Mit Bohnenkönig, aber noch ohne Narrenzug

Hagen. (ME) Was stand bei den Hagenern vor 100 Jahren – also am Vorabend des Ersten Weltkriegs – im Mittelpunkt? Wir setzen unsere Serie „Hagen – 1914“ mit einem Blick in den Februar fort.

Autor dieses Beitrags ist abermals Prof. Dr. Gerhard E. Sollbach. Er schreibt:

Seinen Höhepunkt erlebte das Karnevalstreiben im Februar 1914 auch in Hagen am Rosenmontag. (Abbildung: Anzeige in der „Hagener Zeitung“ vom 18.2.1914)
Seinen Höhepunkt erlebte das Karnevalstreiben im Februar 1914 auch in Hagen am Rosenmontag. (Abbildung: Anzeige in der „Hagener Zeitung“ vom 18.2.1914)

Noch kein Rosenmontagzug

Anfang Februar 1914 erfreute man sich in Hagen einer für die Jahreszeit ausgesprochen milden Witterung. Zwar waren die Nächte kühl, doch sank das Thermometer nachts bestenfalls auf 0°C, wie das „Westfälische Tageblatt – General-Anzeiger für Hagen und Umgegend“ in seiner Ausgabe vom 4. Februar 1914 berichtete. Das milde Wetter hielt fast den gesamten Februar über an.

Doch noch ein anderes Geschehen sorgte in diesem Monat – wie jedes Jahr – bei den Hagenern (mit Ausnahme sicherlich der Kinder, die das winterliche Vergnügen des Schlittenfahrens vermissten) für Freude und Frohsinn. Das waren die zahlreichen im Laufe des Monats von den verschiedensten Veranstaltern organisierten Karnevalsfeiern. Zwar gab es in Hagen damals noch keinen Rosenmontagszug, doch existierte hier unter anderem eine „Große Hagener Karnevalsgesellschaft“. Sie veranstaltete am Rosenmontag, der 1914 auf den 23. Februar fiel, in sämtlichen Räumen der Gaststätte „Reichshof“ in der Frankfurter Straße einen „Großen Preis-Maskenball“.

Doch mit einer Karnevalsveranstaltung begnügte sich diese Gesellschaft nicht. Bereits am Mittwoch, dem 4. Februar, führte sie im Hansa-Restaurant (früher „Weidenhof“) in der Böhmerstraße abends ab 9:11 Uhr ein „Großes Kostümfest“ durch, verbunden mit einem Bohnenball (auf dem ein Bohnenkönig und eine Bohnenkönigin ermittelt wurden). Damit war zugleich der Reigen der Hagener Karnevalsfeiern eröffnet. Aber auch dabei mischte die „Große Hagener Karnevalsgesellschaft“ wieder mit, denn selbst zwei karnevalistische Veranstaltungen genügten ihr offenbar nicht. Am Mittwoch, dem 11. Februar, richtete sie nämlich in demselben Hansa-Restaurant und wiederum ab abends 9:11 Uhr eine „Große Sitzung mit Damen“ aus. Dabei traten unter anderem, wie es in der Ankündigung heißt, „hervorragende Kölner Redner“ auf.

Jede Menge Vereinsfeiern

Obwohl Hagen damals nicht einmal 100.000 Einwohner zählte, gab es seinerzeit in der Stadt nicht nur die eine Große Karnevalsgesellschaft, sondern gleich mehrere. Zu den größeren gehörte z.B. die „Große Allgemeine Hagener Karneval-Gesellschaft“, die auch entsprechend anspruchsvolle karnevalistische Veranstaltungen organisierte. Von ihr wurde am Samstag, dem 14. Februar, abends ab 9 Uhr im „Bürgersaal“ in der Hochstraße eine „Große Gala-Prunksitzung“ (mit Damen) durchgeführt. Zu den Mitwirkenden gehörten sowohl Hagener als auch Kölner Büttenredner.

Ein weiterer Karnevalsverein war die „Große Karneval-Gesellschaft Nordpol“, die nach der Gaststätte „Nordpol“ in der Rembergstraße benannt war. Deren „Kleiner Rat“ lud in einer am 13. Februar in der „Hagener Zeitung“ veröffentlichten Anzeige zu einer Gala-Damensitzung am Sonntag, dem 15. Februar, abends ab 7:11 Uhr in den „Narren-Palast (die Gaststätte „Nordpol“) ein.

→ Alle bisher erschienenen Teile der Serie.