Meisterwerk des Monats startet mit "Rohlfs"

Hagen. (ME/BS) Christian Rohlfs: In Hagen sind eine Straße und ein Gymnasium nach dem berühmten Maler benannt. Überdies besitzt die Volmestadt die weltgröße Sammlung von Werken des Malers. Kein Wunder also, dass jetzt eine neue Reihe mit einem Rohlfs-Bild gestartet wird.

Rohlfs-Expertin Birgit Schulte ist froh: Ein Privatsammler aus dem südwestfälischen Raum schenkte dem Osthaus-Museum das Ölgemälde Friedhof in Weimar“ und füllte dadurch eine Lücke. Mit diesem Gemälde wird jetzt auch eine neue Reihe gestartet. (Foto: Michael Eckhoff)

Unter dem Titel „Meisterwerk des Monats“ wird künftig jeweils an einem Sonntagnachmittag, erstmals am 15. Januar 2012, 14.30 Uhr, dem Publikum im Rahmen einer einstündigen Veranstaltung ein ausgewähltes Werk aus der Sammlung des Karl-Ernst-Osthaus-Museums (KEOM) präsentiert.

Vorgestellt werden auch Arbeiten aus dem Magazin, die seit Wiedereröffnung des Museums im Jahr 2008 noch keinen Platz in der Dauerausstellung fanden und dem öffentlichen Blick seither verborgen blieben. Die Arbeiten auf Papier, Gemälde und Skulpturen werden kunsthistorisch eingeordnet, und ihre Geschichte wird vor dem Hintergrund der Entwicklung des ehemaligen Folkwang-Museums Hagen hinterfragt.

„Friedhof in Weimar“

Eingeleitet wird die Reihe im Januar 2012 durch das Gemälde „Friedhof in Weimar“, das 2011 durch eine Schenkung aus Privatbesitz in den Bestand des Osthaus-Museums gelangte. Dieser Zugewinn ist ein Glückfall für das Museum, das sich rühmen kann, mit rund 700 Werken, darunter 30 Gemälden, die weltweit größte Sammlung von Werken des 1849 in Schleswig-Holstein geborenen und 1938 in Hagen verstorbenen Künstlers zu besitzen.

Die Reihe wird übrigens am 19. Februar, 14.30 Uhr mit einem Werk von Otto Dix – „Im Café“ – aus dem Jahr 1922 fortgeführt. Eine Anmeldung ist nicht notwendig, zusätzlich zum regulären Eintritt werden 5 Euro Führungsentgelt erhoben.

Lücke gefüllt

Christian Rohlfs (1849-1938) gehört in Deutschland zu den gefragtesten Malern aus der Zeit des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts in Deutschland. Berühmt wurde er vor allem mit seinen in Weimar entstandenen Natur-Bildern“ sowie mit den wunderschönen Blumen-Bildern seines Spätwerks.

Obwohl, wie erwähnt, das Osthaus-Museum über reinen großen Bestand an Rohlfs-Bildern verfügt, gibt es immer noch Lücken. Eine solche Lücke konnte kurz vor Weihnachten geschlossen werden. Ein Privatsammler aus dem südwestfälischen Raum schenkte dem Museum das Ölgemälde Friedhof in Weimar“, entstanden ist es 1909. Das Bild hat einen Wert von 70.000 Euro.

Die Phase der Jahre um 1909/10 war bisher nicht vertreten. In dieser Zeit schuf Rohlfs unter dem Eindruck der Bilder von Vincent van Gogh, die Karl Ernst Osthaus für seine Hagener Folkwang-Sammlung angekauft hatte, eine Reihe von Waldlandschaften mit Bäumen in glühenden, mit heftigem“ Pinselstrich aufgetragenen Farben. Zu dieser Serie zählt auch das geschenkte Gemälde.

Neues Archiv

Doch das ist nicht die einzige positive Nachricht, die das KEOM in diesen Wochen zum Thema „Rohlfs“ zu vermelden hat. Um der Verantwortung für das Werk von Christian Rohlfs gerecht werden zu können, wurde im Mai 2011 das „Christian-Rohlfs-Archiv“ gegründet, das an das Osthaus-Museum angegliedert ist. Aufgrund der historischen Bedeutung, die Christian Rohlfs für das Museum wie für die Stadt Hagen hat, in der im Jahr 1930 immerhin ein Christian-Rohlfs-Museum“ gegründet wurde, erachtet das KEOM die mit dem Werk von Rohlfs zusammenhängende Arbeit als wissenschaftliche Verpflichtung und eine seiner genuinen Aufgaben.

Im Vordergrund soll die wissenschaftliche Arbeit für den Künstler stehen. 400 der Werke in der Rohlfs-Sammlung des Karl-Ernst-Osthaus-Museums stammen aus Schenkungen von Prof. Dr. Paul Vogt aus Essen. Prof. Vogt, ehemaliger Vorstand der Kulturstiftung Ruhr und ehemaliger Direktor des Museums Folkwang in Essen, zudem Neffe des Künstlers, war der Verwalter des Nachlasses von Christian Rohlfs. Prof. Vogt hat im Sommer 2010 die Kompetenzen in Bezug auf das Werk von Christian Rohlfs an Dr. Birgit Schulte im Osthaus-Museum übergeben.

In Fortführung der Gutachter-Tätigkeit von Prof. Dr. Paul Vogt wurde ein Gremium gebildet, dem folgende Mitglieder angehören: Dr. Tayfun Belgin, Wilfried Utermann sowie Dr. Birgit Schulte. Das Rohlfs-Gremium erstellt Begutachtungen (Expertisen) zum Werk von Christian Rohlfs.

Fasziniert von Afrika

Eine aktuelle Präsentation im KEOM begleitet auch die neue Ausstellung des Emil-Schumacher-Museums. Bezugnehmend auf das Thema Schumacher – Afrika – Die Bilder Schumachers im Dialog mit Monumental-Skulpturen aus dem Niger-Delta“ präsentiert das Osthaus-Museum 16 Arbeiten auf Papier aus seiner umfangreichen Sammlung expressionistischer Grafik.

Die Künstler des Expressionismus waren fasziniert von der ausdrucksstarken Gestaltung ozeanischer und afrikanischer Figuren und Masken. So wurden die Künstler der Brücke“ um 1911 im Berliner Museum für Völkerkunde auf die Formen afrikanischer Masken und Skulpturen aufmerksam. In Motiven wie Kongomaske und Schale“ (Schmidt-Rottluff) fanden die bewunderten Objekte Eingang in die Bilder.

Für die Künstler galten sie als Verkörperungen mystischer Symbole exotischer Kulturen und entsprachen ihren Vorstellungen nach einer „neuen Natürlichkeit“, die sich sowohl in den Motiven als auch in der stilistischen Ausprägung ihrer Werke niederschlug. In ihrer herben, ausdrucksgeladenen Auffassung treffen sich die Blätter der Expressionisten mit den Bildern des abstrakten Expressionisten Emil Schumacher und die Monumentalskulpturen aus dem Niger-Delta, die derzeit im Emil-Schumacher-Museum einander gegenübergestellt werden.