Neue Heimat für historische Schätze

Hagen. (lz) Das Hagener Stadtmuseum muss mit seiner Dauerausstellung bekanntlich umziehen – von Eilpe aus in die Innenstadt. Das heißt aber auch, dass die vielen gesammelten Schätze in ein geeignetes Depot verlagert werden müssen. Das neue Lager befindet sich in Kückelhausen, an der Berliner Straße.

Viel Stauraum

Das mehrstöckige Gebäude – eine ehemalige Kaffeerösterei – bietet auf zwei Etagen ausreichend Raum für eines der größten musealen Archive Westfalens. Neben altem Mobiliar wie Vitrinenschränken, Sofas und massiven Truhen, lagern in der Berliner Straße ab sofort auch kleinere Ausstellungsstücke wie Schreibmaschinen und Porzellanservice von „anno dazumal“. Innerhalb der Räumlichkeiten in Kückelhausen sorgen Regalsysteme für den nötigen Platz und erweitern die kleinen Räume nach oben hin für eine ausreichende Stellfläche.

Hagens Kulturdezernent Thomas Huyeng (l.), Kultur-Fachbereichsleiter Dr. Tayfun Belgin (Bildmitte) und Dietmar Freiesleben (r.) zeigen den Kinderwagen, der aus dem Besitz von Liselotte Funcke stammt. (Foto: Lara Zeitel)
Hagens Kulturdezernent Thomas Huyeng (l.), Kultur-Fachbereichsleiter Dr. Tayfun Belgin (Bildmitte) und Dietmar Freiesleben (r.) zeigen den Kinderwagen, der aus dem Besitz von Liselotte Funcke stammt. (Foto: Lara Zeitel)

Natürlich werden auch mal Dinge aussortiert und so wurde der Fundus im Laufe der Jahre immer wieder aufgeräumt, Altes wurde ausrangiert. Das Auswahlkriterium für die bestehenden Antiquitäten scheint klar definiert zu sein. „Der Fokus liegt auf Hagen. Wir sammeln hier Gegenstände, die auch einen historischen Zusammenhang zur Stadt beinhalten.“ Dieses Konzept entspricht dem stadthistorischen Interesse.

Neben Truhen, die vom 15. Jahrhundert bis in die 1930er Jahre reichen, und bemerkenswerten Eichenholzschränken weist das Kulturarchiv auch einige besondere Fundstücke auf. Hier finden sich zum Beispiel zwei Schreibschränke Friedrich Harkorts. Ein besonderes Ausstellungsstück ist auch der Kinderwagen der einstigen Bundespolitikerin Liselotte Funcke, die darin bereits ihre Söhne durch Hagen fuhr. Das gut erhaltene Sammlerstück wurde nach ihrem Tod im Jahr 2012 dem Museum überreicht, zusammen mit ihrem Bundesverdienstkreuz und anderen Raritäten.

Seltene Truhen

Auf der ersten Etage in der Berliner Straße stehen vor allem massive Gegenstände, zum Beispiel schwere Stollentruhen. Eine von ihnen ist mit Rädern versehen, was eine absolute Seltenheit darstellt. Auch modernere Kommoden finden sich hier.

Museumsmitarbeiter Dietmar Freiesleben erläutert: „Oft kommt nicht etwa die Frage nach besonders alten Möbeln auf, sondern die Menschen fragen sich schlichtweg: Wie war man zu einer bestimmten Zeit eingerichtet? Wie sahen die Wohnungen aus, in denen man lebte? Womit hat man gegessen?“ Um das Leben in früheren Zeiten möglichst realitätsnah darstellen zu können, behielt man diese Stücke, die nun, nach dem Umzug, im neuen Depot an der Berliner Straße ihren Platz gefunden haben.

Neues System

Im Zuge effektiverer Inventarisierungsmaßnahmen soll das neue Depot demnächst ein zweites Mal umgeordnet und – zur Erleichterung der Suche – durch ein neues Etikettiersystem verbessert werden. Das Archiv 2.0 soll dann vor allem mit Strichcodes arbeiten, die über ein PC-Programm die jeweiligen Informationen zu den Einzelstücken vor Augen führen und somit die Übersicht vereinfachen.

Durch diese Digitalisierung können dann, so Dietmar Freiesleben, neue Umgruppierungen veranlasst werden, die obendrein das Auffinden einzelner Gegenstände grundlegend beschleunigen. Über diese Strichcodes ließen sich dann beispielsweise auch kleine Einzelstücke schneller finden. Beispielsweise das alte Waffeleisen, das aus Elsey stammt und Mitte des 18. Jahrhunderts in einer speziellen Form verwendet wurde, ließe sich in Zukunft über das neue System „ratzfatz“ hervorholen.