Mehr Raum für den Fluss: Ruhr wird „entfesselt“

Nahmen den offiziellen Spatenstich vor: (v.li.) Otmar Krüger (Gelsenwasser), Bürgermeister Frank Hasenberg, Stefan Rommelsfanger (Stadtbaurat der Stadt Witten) und Bernd Müller von der Bezirksregierung. (Foto: Stadt Wetter)

Wetter. „Was wir heute feiern, ist ein Blick in die Zukunft. Denn mit dem ersten Spatenstich starten wir in ein Projekt, dass der Ruhr und damit der Natur hier in Wengern ein neues, frisches Bild gibt.“ Diesen ersten offiziellen Spatenstich beging Wetters Bürgermeister Frank Hasenberg am vergangenen Donnerstag, 12. Juli, gemeinsam mit Stefan Rommelsfanger, Stadtbaurat der Stadt Witten, Bernd Müller von der Bezirksregierung in Arnsberg und Otmar Krüger (Gelsenwasser).

Verbaut

Begradigt, verbaut, ökologisch defizitär – wie bei vielen Flüssen in Industrieregionen ist auch bei der Ruhr in Witten und Wetter von der einstigen natürlichen Flusslandschaft wenig zu sehen. Auf einer Länge von 3,7 Kilometern wird nun der erste Abschnitt der Ruhr wieder natürlich gestaltet. Dafür wurde der Fluss am Donnerstag symbolisch „entfesselt.“
Konkret hieß das: Ein Bagger riss ein Stück der künstlichen Uferbefestigung ein. Ein Bild, das für die Arbeiten der nächsten Monate steht. Denn was hier eingerissen wird, korrigiert einen Fehler der Vergangenheit: die Begradigung der Ruhr. Die hatte für den Fluss viele negative Folgen, zerstörte sie doch Lebensräume von Fischen und Pflanzen und führte durch die Vernichtung von Auenlandschaften nicht selten zu Überschwemmungen ufernaher Wohnbereiche bei Hochwasser.

Lebensraum fehlt

Der Wittener Landschaftsplaner Michael Sell, der die Maßnahme ökologisch begleitet, erklärt, dass es in diesem Bereich kaum passenden Lebensraum und Schotterbänke gebe, daher würden hier viele Fischarten fehlen. „Nur ein paar Aale finden hier noch eine Garage.“

Entfesseln

Mit der umfangreichen Renaturierung auf einer Länge von 3,7 Kilometern wird die Bezirksregierung die Ruhr im Abschnitt zwischen Wetter und Witten nun innerhalb ihres Flussbettes wieder entfesseln, künstlich geschaffene Uferbefestungen aus der Vergangenheit zurückbauen und den Fluss wieder an seine alten Auen anbinden.

„Dadurch kann die Ruhr hier wieder natürlicher mäandern und sich innerhalb ihres Flussbettes ihre eigenen Wege suchen. Es entstehen kleine Sandbänke und Inseln, die Lebensräume für Insekten, Vögel und Pflanzen sind“, so Bernd Müller, Abteilungsdirektor für Umwelt-Belange bei der Bezirksregierung in Arnsberg.

Mit diesem Projekt, bei dem insgesamt 46.700 Kubikmeter Boden bewegt werden, wird die europäische Wasserrahmenrichtlinie im Regierungsbezirk umgesetzt.
Der jetzige 1. Bauabschnitt umfasst in Bommern rund 48 Hektar, in Wengern rund 13 Hektar und soll – eine gute Witterung im Sommer und Herbst vorausgesetzt – zum Jahreswechsel weitgehend abgeschlossen sein.

Radler und Fußgänger profitieren

Von der Renaturierung profitieren auch die Fußgänger und Radfahrer, die dann einen direkteren und unmittelbareren Blick auf den schönen Wasserlauf der Ruhr haben. Dafür sorgen auch zwei Aussichtshügel, die im Zuge der Arbeiten hier dauerhaft entstehen werden und neue Wege zum Gewässer. Der Ruhrtalradweg bleibt während der Bauarbeiten weitgehend befahrbar.