Meist schwarz

Nicht einmal vier Monate sind vergangen, seit sich in Koblenz die „Vorturner“ und „Frontfrauen“ zahlreicher rechtsgestrickter Parteien trafen.
Unter ihnen waren britische Brexit-Befürworter, der Niederländer Geert Wilders, der Italiener Matteo Salvini (er fordert die Abspaltung des italienischen Nordens) und die Französin Marine Le Pen sowie der nordrhein-westfälische AfD-Anführer und Europaabgeordnete Marcus Pretzell und die Hagener AfD-Ratsfrau Lisa Kristin Radke.
Radke empfand es damals nach eigener Aussage als „Ehre, gemeinsam mit solch prominenten Polit-Größen auf einer Bühne stehen“ zu dürfen. Eine Fahne Europas hatte man nicht im Gepäck, stattdessen aber wurde der Eindruck vermittelt, hier seien die Führer eines nationalistischen Europas in seltener Eintracht vereint. Gemeinsam jubelten Radke und Co. damals, 2017 werde zum Jahr der Patrioten und es läute das Ende der EU ein.
Na ja, seitdem wird Lisa Radke wohl seltener „braun“ und eher „trauerschwarz“ getragen haben. Schließlich konnten sich ihre Träume bislang wenig bis gar nicht erfüllen. Zwar scheinen Putin und Russland viel unternommen zu haben, den Rechtspopulisten mit Hacker-Angriffen, Fake News und anderen Sperenzchen unter die Arme zu greifen.
Aber bislang – außer in den USA (Trump) – war das alles wenig erfolgreich.
In den Niederlanden landete Geert Wilders tief unten, der Brexit wird für die Engländer wahrscheinlich zum Desaster, Italien ist immer noch nicht pleite, in Frankreich hat’s für Marine Le Pen am Sonntag bei weitem nicht gelangt und in Schleswig-Holstein hätte die AfD beinahe die Fünf-Prozent-Hürde gerissen. Jetzt dürfen Radke und die Ihrigen gespannt sein, was ihnen die NRW-Wahl bringt. Neun Prozent? Oder weniger?
Noch vor wenigen Monaten konnten sie von einem zweistelligen Ergebnis träumen. Ihr Problem: Es kommen immer weniger Flüchtlinge. Aber genau die brauchen sie, um Ängste schüren zu können.
Außerdem muss man längst mehr Angst vor Rechtsradikalen und Reichsbürgern haben, als den meisten Deutschen auf Dauer genehm ist. Die AfD wiederum hat hier ein Abgrenzungsproblem – was sich zum Beispiel auch im Umgang mit Rechtsausleger Björn „Bernd“ Höcke zeigt. Zumindest die Schleswig-Holsteiner haben dies der AfD verübelt, das zeigen die Umfragen.
Am Sonntagabend spätestens um 20 Uhr wissen wir in NRW mehr. Und dann wissen wir auch, ob Lisa Radke wieder „trauerschwarz“ tragen muss.
Tilo