Mit Herzblut und Mut beim Kinderschutzbund

Hagen. (AnS) Sie ist das Gesicht des Kinderschutzbundes: Christa Burghardt. Doch in wenigen Wochen wird sie ihr Büro räumen und in den wohlverdienten Ruhestand wechseln. Und darauf freut sich die (Noch-)Geschäftsführerin des Hagener Kinderschutzbundes schon.

Die ersten Aktenordner sind bereits durchforstet und aussortiert. „Mir bleibt in diesen Tagen kaum Zeit, aufzuräumen“, schmunzelt die sympathische Diplompädagogin, die bis zur allerletzten Sekunde mit Herzblut bei der Sache ist – in allen Bereichen. So kennen sie ihre Kollegen und die Hagener – und dies von Anfang an.

1983 bewarb sich Christa Burghardt auf eine befristete Teilzeitstelle beim Kinderschutzbund. „Ganz klassisch“, schmunzelt sie und doch ungewöhnlich. Denn halbe Stellen waren zu dieser Zeit noch rar und bezahlt wurde sie vom Arbeitsamt. Voller Tatendrang und mit reichlich Ideen fing sie an, baute Kindergruppen auf und durfte bleiben. „Wer hätte gedacht, dass daraus über 30 Jahre werden? Niemand. Ich am wenigsten.“

Gern erinnert sie sich an ihre erste Zeit beim Kinderschutzbund und besonders an die Begegnungen mit den Menschen. „Einige haben mich sehr beflügelt und geprägt“, weiß sie. Besonders die oft unkonventionellen Hilfen und Spenden vieler Menschen haben sie im Laufe der Zeit beeindruckt. „In diesen Sternstunden habe ich vor allen Dingen eines gelernt. Die Erkenntnis, dass man sagen muss, was man braucht, damit man es auch bekommt oder wenigstens etwas davon.“

Optimistisch sein – und bleiben

Ihre Lebenseinstellung „immer optimistisch zu sein“ hat ihr im Engagement um die Gerechtigkeit für Hagens Kinder stets geholfen. „Ich kämpfe schließlich für eine gerechte Sache!“ Besonders die finanziellen Probleme zehrten: „Aber wir haben es immer geschafft!“ Zum Beispiel damals, als es darum ging, größere Räume für die Kindergruppen, Hausaufgabenhilfe und Beratungstätigkeiten zu finden. In Eilpe wurde man fündig. „Das Fachwerkhaus in der Riegestraße war optimal, aber 400 Mark teurer als die alten vier Wände.“ Zuversichtlich versprach sie ihrem Arbeitgeber, die Differenz der Miete von ihrem Gehalt abziehen zu dürfen, falls der nötige Betrag fehle. „Es ist nie vorgekommen“, lacht sie.

Die finanzielle Unabhängigkeit aller sozialen Einrichtungen – das wäre ein Wunschtraum von Christa Burghardt. „Dann könnte man sich vielmehr um wichtigere Belange kümmern, statt ständig Projektförderungen beantragen zu müssen. Meine persönliche pädagogische Arbeit ist dadurch manches Mal zu kurz gekommen.“

Wunschtraum wird Wirklichkeit

Auch als sie von einem neuen und größeren „Haus für Kinder“ träumte, erklärten sie alle für schlichtweg verrückt. „Auf die Idee gebracht hat mich der Besuch eines älteren Herren. Er bat mich, eine Wunschliste zu schreiben.“

Daraus ist die Idee entstanden, ein Haus für Kinder zu bauen und eine Stiftung zu gründen. 2007 wurde nach einem Spendenmarathon der Neubau in der Potthofstraße mit der Hilfe unzähliger Hagener realisiert. Auch hier arbeitete sie unkonventionell und steckte sich – getreu ihrem Motto – hohe Ziele: „Ich wollte bestimmte Beträge zu einem bestimmten Zeitpunkt als Spenden gesammelt haben.“ Dass die engagierte Geschäftsführerin das schaffte, ist in der Potthofstraße im „Haus für Kinder“ zu bewundern. Und selbst das 500 Quadratmeter große Gebäude mit 15 Mitarbeitern, über 240 Ehrenamtlichen, unzähligen Projekten für Jung und Alt platzt schon wieder aus allen Nähten. Weitere Räume sind bereits angemietet.

„Kinder sind der Rhythmus dieser Welt“ – dieser Spruch ziert die Wand eines Besprechungsraumes: Eine Vorgabe, nach der sich der Kinderschutzbund Hagen gerne richtet. Demnächst ohne Christa Burghardt! Was ist der Kinderschutzbund ohne sie? Die Geschäftsführerin lacht bei dieser Frage: „Als Motor des Kinderschutzbundes konnte ich viel aufbauen und prägen, stets mit der Unterstützung vieler Menschen, denen ich unendlich dankbar bin. Das wird Bestand haben und die Grundlage dafür bilden, dass meine Nachfolgerin, Manuela Pischkale-Arnold, gemeinsam mit unserem überaus engagierten Team von Haupt- und Ehrenamtlichen alle bestehenden Aufgaben weiterentwickeln und neue Projekte angehen können. Das werden sie auch auf sehr gute Weise schaffen“, ist Christa Burghardt überzeugt. „Ich kann loslassen und gehe gerne. Schließlich möchte ich hier nicht als graue Eminenz enden, die den Zeitpunkt verpasst hat, aufzuhören.“

Zeit zum Faulenzen

Und was macht sie ohne ihre Arbeit? Auch da muss Christa Burghardt schmunzeln: „Ich freue mich riesig auf meinen Ruhestand. Endlich in Ruhe lesen können, im Garten arbeiten, Radtouren mit meinem Mann unternehmen, Freunde, Familie und vor allem mein Enkelkind Lina genießen zu können. Und einfach mal die Zeit haben, faul zu sein.“ Das mag man der engagierten Hagenerin kaum glauben. Aber noch sind es ja auch ein paar Tage und bis dahin läuft ihre Arbeit gewohnt weiter – eben wie man sie kennt – engagiert mit Herzblut bis zur letzten Sekunde. „Wenn ich noch Weichen stellen kann, dann tue ich das demnächst auf ehrenamtlicher Ebene. Nur wo das sein wird, das werde ich noch nicht verraten.“