Menschenleer

Der Mann für das „große Geld“ im Hagener Rathaus ist Christoph Gerbersmann. Als Stadtkämmerer wacht er aber nicht allein über die Einnahmen, vielmehr gehört es auch zu seinem Job, den Haushaltsplan fürs folgende Jahr aufzustellen. Das ist wahrlich eine komplexe Arbeit, kann man doch nie hundertprozentig wissen, was die kommenden Monate mit sich bringen. Steigen zum Beispiel die Gewerbesteuereinnahmen? Oder sinken sie? Was überweist der Bund? Was kommt vom Land?

Bei den Gewerbesteuern läuft‘s derzeit ganz gut – die sprudeln sogar in Hagen in Anbetracht der guten wirtschaftlichen Lage Deutschlands zufriedenstellend. Zum Glück, möchte man anfügen. Denn auch auf der Ausgabenseite muss in den nächsten Jahren mehr Geld fließen als gedacht – etwa für höhere Beamten-Gehälter.
Doch ein Kämmerer muss nicht nur mit Riesensummen kalkulieren, sondern ebenso den „Kleckerkram“ im Auge behalten, etwa die Knöllchen-Einnahmen oder die Mieteinnahmen durch Außengastronomie. Motto: Auch Kleinvieh macht reichlich Mist.
Grundsätzlich steckt in einem Haushaltsplan immer die Erwartung drin, dass durch diese „kleinen Beträge“ jährlich ein paar Millionen zusammenkommen. Kommt zu wenig, hat der Kämmerer ein Problem. Und deswegen müssen Politessen und ähnliche Ordnungshüter oft auch gnadenloser abkassieren, als es den Bürgern meist lieb sein kann. Wie aktuell in Wehringhausen. Hier ist der Parkraum arg begrenzt. Gleichzeitig ist die Zahl der Autos im Laufe der vergangenen Jahre weiter gestiegen. Das sind ideale Vor­aussetzungen für Politessen, gut Kasse zu machen. Denn um überhaupt noch die Autos unterbringen zu können, werden überall unentwegt die Bürgersteige genutzt – was aber an den meisten Stellen nicht erlaubt ist. Und was in Deutschland nicht erlaubt ist, das ist bekanntlich verboten – was wiederum die Konten des Kämmerers „jubeln“ lässt.
Lisa und Chris – ein junges Akademiker-Paar, das von „jwd“ stammt, aber im benachbarten Ruhrpott arbeitet – war vor wenigen Monaten nach Wehringhausen gezogen, der „netten Athmosphäre wegen“. Doch das Paar hat jetzt die Nase voll. Nachdem die beiden und ihre Gäste innerhalb weniger Wochen hunderte Euro für Knöllchen löhnen mussten, haben sie nun ihre schmucke Genossenschaftswohnung gekündigt – sie ziehen in Kürze auf die andere Seite des Potts.
Wenn dies Schule macht, ist Wehringhausen bald leergefegt. Aber wenigstens für die wenigen Verbliebenen wird es dann genug Parkplätze geben. Und die Politessen? Ach, die werden garantiert neue „Ab­kassier­orte“ finden. Solange, bis hier keiner mehr wohnt. Na, dann brauchen wir auch keinen Haushaltsplan mehr. Schöne Aussichten.Tilo