Nach Kehlkopfkrebs-OP: 4000 Kilometer geradelt

Hagen. (anna) Den Auftakt zu unserer beliebten Dankes-Artikel-Aktion markierte im Februar 2013 der jetzt 49-jährige Hagener Oliver Trelenberg aus der Haldener Straße, der seinerzeit dem Team des Josefs-Hospitals seine Anerkennung aussprach. Er erkrankte im Mai 2012 an Kehlkopfkrebs. Dabei hatte der ehemalige Lkw-Fahrer das Rauchen längst aufgegeben.

Schluckbeschwerden und Heiserkeit waren die ersten Symptome, die ihn zum HNO-Arzt führten. Nach diversen Untersuchungen stellte man fest, dass sich am Kehlkopf ein bösartiger Tumor ausgebreitet hatte.

Am 6. Februar wurde das Gewebe in einer zweieinhalbstündigen Operation entfernt. Am 25. Februar folgte planmäßig die Entfernung beider Lymphknoten. „Viereinhalb Stunden dauerte die Operation, die lange Narben hinterließ“, berichtet der Hagener, dessen Wangen, Kinn und Kopfhaut seit der letzten OP taub sind. Da auch der Kehlkopfdeckel entfernt wurde, musste Oliver Trelenberg sogar das Essen völlig neu erlernen.

Radfahren hilft

Trotz aller Schmerzen und anderer Widrigkeiten ist der 49-Jährige überglücklich und dankbar, alles gut überstanden zu haben. Geholfen hat ihm auch das Radeln. „Die Bewegung und die frische Luft brachten mich wieder ins Leben zurück“, ist der Frührentner überzeugt.

„Zuerst war ich völlig niedergeschlagen, depressiv und unfähig, mich längere Zeit auf den Beinen zu halten. Die Krankheit und die Operation führten mich an meine Grenzen“, erzählt Trelenberg. „Im Juli 2013 habe ich mich dann einfach aufs Fahrrad gesetzt und bin losgestrampelt.“ Aber er kam nur bis Eilpe, dann war er bereits völlig fertig. Doch fortan fuhr Trelenberg täglich auf dem Drahtesel und schaffte jeden Tag ein Stückchen mehr. „Mit der Zeit fand ich meinen eigenen Trampel-Rhythmus, der mich Kilometer für Kilometer die Welt wieder entdecken ließ.“

Selbst die Strecken nach Berchum oder zum Hengsteysee reichten ihm bald nicht mehr. Jetzt besitzt Oliver Trelenberg ein VRR-Ticket, das ihm gestattet, die gesamte Region zu erobern. Zuerst machte er nur Tagestouren im Ruhrgebiet, dann bis zum Niederrhein. Im März dieses Jahres ging es zusammen mit Freundin Gudrun auf den 590 Kilometer langen Main-Radweg. In diesem Jahr, so sein Vorsatz, von dem er auch in der WDR-Sendung „Daheim und unterwegs“ berichtete, wollte er 4000 Kilometer schaffen.

Ziel erreicht

Oliver Trelenberg hat sein Ziel erreicht: Seit März hat der Genesene über 4000 Kilometer zurückgelegt. Doppelt so viel wie im Jahr zuvor.

„Vor meiner Tumorerkrankung war ich ehrenamtlich in einem Museum tätig“, so Trelenberg, „nachdem ich dann 2013 trotz meiner 100-prozentigen Behinderung und den gesamten gesundheitlichen Umständen über 2100 Kilometer in vier Monaten auf dem Rad zurückgelegt hatte, beschloss ich, ganz vielen Menschen – vor allem auch gesundheitlich eingeschränkten – das Radfahren näher zu bringen.“ Unter olivers-radwelt.beepworld.de kann man seine Aktivitäten verfolgen.

„Radfahren ist meine große Leidenschaft geworden“, sagt Trelenberg, “weil ich während meiner Krankheitsgeschichte eine Aktivität entdeckt habe, die mir mit geringem Aufwand und wenig körperlicher Anstrengung ein Stückchen verlorener Lebensqualität zurückgibt. Und darum radel ich, wann immer ich dazu in der Lage bin…“