Haspe am vergangenen Wochenende ihr neues Gemeindezentrum an der Frankstraße ein. Und die Hasper kamen trotz schweißtreibender Temperaturen in Scharen, um zu bestaunen, zu beglückwünschen und sich einfach zu ­freuen.
Das in gut eineinhalb Jahren kernsanierte und erweiterte Gemeindehaus aus den 1960er Jahren könnte profan als ­schicker Neubau mit den Anforderungen an heutiges Dämmen daherkommen, die absolut wichtige Barrierefreiheit nicht zu vergessen – und doch ist es so viel mehr als das.

Dach für Gemeinschaft

„Häuser bringen keinen Glauben hervor, aber Glaube braucht Gemeinschaft“, sagte Pfarrer Stephan Buse im Festgottesdienst im Hinblick auf das neue Haus, unter dessen Dach nun noch mehr Menschen in Aktion gebracht werden sollen. „Wir haben nicht einfach nur modernisiert, dieses Bauvorhaben sind wir in erster Linie perspektivisch angegangen“, erläutert Pfarrer Jürgen Schäfer. Die Kosten von 1,3 Millionen Euro – 300.000 Euro steuerte die Stiftung Wohlfahrtspflege bei – waren ein dicker Brocken für Hagens größte evangelische Gemeinde. Der weitere Hasper Gemeindebesitz, ­beispielsweise die Gemeindehäuser in Kückelhausen oder Westerbauer, hat da das Nachsehen. „Aber wer weiß, wo die Entwicklung der nächsten Jahrzehnte hingeht, da ist die Konzentration auf ein Zentrum die beste Lösung,“ so ist man sich im Presbyterium einig. Zwar sinkt die Zahl der zur Zeit rund 10.000 evangelischen Mitglieder in Haspe nicht durch Kirchenaustritte. Es gibt allerdings mehr Beerdigungen als Taufen. Einige Menschen ziehen des Berufes wegen fort. Und da bei den anstehenden Pfarrerpensionierungen keine Neuanstellungen mehr geplant sind, ist eine zentrale Wirkungsstätte für die verbleibenden Mitarbeiter das sinnvollste.
Durch die sehr gute Busanbindung sind die Gemeindemitglieder immer schnell an der Frankstraße. Der Aufzug im neuen Gebäude lässt nun viel mehr Menschen an Veranstaltungen teilhaben. Wie die evangelischen Bürger hinter ihrer Einrichtung stehen, zeigt übrigens schon die Tatsache, dass der rund 30.000 Euro teure Aufzug allein durch Spenden finanziert werden konnte.

Am Puls der Zeit

„Wir sind nicht nur bei den Räumlichkeiten moderner geworden. Wir werden auch unsere Inhalte derart erweitern, dass wir am Puls der Zeit bleiben,“ betont Pfarrer Jürgen Scheer. Denn die Angebote der Gemeinde sind bei vielen Hasper Bürgern fester Lebensbestandteil geworden. Geburtstagsfeiern der Senioren, Kaffeenachmittage für alle, die Anschluss suchen, Chorsänger und Musikgruppen, die jetzt durch neueste Technik und t­olle Akustik unterstützt werden, aber auch Fitnessgruppen oder Treffen der Krabbelkinder – immer kommen verschiedenste Menschen zusammen, die das Verbindende suchen.
Auch die Ökumene wird in Haspe groß geschrieben. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der zirka 8.400 Mitglieder starken katholischen St. Bonifatius-Gemeinde war zuletzt an der Flüchtlingsarbeit abzulesen. Aber auch für Muslime und Konfessionslose ist die Gemeinde eine wichtige Anlaufstelle im Stadtteil.

Pfarrer als Manager

Ohne seine seelsorgerische Tätigkeit ruhen zu lassen, hat Pfarrer Heinrich Baumann das Bauvorhaben von der Planung bis zur Fertigstellung begleitet, war Ansprechpartner für ­Architekt und Bauleitung und hat dadurch ermöglicht, dass der Gemeindealltag weiterging.Nun geht die Kirchengemeinde Haspe nicht einfach nur weiter, sondern ist im ­Aufbruch.