Mit vier Pfoten auf „du und du“

Von Anja Schade

Die Bremer Stadtmusikanten mal anders: Die beiden Schnauzer „Holly“ und „Amy“ thronen zirkusreif auf den Rücken der Kindergartenkinder. Hund und Mensch haben beim Besuch der „Helfer auf vier Pfoten“ viel Spaß. (Foto: Anja Schade)
Die Bremer Stadtmusikanten mal anders: Die beiden Schnauzer „Holly“ und „Amy“ thronen zirkusreif auf den Rücken der Kindergartenkinder. Hund und Mensch haben beim Besuch der „Helfer auf vier Pfoten“ viel Spaß. (Foto: Anja Schade)

Wenn Frauchen die Leine nimmt, geht es raus. Aber sie will mich – ich bin der Boardercollie „Pippo“ – doch nicht etwa bei diesem fiesen Regenwetter vor die Tür jagen? Puh, sie nimmt den Autoschlüssel mit. Meine Spürnase ahnt etwas…

„Oh, sind die süß!“ – „Amy“, „Holly“ und „Pippo“ haben die Herzen der Kinder im Sturm erobert. Der Kinder Lieblinge – das sind die zwei Zwergschnauzerhündinnen von Manfred Hoeppner und der Boardercollie von Anne Ellinghaus – Herrchen, Frauchen wie auch die Vierbeiner sind Mitglieder des Programms „Helfer auf vier Pfoten“ aus Gevelsberg. Heute sind sie zu Besuch im evangelischen Kindergarten In der Welle in Hagen-Eilpe im „Wackelzahnclub“ bei den Vorschulkindern.

Oh, hier war ich schon mal. Hier riecht es immer so lecker. Da vorne ist die Küche. Hey, halt, stopp, Frauchen, warum musst du immer vorher abbiegen?

Wie fühlt sich ein Hund mit verbunden Augen an? Boardercollie „Pippo“ lässt sich von der fünfjährigen Mia in aller Seelenruhe berühren. Manfred Hoeppner und Anne Ellinghaus stehen helfend zur Seite. (Foto: Anja Schade)
Wie fühlt sich ein Hund mit verbunden Augen an? Boardercollie „Pippo“ lässt sich von der fünfjährigen Mia in aller Seelenruhe berühren. Manfred Hoeppner und Anne Ellinghaus stehen helfend zur Seite. (Foto: Anja Schade)

Verständnis für den Hund

Die Beziehung zwischen Mensch und Tier, das kann richtige Zuneigung und Freundschaft sein, aber es kann auch zu Konfliktsituationen kommen, die mitunter gefährlich sind. Genau das möchte die Gruppe, bestehend aus 25 Hunden und 20 Besitzern, vermeiden. Sie gehen deshalb in Schulen und Kindergärten und üben den sicheren Umgang mit den Tieren. „Allein 130 Termine hatten wir im letzten Jahr“, erzählt der lokale Koordinator Manfred Hoeppner, der 2006 das Team – übrigens deutschlandweit initiiert von einem renommierten Futtermittelhersteller – ins Leben rief.

Zurück zu den Kindergartenkindern: Diese haben schon vor dem Besuch von „Pippo“ und Co. fleißig mit ihren Erzieherinnen gelernt und einen Film zum Thema geschaut. Zwölf goldene Regeln gibt es, die zu wissen sind und die die Kommunikation zwischen Zwei- und Vierbeinern verbessern können. Und die Fünf-und Sechsjährigen melden sich eifrig, als Manfred Hoeppner sie spielerisch abfragt. Indes warten die Hunde geduldig auf ihren Einsatz. Alle sind ausgebildet und einem Verhaltenstest unterzogen worden. Hier darf keiner ob der Stresssituation aggressiv werden, knurren oder gar schnappen. Aber auch von Menschenseite gilt: Behandle den Hund so, wie du selbst behandelt werden möchtest.

Ach, guck mal, sind die putzig, die kleinen Menschen. Die sind immer so nett zu mir. Sie sagen mir guten Tag, halten mir ihre Händchen hin, damit ich sie beschnuppern kann und dann streicheln sie mir ganz vorsichtig über den Rücken. Das tut gut…

Erst fragen, dann streicheln

Endlich: Es geht los. „Pippo“ ist als erster dran. Erst fragen, dann streicheln: Felix beherzigt eine der Regeln: „Ein Hund kann noch so lieb aussehen, geh nur zu ihm, wenn sein Besitzer es erlaubt hat.“ Der Sechsjährige erklärt: „Schließlich habe ich auch einen Hund zu Hause.“ Und nachdem Besitzerin Anne Ellinghaus ihr Okay gegeben hat, hält er zunächst „Pippo“ seine Hand hin, bevor der Collie seine ersten Streicheleinheiten von ihm erhält.

