Mobbing in Hagener Grundschule

Von Anna Linne

Hagen. Die Leiden des zehnjährigen Armins waren Gegenstand des wk-Artikels Hausverbot für Mutter“ am 14. April 2012. Seit zwei Jahren wird das Kind nach Darstellung der Mutter in einer Hagener Grundschule von gleichaltrigen Mitschülern massiv beschimpft und regelmäßig verprügelt, ohne dass Lehrkräfte eingreifen.

„Diese Schikane verkraftet mein Sohn nicht länger“, klagt die Mutter.

Viele Verletzungen hat Armin schon davon getragen. Auf Fotos dokumentierte Mutter Iwona Sahebjami die zahllosen Blutergüsse, Beulen und Prellungen ihres Sohnes. Verzweifelt zog Iwona Sahebjami die Notbremse und sagte dem täglichen Mobbing den Kampf an. Weil sie mit ihren Forderungen und ihrer ständigen Anwesenheit der Schulleitung und dem Lehrpersonal große Probleme bereitete, kassierte die 45-Jährige schließlich sogar ein Hausverbot. Das Schulamt, das sie ebenfalls um Hilfe anflehte, meldete sich gar nicht erst bei ihr.

Wie ging es weiter?

„Nach der Veröffentlichung im wochenkurier waren alle an der Schule stinkesauer und das Mobbing ging natürlich erst recht weiter“, erinnert sich Iwona Sahebjami. „Damit habe ich zwar gerechnet, aber nicht mit der Reaktion der Lehrkräfte. Die Kinder haben meinen Sohn als Hurensohn beschimpft und sich darüber lustig gemacht, dass ich Hausverbot an der Schule habe. Armin erzählte mir, dass er seine Klassenlehrerin um Schutz gebeten habe. Die soll jedoch gesagt haben, dass sie ihm nicht helfen könne, da ich ihm die Unannehmlichkeiten eingebrockt hätte.“

In einem Gespräch zwischen Armin und der Schul-Sozialpädagogin habe diese Zweifel erkennen lassen, ob die erneuten Verletzungen Armins wirklich von Raufereien auf dem Schulhof stammten. Mutter Iwona Sahebjami ist entsetzt: „Jetzt wird sogar versucht, die Gewalt gegen meinen Sohn zu leugnen.“

Schulamt reagiert endlich

Als sich an Armins Situation weiterhin nichts ändert, richtet Mutter Iwona Sahebjami sich am 7. Mai 2012 erneut ans Schulamt und prangert die Untätigkeit der Grundschulleitung und der Lehrkräfte an. Und siehe da, dieses Mal reagiert das Amt tatsächlich und setzt sich mit der Mutter in Verbindung. Die Lehrer seien überfordert, erklärt die Schulrätin am Telefon, und die Unterrichtszeit sei zu kostbar, um solche Dinge zu klären. Sie bietet der Mutter schließlich an, Armin kurz vor Schulende auf einer anderen Schule unterzubringen, doch Mutter Iwona Sahebjami wiegelt ab. Vor zwei Jahren durfte sie ihren Sohn nicht umschulen, jetzt will sie nicht mehr. Sie will, dass die Schule sich mit dem Problem endlich kompetent auseinander setzt. Die Schulrätin habe schlussendlich gefragt, warum sie zur Presse gegangen sei. Sie hätte doch mit allen reden können. Da musste Iwona Sahebjami wirklich lachen: „Mit mit hat doch nie einer reden wollen…“

Sie wolle die Schulleitung nun anweisen, so die Schulamtsfrau, Strategien gegen die Mobbingsituation zu entwickeln. Wieder muss die 45-Jährige schmunzeln, denn das versucht sie schließlich seit zwei Jahren zu erreichen. „Wer etwas tun will, findet einen Weg“, sagt sie, „wer nichts tun will, findet Gründe. Ich bin zwei Jahre lang mit einem Paket voller Ausreden abgefertigt worden, jetzt reicht es endgültig. Ich werde mir weitere Schritte – auch rechtliche – vorbehalten. “