Natur beflügelt Phantasie

Hagen. (anna) Im letzten Jahr war es Ehefrau Gerda, die ihren 71-jährigen Mann Egon Rödl dazu drängte, seine ungewöhnlichen Krippen einmal der Öffentlichkeit zu präsentieren. Nach ersten zögerlichen Bemühungen war die Ausstellung im November 2010 gleich auf so beachtliche Resonanz gestoßen, dass Rödl sich entschloss, die Türen im Jahr 2011 erneut zu öffnen – und das gleich an zwei Tagen.

Der 71-jährige Rentner Egon Rödl will seine selbstgefertigten Krippen und handgeschnitzen Figuren wieder der Öffentlichkeit präsentieren. Jeder ist eingeladen, die Ausstellung in der Hochstraße 45 zu besuchen. (Foto: Anna Linne)

Fünf Jahre lang hat der Hagener Rentner an den teilweise recht großen oder auch filigranen „heiligen Ställen“ gearbeitet. Zuhause ist Rödl im ehemaligen Gebäude der Kreishandwerkerschaft, Hochstraße 45, wo er bis zu deren Wegzug als Hausmeister tätig war. Dort verfügt der Krippenbastler über mehrere große Räumlichkeiten, in denen er seinem Hobby ungestört nachgehen kann.

Diese Räume will Egon Rödl auch am Samstag und Sonntag, 26. und 27. November 2011, zwischen 11 und 17 Uhr erneut zu seiner Krippenausstellung öffnen und die einzigartigen Unikate einer hoffentlich breiten Öffentlichkeit präsentieren. Immerhin 17 Krippen, jede auf ihre Art einzigartig, kann man dann bestaunen.

In diesem Jahr präsentiert Egon Rödl auch erstmals seine geschnitzten Werke. Bildschöne Krippenfiguren und andere Objekte hat der Rentner im letzten Jahr gezaubert“. Ich arbeite unheimlich gerne mit Holz“, versichert der 71-Jährige.

Enkelkinder wollten Stall

Als Hausmeister schon immer handwerklich begabt, hat Rödl allerdings erst spät mit dem Bau von Krippen begonnen, obwohl er jedes Jahr bei einem Krippenbauer in Österreich Ski-Urlaub machte – und das zwanzig Jahre lang. „Ich habe mir sicherlich viel von ihm abgeguckt, aber in all den Jahren nie wirklich die Kurve gekriegt“, schmunzelt Rödl.

Das wurde erst anders, als sich die Enkelkinder einen Stall für ihre Spieltiere wünschten. Da saß dann Opa Rödl tagelang im Hobbykeller und fertigte sein erstes Gebäude – einen Stall für Pferd und Kuh. Das Holzhaus stieß bei den Enkelkindern auf große Begeisterung, so war die Grundlage fürs Krippenbauen bei Opa Rödl gelegt.

Erst vor fünf Jahren hat der ehemalige Hausmeister Egon Rödl mit dem Krippenbau begonnen. Viele schöne Unikate, allesamt beleuchtet sind unter seinen Händen entstanden. Jetzt lädt er alle zur Ausstellung in die Hochstraße ein. (Foto: Anna Linne)

Material nur aus der Natur

„Ich fing sofort damit an, in der Natur Material zu sammeln“, schwärmt Egon Rödl, der am Goldberg auch einen Schrebergarten besitzt. Aus dem bezieht er meist das Holz für die Häuschen, das von Kiwi-, Apfel, Birnen- und Pflaumenbäumen stammt. Auf seinen Spaziergängen durch Feld und Wald wird jede Wurzel, jedes Stück Holz, jedes bisschen Stroh sowie kleine Moosstücke gesammelt, getrocknet, auf Halde gelegt und schließlich verwertet. „Jede Krippe wird anders, ist einmalig“, freut sich Egon Rödl, „denn das vorhandene Material bestimmt meine Phantasie und gibt schließlich den Ausschlag für das Aussehen.“ So ist jedes Modell ein Unikat und in seinem Stil wahrscheinlich einzigartig.

Auch die filigranen Accessoires, mit denen der 70-Jährige die heiligen Ställe ausstattet, sind in Eigenarbeit liebevoll hergestellt: Brunnen mit fließendem Wasser, kleine Bäume und Sträucher, ein Holzbock mit Beil, geschichtetes Feuerholz, kleine Kieselwege und echt wirkende Felsformationen lassen der Phantasie des Betrachters freien Lauf.

Wer Lust auf mehr hat, kann die Rödls am Samstag und Sonntag, 26. und 27. November 2011, zwischen 11 und 17 Uhr gern einmal in der Hochstraße 45 besuchen und sich die „heiligen Ställe“ ganz aus der Nähe anschauen.