Mitsprechen über das Bahnhofsquartier

Eine Sanierung und die Folgen. Das schmucke Parkhaus wertet die Bahnhofstraße auf. Hier steht am Freitag, 19. Juli, ab 16 Uhr der „blaue Tisch“ des Architekten- und Ingenieurvereins. Der „blaue Tisch“ - das ist das Symbol für eine städtebauliche Veranstaltung und für die Aussage: „Hier darf man mitdiskutieren“. (Foto: A. Schneider)
Eine Sanierung und die Folgen. Das schmucke Parkhaus wertet die Bahnhofstraße auf. Hier steht am Freitag, 19. Juli, ab 16 Uhr der „blaue Tisch“ des Architekten- und Ingenieurvereins. Der „blaue Tisch“ – das ist das Symbol für eine städtebauliche Veranstaltung und für die Aussage: „Hier darf man mitdiskutieren“. (Foto: A. Schneider)

Hagen. (as) Was Außensanierung und ein paar Töpfchen Farbe im Inneren ausmachen können. Das Parkhaus in der Bahnhofstraße ist kaum wiederzuerkennen. Hell und sauber strahlt es. Den schmuddeligen Charakter hat es abgelegt und verleiht damit gleich dem ganzen Quartier einen Schuss neues Selbstbewusstsein.

Genau dieses Parkhaus in der Bahnhofstraße ist am Freitag, 19. Juli 2013, ab 16 Uhr Schauplatz einer stadtgeschichtlichen und städtebaulichen Veranstaltung. Es ist markanter Punkt im Bahnhofsquartier und gleichsam positives Beispiel. Deshalb stellt der Architekten- und Ingenieurverein (AIV) Mark Sauerland hier seinen „blauen Tisch“ auf, um sich gemeinsam mit Anliegern und Interessenten Gedanken zu machen über die Zukunft des Quartiers.

Von dieser Stelle aus bittet zunächst Heimatvereins-Vorsitzender Jens Bergmann zu einem Spaziergang durchs Bahnhofsviertel. Anschließend, ab etwa 17 Uhr, wird heiß diskutiert. Die Fragen, die auf den „blauen Tisch“ kommen: Wie kann die Bahnhofstraße aufgewertet werden? Welche Funktion kann sie in der Innenstadt übernehmen? Und, nicht zuletzt, was halten die Immobilienbesitzer von den Aufwertungs-Visionen?

Eine der ersten Adressen der Stadt

Johann Dieckmann, AIV-Mitglied, Stadtplaner und ehemals Stadtbaurat in Hagen, bummelt gern durchs Bahnhofsquartier. Dann denkt er immer auch an dessen glanzvolle Vergangenheit. „Früher“, sagt er, „war das Bahnhofsviertel mit der Bahnhofstraße eine der ersten Adressen in Hagen.“ Dort gab’s die besten Hotels, die begehrtesten Geschäfte und etliche Banken.

Die erste Adresse gehört der Vergangenheit an. Heute warten viele Gebäude auf sanierende Hände. Leer stehende Wohnungen und Gewerbeflächen sprechen für sich. Hat das Quartier nichts, womit es Menschen locken könnte?

„Doch, eine Menge“, sagt AIV-Vorsitzender Dr. Stefan Bild. „Die Bahnhofstraße ist immer noch zentrale Verbindungsachse von der Innenstadt zur Volme-Ennepe-Mündung.“ Zu dem Gelände also, auf dem demnächst die Bahnhofshinterfahrung entstehen soll. Viel zentraler geht’s kaum.

Mietfreie Büros für Existenzgründer

Die Bahnhofstraße versteht Gerhard Schießer, Geschäftsführer der Hagen-Agentur, als Visitenkarte der Stadt. Er will an Gefühlen rühren. „Wir müssen erreichen, dass Menschen Ja sagen“, überlegt er. „Ja, das Bahnhofsquartier ist das Eingangstor der Stadt.“ Jedenfalls für all die Menschen, die Hagen vom Bahnhof aus erobern. „Ein Eingang ist immer etwas Besonderes“, sagt Gerhard Schießer. „Jeder macht doch seine Eingangstür schick.“

Beim Schickmachen will die Hagen-Agentur helfen. Sie bietet den Immobilienbesitzern Anreize, etwas für die Gebäude zu tun. Und sie möchte helfen, kreative Köpfe ins Bahnhofsquartier zu locken. In einer neuen Aktion für das Bahnhofsquartier bietet die Hagen-Agentur als Vermittler Büroflächen für Existenzgründer und Neuansiedler – zum Nulltarif. Jedenfalls für eine gewisse Zeit. Menschen mit Geschäftsideen vereinbaren mit den Immobilienbesitzern eine bestimmte mietfreie Zeit, auch um herauszufinden, ob sie sich in Hagen beruflich auf eigene Beine stellen können.

Mietfrei? Hier kann jeder gewinnen

Dr. Stefan Bild und Johann Dieckmann verstehen hinter der Aktion, Büroflächen mietfrei zur Verfügung zu stellen, eine gegenseitige Gewinnsituation. Die einen genießen den kleinen Luxus, den Start in ein neues Gewerbe ohne Mietzahlungen bewältigen zu können. Die anderen erleben, dass die Nebenkosten der zur Verfügung gestellten Flächen von den „Mietern“ getragen werden. Außerdem haben sie vielleicht auf diesem ungewöhnlichen Weg langfristige Mieter gefunden, die nach Ablauf einer gewissen Frist einen üblichen Mietzins zahlen.

Es gibt also schon jetzt einige Ideen, das Quartier zwischen Bahnhof und Innenstadt nicht nur zu verschönern, sondern auch mit neuem, kreativen Leben zu füllen. Beim „blauen Tisch“ kann darüber diskutiert werden. Johann Dieckmann und Dr. Stefan Bild sind sich einig: „Wir sind mächtig gespannt auf Freitag…“