Neuer Prachtband zeigt „Osthaus-Hochkaräter“

Hagen. (ME) Wenn es in Hagen um Kunst geht, darf ein Name kaum jemals fehlen: Karl Ernst Osthaus. Der schwerreiche Enkel des Schraubenfabrikanten Wilhelm Funcke gründete 1902 ein privates Museum in der Volmestadt, dem er den aus der nordischen Sagenwelt stammenden Namen „Folkwang“ gab. Es war seinerzeit das erste Museum für zeitgenössische Kunst in Deutschland und somit eine geradezu visionäre Einrichtung.

Neunzehn Jahre nach der Folkwang-Eröffnung starb Osthaus. Den Bestand an Kunstwerken verkauften die Erben 1921 von den Erben nach Essen, ins Museumsgebäude an der Hochstraße zog die Elektromark mit ihren Büros ein.

Wechselvolle Geschichte

Nach einer wechselvollen Geschichte in den nächsten rund dreieinhalb Jahrzehnten konnte das Osthaus’sche Bauwerk 1954 von der Stadt Hagen übernommen und wieder musealen Zwecken zugeführt werden. Direktorin des mittlerweile Karl-Ernst-Osthaus-Museum genannten „Musentempels“ war bis 1975 Herta Hesse-Frielinghaus. Sie legte 1961 ein Bestandsverzeichnis an, das 1974 um einen zweiten Band ergänzt wurde. Es handelte sich damals um kaum mehr als um zwei dicke „Kladden“.

Im Verlauf der Jahrzehnte wurde der Bestand an Kunstwerken stetig erweitert, darunter befinden sich zahlreiche Meisterwerke von internationaler Bedeutung.

Neuer Katalog längst überfällig

Ein neuer – sozusagen ein richtiger – Katalog war deshalb längst überfällig. Nun liegt das Werk vor, nach mehrjähriger Forschungsarbeit konnte der Prachtband jetzt die Druckerei verlassen und sowohl den Freunden des Osthaus-Museums als auch den Mitgliedern des Karl-Ernst-Osthaus-Bundes offiziell vorgestellt werden.

Natürlich konnten in dem repräsentativen Hardcover-Buch nicht alle Gemälde, Graphiken und Skulpturen aufgelistet werden, die sich im Eigentum des Hagener Museums befinden – das sind immerhin etwa 10.000 Arbeiten.

Die Herausgeber Tayfun Belgin, Birgit Schulte und Vincent Schmidt (der auch die wissenschaftliche Bearbeitung der Publikation übernahm) mussten sich deshalb verständlicherweise beschränken – sie haben 300 Werke ausgewählt.

Repräsentativ

Mit dieser Auswahl möchten Museumschef Tayfun Belgin und seine Stellvertreterin Birgit Schulte einen Überblick über die wichtigsten Werke geben. Doch damit nicht genug. Hundert Bilder und Skulpturen – allesamt Spitzenwerke von zumindest nationalem Rang – werden einer eingehenderen Betrachtung unterzogen. Hier reicht die Palette von Oskar Schlemmer, Max Liebermann und Lovis Corinth bis Friedensreich Hundertwasser und Günther Uecker.

Insgesamt zwölf verschiedene Autoren und Autorinnen – darunter Tayfun Belgin, Birgit Schulte und Elisabeth May – beschreiben diese Hochkaräter und präsentieren sie jeweils mit einer großen Abbildung.

Der inhaltlich und ästhetisch überzeugende Prachtband wurde sowohl von der „Ernst v. Siemens Stiftung“ (München) als auch vom Förderverein „Freunde des Osthaus Museums“ mitfinanziert. Für 37 Euro ist er im Museumsshop am Museumsplatz erhältlich.