Leckerchen aus der Hand nehmen? Das ist ja hundebabyeinfach. Aber dass die Kleinen immer ihre nasse Hand bei mir am Fell abputzen müssen…

Manfred Hoeppner sucht für die nächste Übung besonders mutige Vorschulkinder. Wer mag dem Hund Leckerchen geben? Der Hundeführer macht es vor: „Das Futter bitte immer auf die flache Hand legen, sonst sind schon mal die Fingerchen dazwischen.“ Danach dient das Fell als Handtuch: die feuchte Hand darf als Streicheleinheit abgeputzt werden.

Als es aber darum geht, die Leckerchen von den Hosenbeinen zu nehmen, ist den meisten der schwarz-weiße Vierbeiner doch zu groß. Jetzt sind die beiden deutlich kleineren Schnauzerhündinnen am Zug.

Warum kommt das kleine Mädchen dahinten in der Ecke nicht zu mir? Ich beiß doch nicht. Die muss ich mit meinem Knopfaugen mal nett anblinzeln. Na bitte, sie traut sich ja doch…

Angst nehmen

Selbst die Ängstlichen trauen sich zum Schluss: So wie Luca, der erst einmal aus der Ferne das Geschehen beobachtet hat und seinem Bruder den Vortritt ließ. Manfred Hoeppners Ziel ist: „Wir wollen die ängstliche Distanz zu einer freundschaftlichen Nähe umwandeln, die aber trotzdem Respekt beinhaltet.“

Warum die Menschen bei diesem Spiel eine Augenbinde tragen müssen, weiß ich nicht. Hi, Hi, ich bin doch so kitzelig an den Pfoten…

Die Kinder tauen auf und verlieren ihre Scheu. Wer fühlt mit verbundenen Augen, welches Tier und welches Körperteil er vor sich hat? Wer geht mit den Vierbeinern an der Leine spazieren?

Diese Übung kenne ich. Das macht Spaß. Ein Satz und ich springe über den Rücken wie ein Löwe durch den Feuerreifen Ich kann noch mehr. Durch einen Beintunnel laufen, Pfote geben, Rollen machen, von einem Löffel fressen Soll ich’s zeigen?

Vertrauen aufbauen

Zum Schluss ist bei allen Wackelzähnlern das Vertrauen vorhanden. Da dürfen die Hunde – ob groß oder klein – durch ihre Beine kriechen, auf den Rücken oder durch die Arme springen. Und Mensch und Tier haben sichtlich Spaß.

Wie, schon zu Ende? Na, dann werde ich mich mal wieder auf meine kuschelige Decke legen, sei denn, mein Frauchen kommt doch noch auf die Idee und will spazieren gehen. Na, obwohl so ein bisschen Bewegung kann nicht schaden und danach träume ich von den vielen Streicheleinheiten und Leckerchen Bis zum nächsten Mal!

Als es ans Verabschieden geht, streicheln noch einmal viele kleine Hände die drei Vierbeiner, die Leckerchen-Dose leert sich zusehends. Die Kinder können von den Tieren gar nicht genug bekommen. Lili ist so begeistert, das sie „Holly“ am liebsten gleich mit nach Hause nehmen würde. „Ich glaube,“ lacht eine Erzieherin,“ wir müssen nachher eine Taschenkontrolle durchführen.“

Mitstreiter gesucht

Sicher ist, dass die Kinder bei der nächsten Begegnung im Park oder auf der Straße den Vierbeinern Vertrauen entgegenbringen, aber auch mit dem nötigen Respekt ohne Angst begegnen. Kein Hund ist schließlich wie der andere. Ist das den Kindern bewusst, hätten die „Helfer auf vier Pfoten“ ihr Ziel erreicht.

Das Team sucht übrigens noch zwei- wie vierbeinige Mitstreiter, die im Raum Hagen ansässig sind. „Wir investieren viel Zeit in das Ehrenamt, aber es macht auch sehr viel Spaß,“ erklären Anne Ellinghaus und Manfred Hoeppner begeistert ihre Tätigkeit.

Sie freuen sich über Interessenten unter der Telefonnummer 02332 / 4680.

Haarige Gäste im Kindergarten: Drei Vierbeiner der Gruppe „Helfer auf vier Pfoten“ besuchten den Wackelzahnclub des Evangelischen Kindergartens In der Welle in Eilpe. Die Vorschulkinder hätten die Hunde am liebsten gar nicht mehr losgelassen. (Foto: Anja Schade)
Haarige Gäste im Kindergarten: Drei Vierbeiner der Gruppe „Helfer auf vier Pfoten“ besuchten den Wackelzahnclub des Evangelischen Kindergartens In der Welle in Eilpe. Die Vorschulkinder hätten die Hunde am liebsten gar nicht mehr losgelassen. (Foto: Anja Schade)