Mythos „Minox“ lebt auf in Hemer

Hemer. (clau) Geduldig und beharrlich hat Reinhard Lörz sein Ziel über viele Jahre verfolgt. Halbe Sachen macht er nicht. Am Ende ist es ihm gelungen: Im Februar konnte er das erste private Minox-Museum in Deutschland eröffnen – sein Museum!

Einfach riesig – die winzige Minox-Kamera, findet Reinhard Lörz. Er hat über viele Jahre alles rund um diese Klein- und Kleinstkamera gesammelt und ihr nun ein eigenes Museum gewidmet. (Foto: Claudia Eckhoff)

Dafür ist er sogar im letzten Oktober umgezogen von Hagen nach Hemer. „In Hagen hätte ich mir meinen Traum nicht verwirklichen können, sagt der 59-jährige gebürtige Essener. „Erst als wir aus unserer Wohnung im vierten Stock eines Hauses in der Hagener Innenstadt (Elberfelder Straße) in dieses ehemalige Bauernhaus an der Frönsberger Straße gezogen sind, hatte ich endlich Platz genug, um meine Sammlung so aufzubauen, dass sie auch besichtigt werden kann.“

Minox – in jeder Erscheinungsform

Er sammelt Minox. Nicht nur die Klein- und Kleinstkameras, Projektoren oder Ferngläser aus dem Hause Minox haben es ihm angetan. „Ich mache das vernünftig oder gar nicht“, sagt er wieder. Gründlich hat er es gemacht: Seine Sammlung umfasst neben den Minox-Kameras auch Minox-Werbematerialien wie Bleistifte, Minox-Plastiktüten, Minox-Mitarbeiterhemden, Minox-Filmrollen, Minox-Kundenzeitschriften, Artikel und Dokumente über prominente Minox-Besitzer, Schaubilder über das Innenleben einer Minox, das Papiermodell eines Minox-Messestandes auf der Kölner „Photokina“, Diaprojektoren, Entwickler, Filmtaschen… Den Fußboden zwischen seinen Schau-Vitrinen hat er mit roten Teppichen ausgelegt. In exakt Minox-Rot versteht sich.

Dem genialen Winzling total verfallen

„Ich bin selbst ein ganz miserabler Fotograf“, gesteht Reinhard Lörz offen ein. „Ich knipse nur die üblichen Urlaubs- und Familienbilder und zwar furchtbar schlecht.“

Beruflich zu erklären ist seine Minox-Leidenschaft genauso wenig. Als Rangiermeister und Disponent in Diensten der Deutschen Bahn AG sitzt er Tag für Tag vor gleich vier Computern am Rangierbahnhof in Hagen-Vorhalle und stellt Züge zusammen oder löst sie auf.

Dass er der Minox verfiel war Zufall. Dem leidenschaftlichen Flohmarktgänger hatten es zunächst Kameras im Allgemeinen angetan. Auf immerhin rund 300 Stücke war diese Sammlung angewachsen, als Reinhard Lörz 1993 von seinem Schwager eine Minox BL Baujahr 1972 geschenkt bekam. Da war es um ihn geschehen!

„Vom ersten Augenblick an hat mich die Kleinheit, die Kompaktheit und das Design dieser Winzlinge fasziniert“, beginnt er zu schwärmen. „Ich war so begeistert, von ihr und den Bildern, die sie macht, dass ich alle meine anderen Kameras wieder vertrödelt habe.“

Wie gesagt: Keine halben Sachen! Seit 1999 ist Reinhard Lörz Mitglied des ersten deutschen Minox-Clubs mit Sitz in Duisburg, der weltweit 350 Mitglieder in Sachen Minox vereint. Seit 2004 vertritt er selbst den Vorstand.

Wenn das Schild draußen steht, ist das Minox-Museum in Hemer geöffnet. Ansonsten heißt es: Bitte Termin ausmachen. (Foto: Claudia Eckhoff)

Der Mythos Minox

Liebend gern zeigt er seine Sammelstücke und erzählt die spannenden Geschichten, die sich dahinter verstecken. Dann redet er sich in einen wahren Minox-Rausch und wer ihm zuhört darf, ist unweigerlich davon gebannt.

Was haben Willy Millowitch, der Schah von Persien, Jacky Kennedy und die Queen von England auch noch mit Curd Jürgens gemeinsam? – Klar, die Minox!

Was lag jahrelang als kleine, feine Morgengabe beim Auto-Neukauf in Damen- oder Herrenversion im Handschuhfach verschiedener eher hochpreisiger Automodelle? – Klar, die Minox!

Welche Minikamera wurde beim legendären Grubenunglück von Lengede in die enge Tiefe herabgelassen und offenbarte so, dass elf Kumpel überlebt hatten und dort unten auf Bergung harrten? – Klar, die Minox!

Womit fotografierte Prinz Philipp von England die britische Vogelwelt für seinen Bildband? – Klar, mit der Minox!

Die Guillaume-Affäre ist der politisch bedeutsamste Spionagefall der deutsch-deutschen Geschichte. Am 24. April 1974 wurde mit Günter Guillaume, einer der engsten Mitarbeiter des Bundeskanzlers Willy Brandt als DDR-Agent enttarnt. Und womit hatte der NVA-Mann so gründlich alle Akten abfotografiert, ohne dass es jemand merkte? – Klar, mit der minikleinen Minox, die wie ihr genialer Erfinder Walter Zapp es angestrebt hatte, einfach in jeder Hand verschwindet.

Nur mit Führung

Walter Zapp, der Vater der Minox – hier verneigt sich Reinhard Lörz vor einem großen Erfinder, Designer und Techniker. In der Lörzschen Sammlung befinden sich auch Kameras anderer Hersteller, die einst Walter Zapp gehörten. „Er hat sich so etwas immer besorgen lassen, um zu testen, ob die anderen Dinger besser wären als seine Minox“, schmunzelt Reinhard Lörz. „Waren sie nicht. Er konnte beruhigt sein.“

Das Minox-Museum befindet sich an der Frönsberger Straße 56 in Hemer. Wenn das Museumsschild vor dem Haus steht, ist geöffnet und man darf hereinspazieren. Ansonsten bittet Reinhard Lörz um vorherige Anmeldung unter Telefon 02372 / 8440-935. Gruppen mit bis zu vierzehn Personen können gemeinsam an einer Führung teilnehmen und sich von Reinhard Lörz Minox-begeistern lassen.