Neue Sicherheit soll Tagespflege beflügeln

Hagen. (hc) Die Hagener Politik hat ein deutliches Zeichen  für die Kindertagespflege gesetzt. Seit dem 1. April hat sich die finanzielle Sicherheit für die bestehenden und zukünftigen Tagesmütter und Tagesväter deutlich verbessert.
Denn: wenn bisher nur die tatsächlichen Arbeitsstunden abgerechnet wurden, werden jetzt krankheitsbedingte oder urlaubsbedingte Ausfälle aufgefangen. Das lässt sich die Stadt Hagen rund 250.000 Euro kosten.

Analyse deckte  Defizite auf

Dieser Beschluss ist Folge einer internen Analyse der Stadt Hagen, die sich die zentrale Frage gestellt hat: „Wie können wir attraktivere Bedingungen für die Kindertagespflege schaffen?“ Die Bezahlung und die Rahmenbedingungen wurden als Schwachstellen identifiziert. Nachdem in einer ersten Stufe die Zahlungen an die Tagespflegenden angehoben wurde, wird nun von Spitzabrechnung auf Pauschalfinanzierung umgestellt.
Der Vorteil für die Pflegenden liegt auf der Hand. Wenn die Eltern ihre Sprösslinge eine Stunde eher abholten, wurde diese Stunde nicht berechnet, auch wenn sie im Vorfeld vertraglich zugesichert war.

Selbstorganisation das A und O

„Man musste immer schauen, dass man alles gut organisiert und sich ein finanzielles Polster zulegt“, erklärte Brigitte Bock. Sie ist eine Tagesmutter der „ersten Stunde“.
Seit 2007 ist die dreifache Mutter in der Kindertagespflege tätig, damals nur mit einem Kind und ohne Qualifizierung. Mittlerweile ist sie im Besitz des Bundeszertifikats.
Pädagogischer Auftrag
„Es ist wichtig, dass es bei der Tagespflege auch einen pädagogischen Auftrag gibt“, macht Fachberater Uwe Leicht (Stadt Hagen) klar. Die Tagespflegenden bieten nicht nur eine Grundversorgung an, sondern arbeiten mit den Kindern an der persönlichen Weiterentwicklung. Ein Vorteil an der Tagespflege ist das familiäre Umfeld. Aber man kann es auch als Zusatzangebot zum Kindergarten sehen.
Als Beispiel zog  Jugendamtsleiter Reinhard Goldbach den Beruf der Flugbegleiterin heran „Sie hat stets verschiedene Arbeitszeiten und kann ja nicht aus dem Flugzeug steigen, um das Kind abzuholen“, so Goldbach. Das illustriert, in welchen Randbereichen die Tagespflege Zusatzangebote liefern kann – auch im Gebäude eines Kindergartens.

Eigenem Anspruch gerecht werden

Doch nicht nur auf diesem Gebiet erhoffen sich alle Verantwortlichen einen Aufschwung, auch die Tagespflege an sich soll besser ausgerichtet werden. Die Bundesregierung hat 2013 einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem ersten Lebensjahr formuliert. Um dies zu gewährleisten und nicht bei den Kindergärten mehr Kapazitäten zu schaffen, sollten knapp 30 Prozent von Tagespflegenden übernommen werden.
Diese Zahl wird in Hagen allerdings nicht im Entferntesten erreicht. Bei acht Prozent liegt die derzeitige Auslastung – zu wenig für den Geschmack aller Beteiligten, die eine Verdopplung anstreben.

Nachfrage ist ungebrochen groß

Zumal ebenfalls der Wille bei den Eltern besteht, die Kinder bei Tagesmüttern oder -vätern zu lassen. Doch derzeit fehlt es an Fachkräften.
Erzieher mussten bisher eine 160-stündige Umschulung über sich ergehen lassen, damit sie das Bundeszertifikat erhalten. Die Stadt Hagen lockerte diese Bestimmungen. „Die Erzieher haben einen Fachausbildung bereits erhalten“, betont Julia Schröder von der Caritas.
Daher sollen ihnen auf dem Weg ins freiberufliche Leben eher die Grundsätze des eigenständigen Wirtschaftens beigebracht werden.
Die Tagespflegenden erhalten dafür dann einen Teilnahmenachweis und können ihre Arbeitskraft bereits nach der Hälfte der Ausbildungsdauer anbieten. Das schafft einen besonderen Anreiz, denn so kann man zeitgleich umschulen und Geld verdienen.

Neue Kräfte werden gesucht

Wer Interesse hat, kann sich bei zwei Veranstaltungen informieren. Die Caritas Hagen lädt für Dienstag, 12. Juli, ab 10 Uhr zum Fachdienst für Kindertagespflege, Schwerter Straße 130, ein. Und der Sozialdienst katholischer Frauen referiert am 26. August, 10 Uhr, in der Hochstraße 83b.