Neue Bühne im Elbers-Schmuckstück

Hagen. (anna) In der hintersten Ecke des Elbersgeländes steht direkt an der Volme ein alter Backsteinbau, die sogenannte Kapelle. Noch vor wenigen Jahren zeigte sich das Bauwerk als Ruine – und kaum jemand war bereit, einen Groschen auf den Fortbestand zu wetten.

Die Schauspieler Dario Wehberg und Indra Janorschke aus Dortmund wollen in der sanierten Kapelle auf dem Elbers-Gelände eine neue Bühne - das "Theater an der Volme" - etablieren. Los geht’s schon am 8. September mit Georg Kreislers "Heute Abend Lola Blau", Karten gibt es beim wochenkurier. (Foto: Anna Linne)

Doch die Elbers-Investoren erkannten sehr bald den hohen Denkmalwert. Immerhin existiert ein vergleichbares Bauwerk kaum ein zweites Mal in NRW. Es stammt wohl aus der 2. großen Ausbauphase der Textilfabrik Elbers in den frühen 1860er Jahren. Es gibt die These, die Kapelle könnte anfangs tatsächlich als Gotteshaus genutzt worden sein – für in Hessen angeworbene Gastarbeiterfamilien. Später soll sie angeblich als Pumpenhaus gedient haben. Und in den 1950er Jahren war eine Kaffeerösterei darin untergebracht. Dann verfiel sie – bis vor wenigen Monaten. Eine bewundernswerte Sanierung rettete das neugotische Bauwerk. Was noch fehlte, war ein Nutzungskonzept. Das liegt jetzt vor.

Ab dem 8. September 2011 soll die Kapelle mit neuem Leben gefüllt werden. Das Dortmunder Künstler-Ehepaar Indra Janorschke (33) und Dario Wehberg (55) will darin eine neue Bühne – das „Theater an der Volme“ – etablieren.

Bislang hatten die Beiden kein festes Haus, waren als reines Tourneetheater unterwegs. Jetzt haben sie die alte Kapelle erst einmal für fünf Jahre gemietet und sind zuversichtlich, dass ihr geplantes breitgefächertes Angebot gut angenommen wird. „Wir haben Hagens Kulturlandschaft unter die Lupe genommen, denn wir wollen keine Konkurrenz zu bestehenden Kultureinrichtungen aufbauen, sondern lediglich die bestehende Landschaft erweitern“, erläutert Indra Janorschke, die zusammen mit Ehemann Dario Wehberg und unterschiedlichen Gast-Schauspielern professionelles Sprechtheater anbieten will.

Los geht’s am Donnerstag, 8. September 2011, um 19.30 Uhr mit dem Georg-Kreisler-Stück Heute Abend: „Lola Blau“, bevor am Mittwoch, 14. September, „Loriots Möpse & andere Menschen“ auf dem Programm stehen.

Breites Angebot

Mit ihrem Theaterprojekt möchte das Künstlerehepaar ihre Ideen eines „kommunikativen Theaters“ verwirklichen. So hat der Zuschauer die Möglichkeit, schon vor der Vorstellung in der theatereigenen Lounge etwas zu trinken und sich auf das kulturelle Programm einzustimmen, egal ob Lesung oder Klaviermusik. Nach der Vorstellung bietet sich die Gelegenheit, gemeinsam mit den Schauspielern oder anderen Künstlern zu diskutieren und den Abend in Ruhe ausklingen zu lassen.

„Wir haben zudem einen sehr abwechslungsreichen Spielplan zusammen gestellt, denn wir wollen unser Publikum nicht nur gut unterhalten, sondern auch Denkanstöße geben.“ Spritzige Komödien, spannende Krimis, aber auch bekannte Klassiker und biografische Theaterstücke werden auf der Kapellen-Bühne zu finden sein. Ein Blick auf den Spielplan lohnt sich: Woody Allen, Loriot und Heinz Erhardt versprechen amüsante Abende, während Georg Kreislers wunderschönes Schauspiel Heute Abend „Lola Blau“ und Goethes „Faust“ nachhaltiges und ernsthaftes Theater bieten. Auch Krimifans kommen auf ihre Kosten. Mit dem Thriller „Misery“ von Simon Moore, der auf der Romanvorlage von Stephen King basiert, ist Spannung garantiert.

In der hintersten Ecke des Elbersgeländes steht direkt an der Volme ein alter Backsteinbau, die sogenannte Kapelle. Noch vor wenigen Jahren zeigte sich das Bauwerk als Ruine - siehe Foto. Seit einigen Monaten ist das Bauwerk gerettet, jetzt gibt es auch ein Nutzungskonzept - ein Thater zieht ein. (Foto: Michael Eckhoff)

„Nach fast einem Jahrzehnt mit einem reinen Tourneetheater durch ganz Deutschland haben wir in der alten Kapelle der ehemaligen Textilfabrik Elbersdrucke unser neues Kammerspieltheater entdeckt“, erzählt Germanistin Indra Janorschke, die ihrem Mann, der Schauspiel studiert hat, dramaturgisch unterstützen wird. Das Künstlerpaar, das zuletzt am Hasper Hammer mit dem Stück Gretchen 89ff“ gastierte, ist überzeugt, dass die neue Spielstätte im romantischen Ambiente mit viel Gastronomie rundherum gut ankommen wird.

Kapelle umgebaut

Nach umfangreichen Umbauarbeiten ist ein wahres Schmuckkästchen mit 99 Sitzplätzen entstanden, das Raum für vielfache Aktivitäten bietet. Im Obergeschoss entstand zudem eine Theaterlounge mit Glasdach und auf der Außen-Terrasse direkt an der Volme soll man in Zukunft bei einem Kaffee relaxen können. „In der lichtdurchfluteten Lounge kann man sich in den Pausen erfrischen“, stellt sich das Künstlerpaar vor. „Der Bühnenraum in der Kapelle wird noch nach hinten vergrößert, so dass gut und gerne 100 Personen Platz finden“, ergänzt der Quartiersmanager der Freizeit- und Kulturfabrik, Christian Isenbeck. Das Kammerspieltheater passt gut auf dieses Gelände. „Ich muss für dieses tolle Areal eine gelungene Mischung aus Gastronomie und Kultur schaffen, so dass alle überleben können. Und das ist mit der Etablierung dieses Theaters wohl gelungen.“

Zwischen dem 8. und 11. September 2011 wird es ein großes Eröffnungswochenende geben. Der Kartenvorverkauf hat im Übrigen schon begonnen. Karten gibt es in der Hagen Touristik-Information im Rathaus und insbesondere im wochenkurier-Reisebüro, Frankfurter Straße 90.