Mit dem Rad in ein neues Leben

Schwerte/Hagen. (fs) Für Oliver Trelenberg ist das Fahrrad nicht nur ein Fortbewegungsmittel, es ist ein wesentlicher Bestandteil seines Lebens geworden. Kaum ein Tag vergeht, an dem er sich nicht auf den Sattel schwingt und durch die Landschaft radelt – gern auch an der Ruhr entlang. Das befreit ihn, macht ihn gesünder und glücklicher. Vor einigen Jahren sah das alles noch anders aus.

Neben der Spur

In seiner Zeit als Jugendlicher in Schwerte lief es nicht gut für Oliver Trelenberg. Alkohol und Zigaretten, schlechte Verhaltensweisen und falsche Freunde prägten sein Leben. 1995 entschloss er sich, von all dem zu lösen und verließ seine Heimatstadt Schwerte, zog nach Hagen. Es folgten Therapien, um die Sucht nach Alkohol und Nikotin loszuwerden. Dazu kamen Depressionen, Rückenschmerzen, Schuppenflechte, Zwangshandlungen und -gedanken. „Alles muss gezählt und peinlichst genau sortiert werden.“, erinnert sich Oliver Trelenberg.

Neuer Blick aufs Leben

Wirklich geholfen hat ihm erst das Fahrrad fahren. Ein Freund hat ihn darauf gebracht. „Anfangs war ich skeptisch, hatte auch keinen Spaß daran“, erzählt der 48-jährige. Doch er gab nicht auf, probierte es wieder und wieder, bis es ihm langsam besser ging. Irgendwann konnte er dem Radfahren mehr abgewinnen. Oliver Trelenberg gewann den Blick für die Natur um ihn herum. Er genoss die sich langsam um ihn herum verändernde Landschaft, Kilometer für Kilometer, mit jedem mühsamen Tritt in die Pedalen. „Das hat mich befreit und mir ermöglicht gedanklich abzuschalten,“ weiß er heute. „Ich habe einen anderen Blick auf das Leben und alles um mich herum bekommen.“

Auf Tour

Über die Jahre machte er immer häufiger Touren durch das Ruhrgebiet, in das Münsterland und suchte sich auch Radfahrstrecken in anderen Regionen Deutschlands. Der Elberadweg ist bisher seine Lieblingsstrecke. Und am schönsten ist es natürlich, wenn ihn seine Lebensgefährtin begleitet. Meist an den Wochenenden oder im Urlaub. Das gibt ihm zusätzlich Halt und Motivation.

Rückschlag

Doch im letzten Jahr wurde Trelenberg wieder zurückgeworfen. Nachdem er mit Halsschmerzen zum Arzt gegangen war, wurde Kehlkopfkrebs diagnostiziert. Kehlkopfdeckel und Lymphknoten mussten entfernt werden. Das Schlucken musste er neu lernen, es stellt heute noch eine Konzentrationsarbeit für Oliver Trelenberg dar. Dann das immer präsente Bangen, ob wirklich alles in Ordnung ist. Alle sechs Wochen wieder muss er zur Nachuntersuchung. Es muss kontrolliert werden, ob nichts gestreut hat, sich kein neuer Krebs gebildet hat. Eine ungeheure Belastung. Zudem bekommt er schlechter Luft als früher, ein Stimmband ist gelähmt.

Projekt „Ü 4000“

Dennoch Oliver Trelenberg wieder ins Leben zurückgefunden. Er sitzt wieder auf dem Fahrrad, tourt durch die Welt. Langsam aber stetig, denn größere Anstrengungen schafft er nach der belastenden Erkrankung nicht. Mehrere Tage die Woche 40 bis 50 Kilometer. Das ist für ihn eine enorme Leistung. 2200 Kilometer waren es letzten Sommer. Für 2014 hat er sich noch mehr vorgenommen. Das Projekt „Ü 4000“.

Mehr als 4000 Kilometer will er auf dem Sattel hinter sich bringen. Um das zu dokumentieren, hat er eine eigene Internetseite entworfen. Dort zeigt er Fotos von seinen Touren und bedankt sich bei den Unternehmen, die ihn mit Sachspenden unterstützen. Ohne diese wäre es schwierig, das Geld für die Fahrradausrüstung mit seiner kleinen Rente aufzubringen.

Mut machen

Aber eines steht für Oliver Trelenberg dabei im Vordergrund: „Ich möchte anderen Menschen Mut machen, ihnen Gedankenanstöße geben. Man kann sich verändern. Es ist möglich, in ein anderes Leben zu finden und die Welt neu zu entdecken. Das konnte ich mir vor einigen Jahren selber nicht vorstellen. Doch ich habe es getan. Dabei es ist es egal, ob man Fahrrad fährt oder sich eine andere Form der Bewegung sucht. Das muss jeder für sich selber herausfinden.“