Mit Formel 1 zum 1. Pokal

Die „Freestyler“ bestehen derzeit aus 19 Kindern, darunter sind auch viele tanzbegeisterte Jungen. (Foto: privat)

Hagen. (ric) Stolz hält der zehnjährige Conrad Meise den goldenen Pokal in die Luft. Und stolz darf er auch sein: Schließlich hat er, gemeinsam mit 18 anderen Kindern, den dritten Platz bei der Landesqualifikation des Wettkampfes „Tuju-Stars“ vom wtj (Westfälische Turnerjugend) geholt. Für die „Freestyler“, so nennt sich die Gruppe der tanzbegeisterten Kinder, ist es der erste Pokal.

Seit 2006 trainiert Silja Meise die Sechs- bis Zwölfjährigen bei Fortuna Hagen. Davor war die engagierte Mutter als Fitnesstrainerin im Erwachsenenbereich des Sportvereins tätig. Auf die Idee, eine eigene Gruppe zu gründen, kam sie durch ihren Sohn. „Conrad war schon immer begeistert vom Tanzen, von Rhythmus und Musik“, erzählt sie. „Als ich mich aber nach Angeboten umgesehen habe, war nichts Passendes zu finden.“ Für die gängigen Hip-Hop und Breakdance-Gruppen war ihr Sohn schlichtweg zu jung. „Und auf Ballett und Co hatte er überhaupt keine Lust.“

Durch ihre Kontakte im Verein und im privaten Umfeld waren von Anfang an viele Kinder dabei. Heute machen 19 Tänzer mit. „Die Kinder sollen bei uns Spaß haben“, betont Silja Meise. „Jeder tanzt nach seinen Möglichkeiten. Ob ein Kind lieber in der ersten Reihe oder im Hintergrund bleibt, entscheidet das Kind.“

Lebendige Autorennen

Freiheiten haben die Kinder auch bei der Choreographie. Silja Meise gibt als Trainerin ein Thema vor, aber die Bewegungen entwickeln die Kinder. „Sie stehen ja auf der Bühne, also soll ihnen das Programm auch wirklich gefallen!“ Und genauso individuell wie die Tänzer selbst sind, sind auch ihre Shows. Bei den „Tuju-Stars“ traten sie unter dem Motto „Formel 1“ auf. Mit Reifen, Flaggen, Rallye-Streifen, Blaulicht und Sirenen brachten sie in einer spektakulären Show echtes Rennfieber auf die Bühne. Sogar ein Unfall war dabei. Die Kostüme, die natürlich auf das Thema abgestimmt sind, entwirft Silja Meise als gelernte Kostümbildnerin selbst.

Conrad Meise zeigt stolz den Pokal, den er mit seinen „Freestylern“ bei den „Tuju-Stars“ geholt hat. (Foto: ric)

Doch es ist mehr als „nur“ Tanz, den die „Freestyler“ bieten. Im „High Speed Musical“-Programm singen sie auch selbst. „Es ist eigentlich mehr ein sportlich-tänzerisches Musical“, bestätigt die Trainerin. Genauso bunt und vielfältig wie die Show ist auch die Musik, die die jungen Tänzer begleitet: Dabei sind aktuelle Hits wie „Higher“ von Kylie Minogue genauso im Programm wie Klassiker von Elvis und Queen.

Ohne Druck

Im Wettbewerb traten die Kinder gegen eine unbekannte Konkurrenz an – wohlwissend, dass dort auch amtierende Deutsche Meister auftreten. Und dennoch: Die Hagener setzten sich durch und wurden mit dem dritten Platz belohnt.

„Training bis zum Umfallen gibt es bei uns aber nicht“, sind sich Mutter und Sohn einig. Geübt wird jeden Freitag. Nur vor Auftritten und Wettkämpfen kommen noch samstags jeweils drei Stunden dazu. „Wir haben weder Druck noch Leistungszwang in unserer Gruppe“, sagt Silja Meise. „Wir kommen schließlich aus dem Breitensport. Jedes Kind kann teilnehmen und seine eigene Nische finden.“